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Paprottas Paragrafen

So kann’s gehen: Vanilletee ohne Vanille

Wo fühlen sich Verbraucher getäuscht? Der Neumarkter Anwalt Geedo Paprotta hat sich für uns auf die Suche gemacht.
Von Geedo Paprotta

Vanilletee, in dem kein Hauch Vanille ist – kann passieren, ist aber rechtens, solange der Tee nach Vanille schmeckt... Foto: Mohd Faizol Aziz/BERNAMA/dpa
Vanilletee, in dem kein Hauch Vanille ist – kann passieren, ist aber rechtens, solange der Tee nach Vanille schmeckt... Foto: Mohd Faizol Aziz/BERNAMA/dpa

Neumarkt.Wenn Sie dieser Tage bei Einbruch der Dunkelheit in den Garten hinausgehen, oder in den Park, dann sehen Sie mit etwas Glück diese magischen grünen Lichter durch die Luft schweben. Keine Sorge, das liegt nicht an der Weinschorle – es handelt sich vielmehr um Lamprohiza splendidula, das gemeine Glühwürmchen, auch Johanniswürmchen genannt.

Diese zauberhaften Käfer darf man allerdings nicht mit den so genannten Irrlichtern verwechseln. Letztere versuchen boshafter Weise, Wanderer des Nachts vom rechten Weg abzubringen. Die Armen verlaufen sich dann im Wald und nehmen kein gutes Ende. Wie, Sie sagen jetzt hätte ich zu viel Weinschorle abgekriegt? Dann fragen sie doch das Oberlandesgericht Frankfurt! Gut, sie haben Recht, da ging es jetzt konkret um eine andere Art von Irreführung – nicht mit den Augen, sondern mit den Ohren. Aber am Ende wurde trotzdem der Verbraucher getäuscht.

„Zentrum“ entpuppte sich als winziges Geschäft

Genauer ging es um ein kleines Hörgeräteakustikergeschäft. Vielleicht waren Minderwertigkeitskomplexe ausschlaggebend, vielleicht auch Marketinggesichtspunkte – oft ist beides ja kaum zu unterscheiden. Jedenfalls nannten die sich in einem Anflug von Größenwahn „Hörzentrum“. Die Richter des Oberlandesgerichts sahen sich den kleinen Laden an und schüttelten den Kopf. Das sei Irreführung der Verbraucher, denn diese verbinden den Begriff „Zentrum“ mit einer gewissen Größe und Marktbedeutung. Also Schluss mit der Irrlichterei! (Az. 6 U 35/17).

Und was erwarten Sie, so als Verbraucherin und Verbraucher, von einer „Praxisklinik“? Also das Landgericht Essen jedenfalls sieht darin keine Irreführung. Man erkenne doch sofort, dass es keine „richtige“ Klinik sei, mit Krankenschwestern und Betten und einer kleinen Kapelle zum Meditieren, weil eben „Praxis“ davor steht und da weiß doch jeder, dass es dann wohl kein Krankenhaus sein wird. Verbraucher gerettet (Az. 44 O 21/17).

Himbeertee muss auch keine Himbeeren enthalten. Foto: Ingo Wagner/dpa
Himbeertee muss auch keine Himbeeren enthalten. Foto: Ingo Wagner/dpa

Und wenn sie jetzt zum Beispiel Lust auf Tee haben? Sie gehen in den Laden, kaufen eine Packung leckeren Himbeer-Vanille-Tee und finden heraus, dass da keine Himbeeren drin sind und nicht mal ein Hauch von Vanille, sondern der Tee höchstens „Spuren von Nüssen“ enthalten kann? Geht da bei Ihnen das kleine grüne Licht an und Sie fühlen sich veräppelt? Vielleicht sogar ein bisschen irregeführt? Keine Sorge. Trinken sie den Tee und bewahren sie Ruhe.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat festgestellt: „Ein Früchtetee mit der Bezeichnung „Himbeer-Vanille“ muss weder Himbeeren noch Vanille und nicht einmal natürliche Aromen der beiden Früchte enthalten. Es reicht, wenn der Tee nach Himbeeren und Vanille schmeckt und die Zutaten auf der Verpackung korrekt angegeben sind.“ (Az. I-20 U 59/12 ).

Die gute Nachricht: Der Tee bestand nicht etwa aus giftig grün im Dunkeln leuchtender Chemie, sondern aus Hibiskus, Äpfeln, süßen Brombeerblättern, Orangenschalen und Hagebutte. Hätte man natürlich auch draufschreiben können? Aber dann wär’s nicht in meiner Glühwürmchenkolumne gelandet.

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