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Paprottas Paragrafen

Sport kann sehr gefährlich sein

Der Neumarkter Rechtsanwalt beleuchtet in seiner Kolumne dieses Mal, wann Sportler auf Schmerzensgeld hoffen können.
Von Geedo Paprotta

Skilehrer müssen per Gesetz auf die Sicherheit ihrer Schüler achten. Foto: verena Wolff
Skilehrer müssen per Gesetz auf die Sicherheit ihrer Schüler achten. Foto: verena Wolff

Neumarkt.Ich halte es ja für ein Gerücht, dass die meisten Unfälle in den eigenen Wänden stattfinden. Was soll schon groß passieren, wenn ich auf dem Sofa sitze, außer vielleicht, dass die Kaffeetasse runterfällt, wenn ich die Füße auf den Couchtisch lege? Wirklich gefährlich ist es, seine Wohnung zu verlassen und man im schlimmsten Fall vielleicht sogar sportlich aktiv wird!

Da war zum Beispiel diese waghalsige Dame in Nordrhein-Westfalen, die sich ein paar spitze Stöcke nahm und damit einen Gehsteig benutzte. „Nordic Walking“. Das konnte nicht gut gehen! Natürlich verhedderte sie sich mit einem der gefährlichen Stäbe in den Kordeln eines Packens Zeitungen, die am Gehsteig deponiert waren. Anschließend tat sie, was sie tun musste. Wie, Sie meinen den Sport aufgeben? Mitnichten. Sie verklagte den Zeitungsverlag auf Schmerzensgeld.

Allerdings bekam sie nur 30 Prozent. Das Amtsgericht Köln nämlich stellte fest, dass Sport eben eine unfallträchtige Angelegenheit ist und dass der Gehsteig auch ein ziemlich gefährliches Pflaster sei. Da müsse man jederzeit damit rechnen zu stolpern. Allerdings hätte es für den Zeitungsstapel einer Gehsteig-Sondernutzungserlaubnis bedurft und so gab es am Ende doch noch ein paar Euro zum Trost (Az. 166 C 550/17).

Der Gipfel aller brandgefährlichen Sportarten ist in meinen Augen natürlich das Skifahren. Man muss sich vor Augen führen, dass Berge auf allen vier Seiten Abhänge haben, dass Schnee rutschig ist, die Dinger über keine Bremsen verfügen und Gerüchten zufolge nachmittags die Hälfte aller Skifahrer so nüchtern wie ein karibischer Piratenkapitän sind. Von den spitzen Stöcken haben wir ja schon gehört.

Lesung

Neumarkter Anwalt schreibt Krimis

Geedo Paprotta verarbeitet Erlebnisse aus seinem Alltag literarisch. „Jagdtrieb“ ist der erste Band, zwei weitere folgen.

Eine Anfängerin wollte es deshalb besonders gut machen und nahm sich einen Skilehrer. Nun gibt es allerlei Geschichten über Skilehrer, aber an dieser Stelle genügt es zu wissen, dass dieser seine Schülerin „stark überforderte“. Trotz dichten Treibens drängte er die Frau dazu loszufahren. Prompt fuhr ihr ein anderer Skifahrer über die Skier. Das Ende vom Lied: Fibularfraktur und Syndesmosenruptur.

Was auch immer das sein mag: Das Landgericht Deggendorf verurteilte die Skischule zu 5000 Euro. Gemäß Ziffer III „Sicherheitsvorschriften in Wintersportorten E Nr. 3“ dürfen Skilehrer dem Schüler keine Risiken zumuten, denen diese nicht gewachsen seien (Az. 22 O 298/14).

Was aber ist, wenn als Nikolaus verkleidete Frauen Basketball spielen? Und das mit dem eventuellen Vorsatz, sich danach bei einer wilden Orgie zu betrinken? Dergleichen beobachtet man beim berühmten Nikolausturnier der Universität Münster. Eine betroffene Nikoläusin verletzte sich dabei und wollte dies als Arbeitsunfall geltend machen. Die Unfallversicherung wandte indessen ein, für Studentenpartys bestünde keine Haftung. Das Bundessozialgericht jedoch ignorierte die roten Fellmützen und erkannte die Sause als förmliche Hochschulsportveranstaltung an, für die Versicherungsschutz besteht (Az. B 2 U 15/17 R). Ich betreibe Sport dann trotzdem lieber von der heimischen Couch aus. Mit Hilfe meiner Fernbedienung bleibt er ungefährlich.

Weitere Teile der Kolumne „Paprottas Paragrafen“ lesen Sie hier.

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