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Recht

Verhältnis zur Schwiegermama vor Gericht

Beziehungen innerhalb einer Familie sind oft schwierig – manchmal sogar so sehr, dass sie vor dem Richter landen.
von Rechtsanwalt Geedo Paprotta

Über einen Streit zwischen Schwiegersohn und -mutter urteilte kürzlich ein Richter. Foto: Andreas Gebert/dpa
Über einen Streit zwischen Schwiegersohn und -mutter urteilte kürzlich ein Richter. Foto: Andreas Gebert/dpa

Neumarkt.Es gibt mythenumwobene Ungeheuer, die jeder Mensch kennt. Den Yeti, das Loch-Ness-Monster. Besonders bösartig sind die Schauergeschichten, die sich um Schwiegermütter ranken! Dabei ist sicher die Hälfte unwahr und der Rest gelogen. Ich sage das nicht etwa, weil ich Angst hätte…

Es gibt da wirklich boshafte Witze! Was ist sogar flüssiger als Wasser? Schwiegermütter – die sind nämlich überflüssig. Vielleicht haben wir Schwiegertöchter und Schwiegersöhne dadurch dazu beigetragen, den guten Ruf unserer eigenen Mütter zu ramponieren – denn man darf nie vergessen, dass auch die heilige eigene Mama für andere die Schwiegermama ist!

Das OLG Frankfurt hatte sich unlängst mit so einer Zankerei zwischen Schwiegersohn und Schwiegermutter höchstrichterlich zu befassen. Die Schwiegermama befand, dass der missratene Schwiegersohn die Enkelkinder nicht gut behandle, und schickte über WhatsApp Nachrichten an alle übrigen Familienmitglieder, die an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrigließen.

Die Richter hatten nun darüber zu befinden, ob es sich dabei um Beleidigungen handelt, die die Schwiegermutter zu unterlassen hat. Sie kamen zu einem ganz anderen Ergebnis: Selbst wenn es Beleidigungen sind – Schwiegermütter dürfen das! Innerhalb des engsten Familienkreises bestehe ein „ehrschutzfreier Raum“ In diesem persönlichen Freiraum könne sich jeder ohne gerichtliche Konsequenzen mit Verwandten aussprechen (Az. 16 W 54/18). Nach diesem Urteil dürfen sich viele Schwiegertöchter und Schwiegersöhne warm anziehen!

Andererseits werden Schwiegermütter ja auch andauernd gebraucht! Sogar, wenn sie bereits aus dieser Welt geschieden sind. Eine Apothekenmitarbeiterin aus Berlin rief ihre Chefin an und teilte mit, sie könne nicht zur Arbeit kommen, weil die Schwiegermutter verstorben sei. Die Chefin jedoch bestand darauf, dass sie zum Aspirinverkaufen antritt.

Die Angestellte soll daraufhin gedroht haben, sich dann eben einfach krankschreiben zu lassen. Bis zur Mittagszeit erschien sie zwar zur Arbeit, dann aber berief sie sich erneut auf die verstorbene Schwiegermutter und ging. Die Chefin begründete die fristlose Kündigung mit der angeblichen Drohung am Telefon, die eine andere Kollegin mitgehört habe. Doch das Arbeitsgericht Berlin befand, dass das heimliche Lauschen am Telefon die Persönlichkeitsrechte verletzt. Die Zeugin wurde nicht zugelassen, die Kündigung war unwirksam (Az. 2 Ca 17727/98).

Wussten sie übrigens, dass das Pflegen von kranken Schwiegermüttern vom Gesetzgeber besonders privilegiert wird? Da war eine Schwiegertochter für eine liebe Schwiegermama Einkaufen gegangen und bei Eisglätte gestürzt. Verletzungen an Hals- und Lendenwirbelsäule sowie an der Hand. Das Bayerische Landessozialgericht befand: Solche Pflegeunfälle sind Arbeitsunfälle und damit der gesetzlichen Unfallversicherung unterstellt! (Az. L 2 U 516/11) Geht doch. Schwiegermütter sind besser als ihr Ruf!

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