MyMz
Anzeige

Rechtskolumne

Vorsicht vor Rechtsüberholern!

Eigentlich darf nur links überholt werden. Doch keine Regel ohne Ausnahme – welche das ist, erklärt der Anwalt.
von Rechtsanwalt Geedo Paprotta

Verkehrsunfälle landen immer wieder vor Gericht. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Verkehrsunfälle landen immer wieder vor Gericht. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Neumarkt.Es gibt Regeln des Alltags, die einem mehr oder minder in Fleisch und Blut übergegangen sind. Zum Beispiel: Niemals rechts überholen, außer in Großbritannien vielleicht. Die Regel mit dem Rechtsüberholen übrigens ist nicht hundertprozentig verlässlich. Wie würden Sie zum Beispiel entscheiden, wenn sie auf der Ludwigstraße in Oer-Erkenschwick gerade mit Ihrem Jaguar rechts in eine Parklücke abbiegen wollen und … summ … prescht da noch ein Motorroller rechts an Ihnen vorbei, der es so gar nicht abwarten konnte? Das darf der nicht! Oder? Von wegen…

Das OLG Hamm hat entschieden, dass beide schuld sind. Was besonders wehtat, weil der Jaguar einen Schaden von 8500 Euro davontrug. Auch für Rechtsabbieger gelte die doppelte Rückschaupflicht, entschieden die Richter. Einzige Ausnahme: Wenn man sich so weit rechts eingeordnet hat, dass keiner mehr vorbeikommt. Nicht mal ein Roller (Az. 9 U 88/13).

Einen Überblick über die häufigsten Verkehrsverstöße in Neumarkt finden Sie hier.

Ungefähr halbe-halbe ging es auch auf der A33 Richtung Bielefeld an der Abfahrt Paderborn-Elsen aus. Da gabelt sich die Autobahn und zwei Autofahrer fuhren gemächlich auf die Gabelung zu. Der eine wollte nach rechts weg, der andere geradeaus – dachte der Erste jedenfalls. In Wahrheit wollte der Linke auch nach rechts (ein Phänomen, das wir neuerdings häufiger auch in der Politik erleben…). Der Rechte zog gerade am anderen vorbei, als der plötzlich auch nach rechts hinüberzog.

Beim OLG Hamm wurde folgende Weisheit ventiliert: Gabelt sich eine Straße, so beurteilen sich die straßenverkehrsrechtlichen Pflichten danach, ob eine der Straßen nach vernünftiger Verkehrsauffassung als Fortsetzung der bisherigen Fahrtrichtung anzusehen ist. Ist keiner der „Schenkel“ Vorfahrtsstraße, nach seiner Bauart deutlich erkennbar, so ändert jeder beim Einfahren in einen Ast seine Fahrtrichtung. Somit waren beide Fahrzeugführer gehalten, deutlich, rechtzeitig und blinkend ihr bevorstehendes Abbiegen anzukündigen. Zudem hatten sie sich möglichst weit rechts einzuordnen. Nur wer sich so weit rechts eingeordnet hat, dass keiner mehr vorbeikommt, darf darauf vertrauen, dass ihn kein nachfolgendes Fahrzeug rechts zu überholen versucht (Az. 7 U 14/16).

Das kann man einfacher erklären und problemlos auf dien Politik übertragen: Wenn die Lage kompliziert ist, muss man besonders gut aufeinander schauen, denn gerade in solchen Situationen droht stets Gefahr von rechts.

Lesen Sie mehr:

Mehr Teile der Kolumne Paprottas Paragrafen finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht