MyMz
Anzeige

Paprottas Paragrafen

Wann Sie in der Tiefgarage haften

In der engen Tiefgarage kommt es schnell zu Unfällen und Blechschäden. Anwalt Geedo Paprotta erklärt die Gesetzeslage dazu.
Geedo Paprotta, Rechtsanwalt

In engen Tiefgaragen passieren schnell Unfälle. Foto: Schön
In engen Tiefgaragen passieren schnell Unfälle. Foto: Schön

Neumarkt.Unsere Vorfahren hatten zwar lebensbedrohende Probleme wie Kälte, Hunger und Säbelzahntiger – aber zumindest waren diese Probleme leicht verständlich und für jeden überschaubar. Wir heute hingegen werden mit Sorgen überhäuft, die kaum zu bewältigen sind. Oder glauben Sie, ein steinzeitlicher Jäger und Sammler käme beim Einparken in einer modernen Tiefgarage klar? Ein Mammut zu erlegen ist dagegen ein Spaziergang! Wenn es kracht, kommt auch das Amtsgericht München daher und gibt dem dusseligen Unfallgegner recht, obwohl der nicht mal „rechts vor links“ beherrscht.

So geschehen mit Urteil vom Juni 2016. In Tiefgaragen und auf Parkplätzen müsse man jederzeit mit Rangierverkehr rechnen und neben dem gesunden Menschenverstand gelte hier das besondere Rücksichtsnahmegebot. Anders formuliert: Wer sich in die Höhle des Säbelzahntigers zum Parken hineinbegibt, der gibt die allgemeinen Verkehrsregeln schon bei der Einfahrtsschranke ab und ist bei praktisch jedem Unfall mit 50 Prozent Mithaftung dabei (Az. 333 C 16463/13).

Als Inhaber einer Anwaltskanzlei ist Geedo Paprotta hautnah dran am Gerichtsalltag. In unserer Kolumne beschäftigt er sich jeden Montag mit einem anderen juristischen Thema.
Als Inhaber einer Anwaltskanzlei ist Geedo Paprotta hautnah dran am Gerichtsalltag. In unserer Kolumne beschäftigt er sich jeden Montag mit einem anderen juristischen Thema.

Lustig wird es, wenn man wegen der beengten Verhältnisse rückwärts rangieren muss. Ein BMW-Fahrer, der sich den Lack dabei in einem Parkhaus in Nürnberg verschrammt hat und das Geld wegen des unsinnigen Hindernisses von der Hausverwaltung verlangte, wurde vom Amtsgericht München belehrt, dass er halt vorher aussteigen hätte müssen, um sich die Parkbucht genau anzuschauen (122 C 5010/16).

Zum Glück machen moderne Autos „Piep-Piep-Pieeeep“, wenn man rückwärts zu nah an etwas heranfährt. Aber was hilft das, wenn diese wunderbare Heinzelmännchentechnik ausgerechnet dann ausfällt, wenn man sie am nötigsten braucht? Deshalb befand das Landgericht Coburg, dass ein ausgefallener Einparkassistent dermaßen überlebenswichtig ist, dass sein Ausfall zum Rücktritt vom Autokaufvertrag berechtigt (Az. 23 O 25/16).

Eine Studie über Nutzer von Mutter-Kind-Parkplätzen in Tiefgaragen hat übrigens ergeben: Die deutsche Durchschnittsmutter ist 50 Jahre alt und in der Regel männlich.

Mehr aus Neumarkt und Umgebung:

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht