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Kolumne

Welche Rassen sind Kampfhunde?

Der Neumarkter Rechtsanwalt Geedo Paprotta hat Gerichtsurteile über gefährliche Vierbeiner unter die Lupe genommen.
Von Rechtsanwalt Geedo Paprotta

Ein Staffordshire Bullterrier beschäftigte das Verwaltungsgericht Neustadt. Foto: Axel Heimken/dpa
Ein Staffordshire Bullterrier beschäftigte das Verwaltungsgericht Neustadt. Foto: Axel Heimken/dpa

Neumarkt.Also die Sache ist die: Wenn Sie daheim so ein putziges Knäuel haben, das ihre Schuhe zerbeißt und den ganzen Tag Hunger hat, dann handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Hundewelpen. Einige von denen behalten diese praktische Größe und passen ihr ganzes Hundeleben lang in die Handtasche. Die meisten anderen werden größer und hören irgendwann in unterschiedlichen Gewichtsklassen zu wachsen auf. Ab diesem Zeitpunkt kann es zu Überraschungen kommen.

Mini-Bullterrier als Kampfhund

So geschehen bei einer Hundebesitzerin vor dem Verwaltungsgericht Halle. Ihr Zamperl war ein sogenannter „Mini-Bullterrier“. Wenn ein Hund schon den Wortstamm „mini“ vorne dran stehen hat, sollte man doch davon ausgehen, dass es sich dabei um einen harmlosen, sehr kleinen Vierbeiner handelt, oder? Doch die Richter am Verwaltungsgericht Halle blickten weniger auf das „mini“, sie hatten eher das Wort „Bullterrier“ im Visier. Und tatsächlich, bei genauer Inaugenscheinnahme des Erscheinungsbildes der Rasse sieht das Tier doch verblüffend stark nach Bullterrier aus – einschließlich des bisweilen übellaunigen Auftretens. Deshalb wurde das Kerlchen unter der Kategorie „gefährlicher Hund“ mit einer erhöhten Hundesteuer belegt.

Rechtsanwalt Geedo Paprotta schreibt wöchentlich für das Neumarkter Tagblatt.
Rechtsanwalt Geedo Paprotta schreibt wöchentlich für das Neumarkter Tagblatt.

Der Einwand der Besitzerin, es handele sich nicht um einen „Kampfhund“, sondern eine ganz eigene Rasse, ließ die Richter kalt. Sie erkannten den Miniatur Bullterrier als einen astreinen Unterfall des gemeinen Bullterriers und deshalb als erhöht hundesteuerpflichtigen mini-gefährlichen Hund (Az. 4 A 144/18 HAL).

Wie kategorisiert man Kampfhunde?

Na toll – und wie unterscheidet man jetzt Zamperl und Kampfhunde – insbesondere, wenn es zu Vermischungen kam? Da hilft das Verwaltungsgericht Stuttgart weiter: Die dortigen Richter befanden zunächst einmal, dass es mitnichten genügt, wenn ein Hund einfach nur böse schaut und äußerlich einer als gefährlich katalogisierten Hunderasse ähnelt. Eine Frau mit einem Tier, das genau wie ein Pitbull aussah, hatte sich gegen eine entsprechende Diskriminierung ihres Tieres gewehrt.

Recht

Die Gefahren eines Jagdhundes

Der Neumarkter Rechtsanwalt Geedo Paprotta befasst sich in seiner aktuellen Kolumne mit gefährlichen tierischen Fällen.

Wegen seiner Gefährlichkeit wollte man ihr den Hund sogar wegnehmen. Sie bestand darauf, es sei ein harmloser Mischling, den sie in Italien bei einem Händler direkt aus dem Kofferraum gekauft hätte. Die Richter befanden bei genauerem Hinsehen: Das Tier sei absolut nicht aggressiv und auch sicher kein Pitbull, sondern eher eine völlig verkorkste Promenadenmischung. Die Frau durfte den wandelnden Flohzirkus behalten. Und wenn die beiden nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute (Az. 5K 4370/06).

3700 Euro für das Herrchen

Wenn es aber doch ein Pitbull gewesen wäre? Und man ihr diesen abgenommen hätte? Wo kommt der Hund dann eigentlich hin und wer bezahlt die Kosten? Ins Tierheim natürlich, entschied das Verwaltungsgericht Neustadt betreffend den Staffordshire Terrier Paul. Und die dafür anfallenden Kosten von 3700 Euro, die muss laut Verwaltungsgericht Pauls Herrchen tragen (Az. VG 5K 1373/06NW). Da kann man Paul nur wünschen, dass sein Eigentümer auch liquide bleibt. Wie besagt doch ein unter Vierbeinern beliebtes Sprichwort: Ist der Mensch gesund, freut sich der Hund …

Weitere Paragrafen des Rechtsanwalts finden Sie hier.

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