MyMz
Anzeige

Kolumne

Wenn Schönheits-OPs vor Gericht enden

Für seine Schönheit zieht so mancher und so manche vor Gericht, wie der Neumarkter Anwalt Geedo Paprotta erklärt.
Von Anwalt Geedo Paprotta

Manche Menschen legen sich unters Messer, um ihrer Ansicht nach schöner zu werden. Foto: Jens Schierenbeck/dpa
Manche Menschen legen sich unters Messer, um ihrer Ansicht nach schöner zu werden. Foto: Jens Schierenbeck/dpa

Neumarkt.Viele unserer Mitmenschen sind schön und merken es gar nicht. Vielleicht sollten wir ihnen das einfach häufiger sagen? Andererseits könnte ich Ihnen dann heute an dieser Stelle gar nichts über Schönheitsoperationen erzählen. Die gibt es ja schließlich nur, weil Leute glauben: „Da geht noch was!“ Mitunter muss man allerdings in diesen Fällen auch oft feststellen: „Da ging was schief …“ Apropos schief: Da traf sich eine junge Frau vor dem Oberlandesgericht Schleswig-Holstein mit einem plastischen Chirurgen. Die beiden waren sich schon früher einmal begegnet, weil die Dame das unschöne Gefühl gehabt hatte, ihre Brüste seien schief. Irgendwie asymmetrisch. Der Schönheitsmediziner straffte und reduzierte ein wenig, ein Schnitt. Klammer, Tupfer … absaugen bitte. Fertig waren die perfekt symmetrischen Brüste bei der Frau.

Bis es an einer der beiden Brüste zu einer Infektion kam, die zwei Monate lang andauerte – und am Ende waren die Brüste wieder unsymmetrisch. Das hätte sie auch leichter haben können, klagte die junge Frau und verlangte Schadenersatz von ihrem vermeintlichen Peiniger. Doch das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein stellte in seinem Urteil fest: Schiefe Brüste sind das typische Risiko beim Versuch einer Brustbegradigung. Darüber war die junge Frau auch ausdrücklich ärztlich aufgeklärt worden. Deshalb gab es am Ende gar nichts für die Klägerin (Az. 4 U 103/10).

Rechtsanwalt Geedo Paprotta Foto: Gaupp
Rechtsanwalt Geedo Paprotta Foto: Gaupp

Dabei sind solche Operationen wahnsinnig teuer! Eine 20-Jährige wollte die Kosten einer Bruststraffung – stolze 4600 Euro – in der Einkommensteuererklärung als außergewöhnliche Belastung geltend machen. Ihre Brüste hätten zu psychischen Problemen geführt, die Operation war unumgänglich, argumentierte sie gegenüber dem, Finanzamt. Auf Basis eines medizinischen Gutachtens, das den Eingriff als völlig unnötig qualifizierte, lehnte das Finanzamt – wie zuvor schon die Krankenkasse der Frau – die Berücksichtigung der Kosten jedoch ab.

Selbst wenn es keine Schönheitsoperation, sondern eine psychologische Maßnahme gewesen sei, gelte der Grundsatz: Vorbeugende Aufwendungen können nicht der Lebenshaltung zurechnet werden, urteilte dazu das Finanzgericht Rheinland-Pfalz (Az. 5 K 1753/13).

Man sieht also: Die Schönheitsbranche hat es nicht leicht. Anders als die Kollegen von der Waschmittelwerbung dürfen sie nicht mal Vorher-Nachher-Bilder zeigen. Selbst wenn die perfekte Symmetrie gelungen ist. Das Oberlandesgericht Koblenz rügte die Internetwerbung einer Schönheitsklinik wegen Verstoßes gegen Paragraf elf des Heilmittelwerbegesetzes. Danach darf für Schönheits-Operationen nicht mit einer vergleichenden Darstellung vor und nach dem Eingriff geworben werden.

An der Unzulässigkeit der Bilddarstellung ändert sich nach Auffassung der Richter des Oberlandesgerichts auch nichts dadurch, dass die Bilder im Internet erst nach einer Registrierung aufgerufen werden können. Genauso wenig hilft es, die Bilder nur Patienten zugänglich zu machen, die sich eingehend informiert haben. Der Gesetzgeber kennt die Verführbarkeit seiner Bürger und hat deshalb schlicht jede Form der Werbung mit Vorher-Nachher-Bildern verboten. Auch wenn sie noch so gerade hängen (Az. 9 U 1362/15).

Alle Teile der Kolumne „Paprottas Paragrafen“ finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht