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Paprottas Paragrafen

Wer hat noch nicht gespickt?

Immer wieder versuchen Schüler bei Tests zu mogeln, obwohl jeder weiß, dass das verboten ist. Das sagt ein Rechtsanwalt dazu.
Von Geedo Paprotta, Rechtsanwalt

Jeder hat es doch einmal in der Schule gemacht: Spicken. Foto: Franziska Gabbert
Jeder hat es doch einmal in der Schule gemacht: Spicken. Foto: Franziska Gabbert

Ich weiß ja nicht, wie Sie es gemacht haben? Und erzählen sie mir jetzt bloß nicht, Sie hätten nie in der Schule…!

Also meine bevorzugte Methode war, es sich mit dem Kugelschreiber auf die Handfläche zu kritzeln. Saublöd natürlich, weiß doch jeder, dass man schwitzige Hände bekommt, wenn man nervös wird und wenn man sich dann auch noch ans Hirn langt und danach eine spiegelverkehrt abgedruckte binomische Formel von der Stirn prangt, ist das echt peinlich. Ich rede vom Spicken. Oder wie Juristen sagen: „Unterschleif“. Jeder hat es mal gemacht, trotzdem ist es verboten!

Vor dem Verwaltungsgericht in Ansbach hatte eine Frau geklagt, weil sie wegen Spickens vom Abi ausgeschlossen worden war. Es ging um die Deutschklausur. Da hatten sich beim Korrigieren einige Passagen gefunden, die so aussahen, als wären sie eins zu eins zu eins aus dem Internet kopiert.

Auswendig gelernt oder abgeschrieben?

Als die Schule die junge Dame mit diesem Vorwurf konfrontierte, kam die Missetat ans Licht. Zwar hatte sie ihr Smartphone vor der Prüfung brav abgegeben, in ihrer Tasche aber hatte sie das Smartphone ihrer Schwester versteckt und während der Prüfung fleißig damit gegoogelt. Sie versuchte sich zwar damit herauszureden, sie hätte das zweite Smartphone gar nicht benützt, sondern die besagten Texte alle auswendig gekonnt. Als sie die allerdings dann vor den Augen der Schulleitung nochmals rezitieren sollte, hatte sie, ähhh … alles vergessen. Erdrückende Indizienlage, ein schwerer Fall von Unterschleif. Vom Verwaltungsgericht bekam sie ihr Abi dann leider auch nicht mehr (Az. AN 2 K 17.01673).

Als Inhaber einer Anwaltskanzlei ist Geedo Paprotta hautnah dran am Gerichtsalltag. In unserer Kolumne beschäftigt er sich jeden Montag mit einem anderen juristischen Thema.
Als Inhaber einer Anwaltskanzlei ist Geedo Paprotta hautnah dran am Gerichtsalltag. In unserer Kolumne beschäftigt er sich jeden Montag mit einem anderen juristischen Thema.

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte ebenfalls über den Fall einer Schülerin zu entscheiden, die gar nicht erst zum Abitur zugelassen worden war. Solche Geschichten kennt man üblicherweise nur bei falschen Doktortiteln: die Frau hatte bei ihrer Seminararbeit gedacht, zuhause würde ihr ja keiner über die Schulter blicken und besonders intensiv die „copy-paste“-Funktion ihres Textverarbeitungsprogramms genutzt um intensiv aus dem Internet abzukupfern.

Plötzlich gute Noten

Das hatte sie dann als eigene Gedankenleistung verkaufen wollen und dafür null Punkte kassiert, was automatisch die Nichtzulassung zum Abitur bedeutet. Vor Gericht argumentierte sie, man habe ihr in der Schule nie richtig beigebracht, wie man fremde Texte korrekt zitiert. Doch die Richter befanden, das müsse für eine angehende Abiturientin ja wohl das kleine Einmaleins sein und glaubten der Plagiatorin kein Wort (Az. 7 CE 11.1035).

Auffällig ist auch, wenn ein chronischer Fünferkandidat in Deutsch bei der Mittleren Reife plötzlich mit „sehr gut“ glänzt. Dummerweise kam heraus, dass der neue Freund seiner Mutter Lehrer ist und dem Prüfling vorab die Aufgaben verraten hatte. Abgesehen davon, dass es dafür keine Mittlere Reife für den Jungen gab, kassierte der Lehrer aus Aichach auch sieben Monate auf Bewährung und arbeitete in der Folge als Kassierer im Supermarkt.

Dabei ist Spicken manchmal wirklich hilfreich! Der amtierende US-Präsident hatte sich vor einiger Zeit bei einem Termin mit Gewaltopfern auf seinem Spicker notiert, dass er unbedingt Mitgefühl zeigen muss.

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