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Passionsspiele

Der Profi bei den Passionsspielen

Bei den Neumarkter Passionsspielen hat das Ensemble aus Laienschauspielern mit Michael Ritz erstmals einen Profi-Regisseur.
von Wolfgang Endlein

Auf die Ansagen von Regisseur Michael Ritz hören die gesamten Passionsspiele. Foto: Wolfgang Endlein
Auf die Ansagen von Regisseur Michael Ritz hören die gesamten Passionsspiele. Foto: Wolfgang Endlein

Neumarkt.Es gibt das Klischee über Theater-Regisseure: Genervt in einer der ersten Zuschauerreihen sitzend plärrt der Regisseur, der natürlich lässig einen Schal trägt, seine Anweisungen auf die Bühne. Garniert mit deftigen Worten, die seine Unzufriedenheit mit den Schauspielern unterstreichen. Michael Ritz, der Regisseur der Passionsspiele, sitzt auch weit vorne im Zuschauerraum, trägt ebenfalls einen Schal und das Wort mit Sch am Anfang kennt er auch.

Von seinem Stammplatz aus beobachtet Michael Ritz das Geschehen. Foto: Endlein
Von seinem Stammplatz aus beobachtet Michael Ritz das Geschehen. Foto: Endlein

Daniel Mederer bekommt es zu hören. Einmal. Der junge Schauspieler, der den Judas bei den Passionsspielen gibt, hat Einzelprobe bei Michael Ritz. Der ganze Fokus des Regisseurs liegt auf Mederer. Immer und immer wieder muss er Sätze wiederholen. Immer und immer wieder greift Ritz ein und korrigiert Mederer.

Das Wort mit Sch

„Nimm doch den Sch… Beutel so“, platzt es aus Ritz in einer Szene heraus, in der Mederer einen ledernen Geldbeutel in seine Darstellung des Judas einbauen soll. Ritz kann durchaus laut werden, das oben gezeichnete Klischee eines Theater-Regisseurs erfüllt er deswegen aber trotzdem nicht.

Die Passionsspiele in Neumarkt

Trotz mitunter höherer Lautstärke, putzt Ritz nicht runter, er feuert vielmehr an. Mehr noch: Wenig später hört man beide, Regisseur und Schauspieler, auf der Bühne lachen. Ritz schafft es, nach direkten Ansagen den Dreh hin zum Spaß zu finden.

Fritz Iberl, der als Schauspieler bei den Passionsspielen schon einige Regisseure erlebt hat, sagt über den neuen Regisseur: „Er ist akribisch, aber er bringt immer wieder den Humor mit rein“. Lothar Schölzke, der das erste Mal bei den Passionsspielen mitspielt, aber nach eigener Aussage schon bei diversen professionellen Filmen mitgewirkt hat, sagt über Ritz: „Er ist konsequent, aber er nimmt die Schauspieler auch in die Eigenverantwortung“.

Michael Ritz erarbeitet in der Einzelprobe mit den Hauptdarstellern wie Daniel Mederer (Judas) deren Rolle.  Foto: Endlein
Michael Ritz erarbeitet in der Einzelprobe mit den Hauptdarstellern wie Daniel Mederer (Judas) deren Rolle. Foto: Endlein

Ritz gibt nicht den Diktator, er nimmt die Darsteller mit. So ist es auch bei Daniel Mederer alias Judas. „Wie würdest Du es machen?“, fragt Michael Ritz an einer Stelle der Einzelprobe. Gemeinsam erarbeiten Regisseur und Schauspieler Stück für Stück Gesten, Betonungen und Ablauf auf der Bühne. Dafür sitzt Ritz keineswegs nur auf seinem Platz im Zuschauerraum. Rauf auf die Bühne, runter, hingesetzt, wieder zurück und das Ganze nochmal von vorne: So geht das die ganze Einzelprobe lang. Ritz zeigt dabei auch selbst sein schauspielerisches Talent, wenn er den Laien Gesten und Betonung vormacht.

„Er ist ein Profi. Das merkt man.“

Schauspieler Lothar Schölzke über Regisseur Michael Ritz

„Der könnte auch selbst mitspielen“, sagt daher ein Darsteller über Ritz. „Er ist ein Profi. Das merkt man“, sagt Lothar Schölzke. Tatsächlich ist der 61-jährige studierte Theaterwissenschaftler der erste Profi, der die Passionsspiele als Regisseur anleitet.

Die MZ hat den Passionsspielen bereits einige Artikel gewidmet:

  • Wie die Bärte in der Passionsspielzeit wuchern, zeigt dieser Artikel.
  • Auch mit den Kostümbildnern hat die MZ gesprochen.
  • Wer die Bösewichter der Passionsspiele sind und sie das auch wirklich sind, erklärt dieser Artikel.
  • Alle Teile der MZ-Serie zu den Passionsspielen finden Sie hier.

Der Profi trifft dabei auf Laienschauspieler. Ein Problem hat Ritz damit nicht. „Laienschauspieler haben einen ungekünstelten Charme“, hebt der Regisseur einen Vorteil hervor, den er bei seiner Arbeit bei diversen Festspielen wie etwa den Schweppermannspielen, dem Mittelalter-Spektakel Soester Fehde in Nordrhein-Westfalen und den Knorr-von-Rosenroth-Festspielen in Sulzbach-Rosenberg kennen und schätzen gelernt hat.

Nicht einfach nur den Text aufsagen

„Ich arbeite mit Laienschauspielern nicht anders als mit Profis“, sagt Ritz. Was bedeutet, dass es bei aller Eigenverantwortung für den einzelnen Darsteller ohne Anleitung nicht geht. „Spiel es konkret“, ruft er Daniel Mederer immer wieder zu, um ihn zu ermuntern, mehr den besagten Geldbeutel einzusetzen. So soll das Gesagte gestenreich unterstrichen werden. Der Schauspieler solle nicht einfach nur den Text dahersagen, erklärt Michael Ritz seinen Ansatz.

Der Countdown vor der Premiere

  • Premiere:

    Nur noch drei Tage, dann sind die Neumarkter Passionsspiele offiziell eröffnet. Zuvor müssen die Schauspieler und alle Beteiligten noch durch den Feinschliff der letzten Proben.

  • Letzte Proben:

    Regisseur Michael Ritz bittet die Schauspieler am Donnerstag um 19 Uhr zur sogenannten zweiten Hauptprobe. Einen Tag später (19 Uhr) ist bei der Generalprobe die letzte Chance, etwas zu verändern.

Ein Weiterer, den der 61-Jährige für die diesjährigen Passionsspiele festgesetzt hat: Er will es nicht pathetisch haben. Nicht in den Darstellungen der Schauspieler und auch nicht im Bühnenbild. Weswegen es diesmal auch ein eher neutrales Bühnenbild zu sehen gibt im Vergleich zu den vergangenen Ausgaben.

Für die anstehende Premiere am Samstag ist Michael Ritz, der zudem der Leiter des Kulturschloss Theuern und des Bergbau- und Industriemuseums Ostbayern ist, frohen Mutes. „Es ist eine tolle Truppe“, sagt der Regisseur über die gesamte Passionsspiele-Familie auf, vor und hinter der Bühne.

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