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Einblicke

Die Kostümbildner der Passionsspiele

Zettel und Stift liegen stets auf dem Nachtkästchen. Rita Iberl hat auch nachts Ideen, wie sie ein Kostüm anpasst.
Von Lothar Röhrl

  • Was Rita Iberl (r.) und Sabine Ehrler für die Passionsspiele in ihrem „Der Stoffladen“ nicht haben, wird bestellt. Fotos: Röhrl

Neumarkt.Rita Iberl ist zum dritten Mal für ein Neumarkter Passionsspiel als Kostümbildnerin tätig. Immerhin werden für rund 450 Mitwirkende (inklusive Chor) auch ebenso viele Kostüme gebraucht. Diese Aufgabe löst sie nicht allein. Denn mit Sabine Ehrler steht ihr bei der Planung der Gewänder und aller dazugehörigen Accessoires eine Kraft zur Seite, mit der sie auch beruflich zusammenarbeitet. Denn beide betreiben in der Hallertorstraße 18 den „Stoffladen“. Rita Iberl darf mit diesem übrigens heuer am 19. Februar 25-jähriges Bestehen feiern. Schon 1999 und 2009 war dieser Laden auch so eine Art „Hauptquartier“ der Kostümbildnerei. Denn in diesem lagert eine Menge an Stoffen, die gemäß dem Werbespruch von Rita Iberl „Attraktive Stoffe für individuelle Mode“ garantieren wollten.

Der Regisseur gibt auch hier den Ton an

Freilich: Ohne die Zustimmung von Regisseur Michael Ritz wurde in den vergangenen eineinhalb Jahren kein Kostüm für das Anfertigen frei gegeben. So lange ist es auch her, dass Ritz seine Grundvorstellung präsentiert hatte: Er wollte, dass bei den Spielen 2019 ganz andere Farben bestimmend sind als zehn Jahre zuvor: Erdfarben statt Pastelltöne. So wurde die Betonung auf Leinen und Baumwolle gelegt. Diesen Unterschied werden die Zuschauer vor allem bei den Aposteln feststellen. Und noch eines habe der Regisseur gewollt: „Er wollte Fülle. Auf der Bühne sollte alles groß wirken. Deshalb wurden für das Volk große statt kleine Tücher angefertigt.“ Für jede der rund 120 Personen im „Volk“, das in den ersten beiden Bildern auftritt, wurde jedes Gewand neu angefertigt. Das gilt auch für alle rund 90 Akteure, die eine Sprechrolle haben. „Für jeden waren bis zu drei Teile anzufertigen“, berichtete Iberl. Sie wandte aber auch ein: „So viele neue Kostüme es auch gibt, einiges von 2009 wird wiederverwendet. Manches wurde umgefärbt, wenn passende Farben im Handel nicht zu finden waren.“

Wir haben uns mit einem Video im „Stoffladen“ in der Hallertorstraße, der Zentrale der Kostümbildnerei, umgesehen:

Video: Lothar Röhrl

Ob neu oder geändert: Rita Iberl und Sabine Ehrler stand und steht ein erfahrenes Team an Näherinnen zur Verfügung. Helma Amon, Gitta Bösl, Marianne Weber und Marianne Heß haben sich immer wieder im Schwesternhaus an der Bräugasse getroffen. „Das Schöne ist: Jeder ist gleich wichtig. Immer wieder kamen von ihnen eigene Ideen. Das ist einfach eine tolle Truppe. Das hat sich auch beim Aufräumen bewiesen“, freute sich Rita Iberl. Die meisten davon sind – wie sie selbst – schon für die dritten Passionsspiele im Einsatz. Helma Amon und Sabine Ehrler sind die Ausnahmen: Amon, weil es für sie die vierten Spiele sind, und Sabine Ehrler, weil es für die Mitbetreiberin des Stoffladens die ersten sind. „Sie wird meine Nachfolgerin sein, wenn es 2029 die nächsten Spiele geben wird“, verriet Rita Iberl der Mittelbayerischen.

Für die Kostümbildnerinnen wird ihr Part mit der Premiere am 9. März noch nicht zu Ende gehen. „Während der Spielzeit wird einiges zu reparieren sein“, sagte schon jetzt Rita Iberl gemäß ihrer Erfahrung aus ihren zwei vergangenen Aufführungsphasen voraus. Nach der letzten Vorstellung am 19. April werde erst noch richtig aufgeräumt beziehungsweise im Kleiderfundus schonend verstaut.

Für Rita Iberl speziell ist die dann folgende Pause von einem Bühnenprojekt nur kurz. Denn sie wirkt beim Kolpingtheater mit. Das wird auch beim 30. Altstadtfest heuer wieder ein Stück von Hans Sachs zum Besten geben. Und nicht lange nach diesem zweiten Wochenende im Juni beginnen die Proben für die von Angelika Zankl-Horvath als Regisseurin geleitete Herbst-Komödie der Neumarkter Kolpingbühne.

Ehemann Fritz ist im Hohen Rat

Übrigens: Ganz von Kopf bis Fuß sind Rita Iberl und Sabine Ehrler bei jedem Akteur nicht zuständig. Für das richtige Schuhwerk ist Rita Iberls Ehemann Fritz zuständig. Im speziellen kümmert sich Fritz Iberl, der sich einen Bart für eine Rolle im Hohen Rat sprießen ließ, auch um die Ausrüstung der Soldaten. Seit wenigen Tagen ist dank dem über die Raiffeisenbank laufenden Crowdfunding-Projekt sicher, dass die zwölf Römer-Rüstungen angeschafft werden können. Denn zum Limit 13. Januar 23.35:49 Uhr war mit 5099 die Marke von 5000 Euro erfolgreich geknackt worden. Die Rüstungen werden von einer Firma bezogen, welche Repliken von historischen Vorlagen herstellt.

Dem Fazit von Rita Iberl stimmte auch Sabine Ehrler zu. „Das ist keine Arbeit. Es macht alles so viel Spaß, auch wenn mir einmal nach elf Stunden ununterbrochen an der Nähmaschine alles wehgetan hat. Ich freue mich auch auf jede Probe.“ Dabei tun Rita Iberl und ihr Team alles ehrenamtlich – also ohne Entlohnung. Das passiert eben nicht nur untertags, sondern eben am Beispiel Rita Iberl manchesmal auch beim Aufwachen tief in der Nacht.

Das Team werkelt seit Herbst 2017

In der Kleinen Jurahalle dort, wo sich unter der festinstallierten Bühne bei Faschingspartys die Bar befindet, sind Rita Iberl und ihre Damen (von links im Bild) Marianne Heß, Gitta Bösl, Helma Amon und Rita Iberl – nicht im Bild Marianne Weber) ‚stationiert‘.

Der „Ton der Saison“

Sand- und Erdfarben sollte nach dem Willen von Regisseur Michael Ritz als Grundtöne bei den Gewändern vorherrschen. Hier beobachtet Ritz eine Probenszene mit Jesus (Thomas Fries), einem Teil dessen Aposteln und einigen Akteuren, die zum „Volks“ gehören.

Das bunte Bild 13:

Ein Bild gibt es, das sich von den anderen 18 unter anderem in den vorherrschenden Farben unterscheidet. Stoffladen-Mitbesitzerin Sabine Ehrler präsentiert auf der Ladentheke einige der Pailletten-Stoffe für die Kleider der Tänzerinnen.

Botschaft von Form und Farbe

Die Hüte des Hohen Rates – Sabine Ehrler zeigt ein Exemplar – sollen noch etwas höher werden. Michael Ritz wünscht sich eine möglichst bedrohliche Wirkung, die von ihnen ausgeht. Hoch und schwarz – damit sollen Kajaphas und Co. auftreten.

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