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Passionsspiele

Wie Jurahalle zum Bühnenhaus wird

Wo sonst Bierbänke stehen, soll auf einmal Theaterflair herrschen. Die Lichttechniker realisierten intelligente Lösungen.

Hinter den Kulissen muss die Technik mitspielen, damit auf der Bühne alles klappt. Foto: Wolfgang Endlein
Hinter den Kulissen muss die Technik mitspielen, damit auf der Bühne alles klappt. Foto: Wolfgang Endlein

Neumarkt.Bastian Lang hatte keine leichte Aufgabe. In der Kleinen Jurahalle, in der sonst Bierbänke stehen oder Bürgerversammlungen stattfinden, soll der Licht- und Tontechniker mit seinem Team bei den Neumarkter Passionsspielen ein einzigartiges Theaterflair wie in einem klassischen Bühnenhaus zaubern.

Der Wunsch von Regisseur Michael Ritz schraubte die Anforderungen noch weiter nach oben: Die Vorführungen sollten ohne Ansteck-Mikros für die Schauspieler stattfinden – und obendrauf ohne Vorhang. Wer also in den Zuschauerreihen sitzt und das Leiden Christi verfolgt, sieht drei Stunden lang alles, was sich auf der Bühne abspielt – eine große Herausforderung für das Technikteam, das intelligente Lösungen einsetzetzt.

Austausch mit Oberammergau

Um ein Worst-Case-Szenario zu verhindern, hat sich Bastian Lang, einer der beiden Inhaber von Lampenfieber eventtechnology, ein ausgeklügeltes Konzept überlegt und schon lange vorher mit ebenso erfahrenen Technikern gesprochen, die in Oberammergau für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Denn auch in der weltberühmten Passionsspiel-Stadt stehen die Schauspieler ohne Ansteck-Mikro auf der Bühne.

Optik auf der Bühne

Regisseur Michael Ritz wollte kein Ansteck-Mikro für die Schauspieler. Foto: Wolfgang Endlein
Regisseur Michael Ritz wollte kein Ansteck-Mikro für die Schauspieler. Foto: Wolfgang Endlein

Warum der Regisseur bewusst auf ein modernes Ansteck-Mikro verzichtet hat, liegt für Bastian Lang auf der Hand: „Am Ende ist das eine optische Geschichte“, erklärt er. Schließlich habe es damals auch noch keine Ansteckmikros gegeben. Um trotzdem einen guten Klang für die Besucher zu erzeugen, wurden sogenannte Grenzflächenmi-krofone am Boden platziert. „Diese sehen aus wie ein Geldbeutel“, sagt er und zeigt sich zufrieden: „Wir sind zu einem guten Ergebnis gekommen.“

„Es würde grausam aussehen, wenn wir mit Mikrofon herumlaufen.“ Hobby-Schauspieler Lothar Röhrl

Den Schauspielern erspart diese Art der Tonübertragung eine komplizierte Verkabelung am Kostüm. Lothar Röhrl, einer der Schauspieler, steht bereits seit 40 Jahren auf der Bühne. Auch er sagt: „Es würde grausam aussehen, wenn wir mit Mikrofon herumlaufen.“ Dank der angebrachten Mikros am Boden müssen die Schauspieler auch nicht extra laut sprechen.

Keiner der Schauspieler trägt ein Ansteck-Mikro auf der Bühne, auch Lothar Röhrl nicht. Foto: Wolfgang Endlein
Keiner der Schauspieler trägt ein Ansteck-Mikro auf der Bühne, auch Lothar Röhrl nicht. Foto: Wolfgang Endlein

Die Mikros sind die eine Sache, aber es kommt noch eine zweite Schwierigkeit hinzu, die das Team von Lampenfieber beachten musste. Das „fließende Spiel“ ohne Vorhang, wie es Lang bezeichnet, verlangt nach einer guten Organisation der Licht- und Tontechnik. „Vorhang zu – Umbau – Vorhang auf“: Das ist nicht möglich. Auf der Bühne müsse alles Hand in Hand gehen.

Lange Vorlaufzeit genutzt

Bastian Lang von der Firma Lampenfieber eventtechnology in Neumarkt ist auch außerhalb der Passionsspiele viel im Einsatz, egal ob für ein Konzert oder eine Konferenz. Foto: Stefanie Roth
Bastian Lang von der Firma Lampenfieber eventtechnology in Neumarkt ist auch außerhalb der Passionsspiele viel im Einsatz, egal ob für ein Konzert oder eine Konferenz. Foto: Stefanie Roth

Während des Stücks ist ein Mitarbeiter fürs Licht zuständig, der andere für den Ton. Beide waren auch bei den Proben für die Passionsspiele bereits von Anfang an dabei. Diese lange Vorlaufzeit war für Bastian Lang eine willkommene Erleichterung neben den Herausforderungen, die es gab. „Man kann viel weiter ins Detail gehen“, erklärt er. Wenn er und seine Mitarbeiter beispielsweise ein Konzert begleiten, dann haben sie häufig nur einen Tag lang Zeit für den kompletten Auf- und Abbau.

Hörgerät & Bluetooth

  • Hörgerät:

    Wer schlecht hört, sollte bei den Passionsspielen am besten in den vordersten Reihen platz nehmen, rät Robert Lobenhofer, Inhaber von Hörakustik Meyer in Neumarkt. Da das beidseitige Hören besser ist, sollten Betroffene in jedem Ohr das Hörgerät tragen und eventuell die Sutationsmodi beachten, die je nach Umgebung eingestellt werden können. „Das beidseitige Hören ist generell das bessere. Das kann das Gehirn besser verarbeiten“, sagt Lobenhofer.

  • Bluetooth:

    In Kirchen gibt es häufig sogenannte Ringschleifen im Boden. Eine elektromagnetische Übertragung ermöglicht die Verbindung mit dem Hörgerät. Bluetooth ist die Zukunft für Träger von Hörgeräten, egal ob zuhause vor dem Fernseher oder via Smartphone. Viele Hörgeräte haben eine Bluetooth-Schnittstelle.

Intelligentes Licht


Damit die Schauspieler der Passionsspiele auf der Bühne ins rechte Rampenlicht gerückt werden, arbeiten die Techniker mit intelligentem Licht, das extra in der Kleinen Jurahalle angebracht wurde. Der Stand der Technik dort beschränkte sich auf konventionelles Weißlicht. Szenische Beleuchtung, so wie sie für die Passionsspiele benötigt wird, fehlte. Etliche intelligente Lampen wurden installiert, so dass jede einzelne miteinander vernetzt werden kann und auch mit dem Farbspektrum der Lampen via Touchscreen auf einer Konsole gearbeitet werden kann.

Als Lampenfieber eventtechnology die Neumarkter Passionsspiele vor zehn Jahren betreute, kam diese moderne Technik noch nicht zum Einsatz. Bastian Lang und sein Team bilden sich ständig weiter, denn die Entwicklungszyklen neuer Technikprodukte werden immer rasanter.

Theaterlicht-Konsolen in Jurahalle

Zwei Techniker sind bei den Passionsspielen in Neumarkt im Einsatz. Foto: Wolfgang Endlein
Zwei Techniker sind bei den Passionsspielen in Neumarkt im Einsatz. Foto: Wolfgang Endlein

„Der technische Fortschritt in diesem Bereich ist immens. Die kurzen Produktzyklen, das ist Wahnsinn“, sagt Bastian Lang. Umso wichtiger sei es, die vielen Knöpfe im richtigen Moment zu bedienen. Zwei spezielle Theaterlicht-Konsolen mit Touchdisplays kommen dafür bei den Neumarkter Passionsspielen zum Einsatz.

Bastian Lang machte sich von vornherein auch viele Gedanken um einen Plan B. „Man versucht, sehr viel der Technik redundant aufzubauen, aber alles doppelt zu installieren, geht auch nicht“, sagt der Profi, der bereits seit 17 Jahren seiner Leidenschaft beruflich nachgeht.

Konzerte oder Konferenzen

Mit seinen Mitarbeiterin ist er deutschlandweit und international unterwegs. Er betreut unter anderem Konzerte mit bis zu 15000 Besuchern und viele Firmenevents oder Konferenzen. Über die neuesten Technikspielereien gibt Lang gerne Auskunft, aber zu den geheimen Wünschen der Stars auf der Bühne hält er sich lieber bedeckt, auch wenn er hinter den Kulissen einiges mitbekommt. „Umso erfolgreicher die Künstler werden, umso relaxter werden sie“, zieht er ein allgemeines Fazit. Helene Fischer habe er vor über 15 Jahren schon auf der Bühne stehen sehen. „Man hat gemunkelt, dass sie erfolgreich sein wird. Damals war sie noch ein kleines Sternchen, aber ihr Auftritt war musikalisch auf hohem Niveau“, erinnert sich Lang.

„Big Season“ für Lampenfieber

Wenn die Passionsspiele vorbei sind und der Sommer kommt, bricht für ihn die „Big Season“ an. Dann sei er noch mehr unterwegs, manchmal übernachten er und seine Mitarbeiter im Wohn wagen, um möglichst nah am Event dran zu sein, wie beispielsweise beim Challenge Roth. „Man muss jede Menge Idealismus mitbringen. Wir arbeiten dann, wenn andere feiern“, sagt er.

Techniker hinter den Kulissen

Eine gewisse Anspannung war ihm auch vor den Neumarkter Passionsspielen anzumerken. „Das ist ein Theaterstück und das erfordert gewisse Fähigkeiten“, sagt der Neumarkter, der selbst davon beeindruckt ist, wie viel Freizeit die ehrenamtlichen Schauspieler dafür opfern. Ihnen allen will er einen optimalen Auftritt auf der Bühne bereiten, auch wenn er und seine Mitarbeiter nur hinter den Kulissen zu sehen sind.

Mehr Zahlen rund um die Technik und allgemein zu den Passionsspielen finden Sie hier – lassen Sie sich überraschen:

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