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Doppelinterview

Zwei Väter einer großen Familie

Die Organisatoren der Neumarkter Passionsspiele sprechen über Zusammenhalt im Team, ihre Arbeit und einen Jesus zum Anfassen.
Von Nicole Selendt

Franz Ebenhöch (l.) und Franz Düring sind stolz auf ihr rund 500 Mann starkes Passionsspielteam.
Franz Ebenhöch (l.) und Franz Düring sind stolz auf ihr rund 500 Mann starkes Passionsspielteam.

Neumarkt.Franz Düring und Franz Ebenhöch, Sie halten während der Vorbereitung alle Fäden in der Hand, Sie bringen ein riesiges Team von rund 500 Leuten zusammen? Warum haben Sie diese Verantwortung übernommen?

Düring: Es ist von der Historie her einfach wichtig, alle zehn Jahre diese Passionsspiele aufzuführen. Das war heuer nicht selbstverständlich. Es war lange nicht klar, ob man das wieder macht. Und deshalb haben wir diese Verantwortung gerne übernommen.

Warum war nicht klar, ob die Passionsspiele stattfinden können?

Düring: Ein Grund war, dass der Regisseur krankheitsbedingt aufgehört hat und auch der Organisationsleiter gesagt hat, er will es nicht mehr in dieser großen Form machen. Daraufhin haben wir zusammen beschlossen, dass wir das übernehmen. Wir haben wieder einen Regisseur bekommen, und so konnten wir alles wieder in die Wege leiten. Zwar gab es negative Stimmen, die bezweifelt haben, dass wir die richtigen Leute wieder zusammenbekommen. Denn viele – vor allem die Bühnenbauer – haben mittlerweile ein gewisses Alter erreicht. Aber es hat alles trotzdem perfekt geklappt. Es hätte aus heutiger Sicht nicht besser laufen können.

Die Organisatoren

  • Franz Ebenhöch:

    Der 71-Jährige ist aktiv in der Vorstandschaft der Kolpingsfamilie und seit Kurzem in der Kirchenverwaltung von St. Johannes. 30 Jahre lang war er Vertriebsleiter bei der Neumarkter Lammsbräu, bevor er in den wohlverdienten Ruhestand ging. Wenn er nicht mit der Organisation der Neumarkter Passionsspiele beschäftigt ist, halten ihn seine drei Enkelkinder auf Trab.

  • Franz Düring:

    Franz Düring ist seit fast 30 Jahren Mitglied des Neumarkter Stadtrates und gehört dort der UPW-Fraktion an. Darüber hinaus ist der Bäcker- und Konditormeister Mitglied des Kreistages.

Die Passionsspiele bedeuten Ihnen so viel, dass Sie sagen: Das können wir nicht einschlafen lassen...

Ebenhöch: Es war für uns sehr wichtig, die Passionsspiele auch 2019 wieder durchzuführen. Die Tradition nicht zu unterbrechen. Dafür haben wir beide alles getan – alles andere hintangestellt. Wir haben die Leute zusammengetrommelt, den Regisseur gesucht und gefunden – einen Meister seines Faches –, haben die richtigen Leute für den Bühnenbau und die Sponsoren aufgetrieben. Die Neumarkter Firmen haben sich alle bereiterklärt, etwas zu tun. Und so stehen wir jetzt wirklich wieder gut da.

Schon seit Oktober können die Passionsspieler in der Kleinen Jurahalle proben. Bilder und ein Video vom Bühnenaufbau:

Vorbereitung

Bühne für die Passionsspiele aufgebaut

Die MZ verfolgte in Neumarkts Kleiner Jurahalle den Aufbau der Bühne. Auf ihr findet schon am Samstag die erste Probe statt.

Die Bühne für die Passionsspiele wurde aufgebaut

An was müssen Sie als Organisatoren alles denken?

Ebenhöch: Das Wichtigste ist, dass alle Akteure bei der Stange bleiben. Dass sie gut gelaunt und vor allem gerne zur Probe kommen. Dass die Stimmung stimmt, dass alle Requisiten vorbereitet sind, dass die Sauberkeit in der Halle funktioniert, dass die Ordnung und Sicherheit gewährleistet ist.

Sind Sie zufrieden mit dem bisher Erreichten?

Düring: Es könnte eigentlich kaum besser laufen, um ehrlich zu sein. Es ist so eine Freude, wenn wir herkommen zur Kleinen Jurahalle. Wenn man sieht, wie alle mitmachen, wie jeder an seiner Stelle – ob als Näherin seit mehr als eineinhalb Jahren oder in der Maske – sich verantwortlich fühlt für das große Ganze. Es ist schön, diese tolle Gemeinschaft zu sehen, egal, ob einer saubermacht oder den Jesus darstellt. Das ist etwas ganz Besonderes. Gerade der Jesus-Darsteller, Thomas Fries, hat eine ganz besondere Wirkung in dieser Gemeinschaft – obwohl er einer unter vielen ist.

Ebenhöch: Thomas Fries wirkt an allen Stellen mit. Er ist einer, der nicht nur die Hauptrolle des Jesus auf der Bühne spielt, sondern der spielt auch die Hauptrolle in der Gemeinschaft bei uns. Er ist einer, den man überall gebrauchen kann, der die Gemeinschaft zusammenführt, der für jeden ansprechbar ist, er hilft jedem. Der Thomas Fries ist ein Allrounder für uns.

Sozusagen jemand, der seinen Charakter nicht nur auf der Bühne spielt, sondern versucht, ihn ins moderne Leben zu übertragen?

Ebenhöch: So ist es. Wir können ihn auch bei technischen Problemen fragen. Er ist fit im Bereich der modernen Medien und da hilft er uns, die in diesen Dingen nicht ganz so bewandert sind, natürlich enorm. Da sind wir sehr stolz auf ihn.

Ist Thomas Fries denn dann sogar ein Kandidat für die Organisationsleitung der nächsten Passionsspiele in zehn Jahren?

Düring: Er wäre sogar unser Wunschkandidat. Wir sind uns sicher, dass er wieder mitmacht. Und das ist ja das Wichtige: Das mitmachen. Von 500 Leuten sind fast 250, die ganz neu dabei sind.

Sind die angesichts dessen also zuversichtlich, dass in zehn Jahren genug Nachwuchs da ist, um die Tradition weiterzuführen?

Düring: Wenn wir noch da sind, machen auch wir wieder mit – vermutlich an anderer Stelle, weil da sind wir ja auch schon eher gesetzteren Alters. Aber wir sind uns sehr sicher, dass es weitergehen kann.

Ebenhöch: Es kommen jetzt Fünfzig- bis Sechzigjährige nach, die die Arbeit übernehmen können. Und da ist auch der Thomas Fries sicherlich einer der Kandidaten.

Wieviel Zeit investieren Sie beide momentan in ihre Aufgabe?

Ebenhöch: Eigentlich fast rund um die Uhr. Wir sind die ganze Woche irgendwie mit den Passionsspielen befasst: Aufbau, Vorbereitungen, Schriftverkehr – der Kopf schaltet eigentlich nie ab.

Die Organisatoren sprechen mit Kostümbildnerin Rita Iberl über letzte Änderungen an einigen Gewändern.
Die Organisatoren sprechen mit Kostümbildnerin Rita Iberl über letzte Änderungen an einigen Gewändern.

Ein Fulltime-Job also?

Ebenhöch: Ja. Und das schon seit einiger Zeit. Aber wir tauschen uns ja regelmäßig aus und Gottseidank sind wir zu zweit. Wir harmonieren da sehr gut, spielen uns die Bälle gegenseitig zu. Was der eine nicht kann, kann der andere.

Düring: Es ist auch eine Freude, hier mitarbeiten zu dürfen. Denn es ist ja nicht nur die Arbeit. Man lernt viel dabei. Man lernt Freunde und Gemeinschaft kennen. Das bringt einem selber sehr viel, man kriegt sehr viel zurück.

Welche Erinnerungen haben Sie an die vergangenen Passionsspiele?

Ebenhöch: Ich bin ja eigentlich nur als Spieler im Volk da mit reingerutscht, weil ich den Regisseur damals gut kannte. Meine Erinnerung ist, dass es eine Kameradschaft gab, einen Zusammenhalt, der an eine große Familie erinnert. Das hatte ich vorher in dieser Größenordnung gar nicht gekannt. Wenn man so eine große Menge unterschiedlicher Persönlichkeiten hat. Jeder hat geholfen, jeder war voll dabei, jeder war dankbar. Das kannte ich nicht. Daran erinnere ich mich gern und das war auch der Ansporn, zu sagen: Das darf nicht sterben, das muss weiterlaufen. Wir werden alles daran setzen, dass das wieder funktioniert. Und wir sind wieder auf dem richtigen Weg.

Düring: Bei mir ist das ähnlich. Ich war damals noch zweiter Bürgermeister und hatte oft um acht oder neun Uhr schon wieder Termine. Ich hatte also eine kleine Sprechrolle in den ersten beiden Bildern und musste dann weg. Aber wenn ich länger dableiben konnte und sich die Gruppierungen zusammengetan haben, man sich danach in verschiedenen Stammtischen noch getroffen hat – das war schon was Besonderes. Und ich hab damals schon zu meiner Frau gesagt: Also Evi, das nächste Mal musst du unbedingt mitmachen. Denn dieses Erlebnis der Gemeinschaft kriegst du woanders nicht.

Am Dienstagvormittag wird die Heizung im Aufenthaltsraum der Volk-Darsteller eingebaut. Fotos: Selendt
Am Dienstagvormittag wird die Heizung im Aufenthaltsraum der Volk-Darsteller eingebaut. Fotos: Selendt

Hat sich seit den Passionsspielen vor zehn Jahren etwas verändert? Können sich die Zuschauer auf Überraschungen freuen?

Düring: Fundamental hat sich nichts geändert. Aber natürlich hat der Regisseur eine andere Einstellung als sein Vorgänger. Er sagt zum Beispiel: Ich brauche keinen Vorhang mehr, die Bilder gehen ineinander über.

Ebenhöch: Auch die Requisiten haben sich ein wenig verändert. Es wird weniger davon geben, es wird mehr Licht geben – wir haben eine ganz neue, tolle Lichtanlage installieren lassen. Wir haben eine neue Tonanlage, so dass alles auf jedem Platz in der Halle alles gut sicht- und hörbar ist. Wir werden keinen Platz haben, auch nicht in der letzten Reihe, der in irgendeiner Form benachteiligt ist. Und da legen wir großen Wert drauf, denn wir haben noch ein paar Karten im hinteren Bereich zu verkaufen. Auch die sind es wert, genommen zu werden, weil man durch die Sitzplatzanordnung und die gute Technik auch von dort aus gut sehen und hören kann.

Alle Beiträge zu den Passionsspielen 2019 finden Sie unter:

www.mittelbayerische.de/neumarkt/passionsspiele

Der Bühnenaufbau für die Passionsspiele

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