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MZ-Themenwoche

Die Stationen einer Schiri-Karriere

Vom Lehrlingskurs über die ersten Schritte auf dem Platz bis hin zum Fifa-Referee – beim Weg nach oben ist Ausdauer gefragt.
Von Thorsten Drenkard

Deniz Aytekin zählt nicht nur zu den besten Schiedsrichtern in Deutschland, er gehört als Unparteiischer der Fifa auch weltweit zu den besten seines Fachs. Foto: Eibner
Deniz Aytekin zählt nicht nur zu den besten Schiedsrichtern in Deutschland, er gehört als Unparteiischer der Fifa auch weltweit zu den besten seines Fachs. Foto: Eibner

So wird man Schiedsrichter: Diese Voraussetzungen braucht es für den Job als Referee:

Vor 23 Jahren reichte es Deniz Aytekin. Immer wieder hatte sich der damals 16-jährige Fußballer über Entscheidungen der Schiedsrichter (SR) ärgern müssen, die für ihn nicht nachvollziehbar waren.

Der jugendliche Deniz Aytekin wollte nicht länger nur mosern, sondern es selbst besser machen und meldete sich kurzerhand für einen Schiedsrichterlehrgang an – der Beginn einer beeindruckenden Karriere, die den heute 39-jährigen Oberasbacher zu einem renommierten sowie gut bezahlten Fifa-Schiedsrichter hat werden lassen.

Wie bei Aytekin, der für den fränkischen Fußballverein TSV Altenberg pfeift, steht am Anfang einer jeden Schiedsrichterkarriere der Neulingslehrgang. Im Schiedsrichter-Kreis Neumarkt werden laut Neumarkts SR-Gruppen-Obmann Oliver Johannes dafür knapp 70 Euro fällig, „die zu 99 Prozent vom Verein übernommen werden“.

Es gibt unterschiedliche Varianten: Wer es besonders eilig hat, kann sich in einem dreitägigen Wochenend-Lehrgang zum Schiedsrichter ausbilden lassen. Üblich sind jedoch Kurse, bei denen den Teilnehmern an sieben Lehrabenden die 17 Fußballregeln vermittelt werden.

Neumarkter Schiris erklären im Video, was ihnen am Referee-Job gefällt:

Neumarkter Schiris erklären im Video, was ihnen am Referee-Job gefällt.

Egal, welche Variante der angehende Schiedsrichter gewählt hat: Am Ende muss er eine Theorieprüfung sowie einen 1000-Meter-Lauf absolvieren – da führt kein Weg für einen kommenden Referee vorbei.

Die Grundvoraussetzung für die Ausbildung zum Unparteiischen ist, dass der Anwärter mindestens 14 Jahre alt ist. Nach oben gibt es beim Alter für Unparteiische auf dem Fußballplatz keine Begrenzung. Wer Schiedsrichter werden möchte, muss zwingend Mitglied eines Vereins sein, der dem Bayerischen Fußball-Verband (BFV) angehört.

Ohne Pfeife geht nichts: Das gehört zum Outfit eines jeden Schiedsrichters unbedingt dazu:

Ist die Prüfung geschafft, braucht es selbstverständlich ein passendes Schiedsrichter-Outfit. Bereits beim Lehrgang haben die SR-Neulinge Trikot, Hosen und Stutzen erhalten, doch was wäre ein Unparteiischer ohne seine Pfeife?!

Schon seit dem Jahr 1878, in einem Match des englischen Nottingham Forest Football Clubs, blasen Schiedsrichter in schrille Pfeifen, um Fußballspiele in regelgerechten Bahnen zu leiten. Soll es sich damals noch um eine kugellose Pfeife aus Messing gehandelt haben, ist heutzutage die deutlich lauter lärmende Trillerpfeife, einst erfunden vom englischen Werkzeugmacher Joseph Hudson, der treue Wegbegleiter der Unparteiischen bei ihrer Tätigkeit.

Schiedsrichter Dr. Felix Brych gehört zu den Top-Verdienern der deutschen Schiedsrichter. Foto: Eibner
Schiedsrichter Dr. Felix Brych gehört zu den Top-Verdienern der deutschen Schiedsrichter. Foto: Eibner

Damit das allseits bekannte, mitunter gar dramatische Herumnesteln an Brust- beziehungsweise Hosentasche auch Sinn macht, braucht ein jeder Schiedsrichter Gelbe und Rote Karten – seit der WM 1970 in Mexiko dienen diese als sichtbare Bestrafung von Regelverstößen. Heute sind die Karten nicht mehr aus Karton, sondern aus Kunststoff und zur besseren Sichtbarkeit mit leuchtenden Farbstoffen beschichtet.

Damit der Schiedsrichter nicht den zeitlichen Überblick verliert, braucht es eine Uhr – zudem sind Notizblock und Bleistift (Kugelschreiber) für die korrekte Arbeit auf dem Spielfeld unerlässlich. Ein komplettes Schiedsrichterset (Karten, Pfeife, Notizblock) gibt es ab etwa 26 Euro zu kaufen. Im SR-Kreis Neumarkt ist dieses bereits in den Kosten für den Neulingslehrgang enthalten.

Damit es als Schiedsrichter bestens gewappnet auf den Platz geht, fehlt eigentlich nur noch eines – genau: die Fußballschuhe beziehungsweise Laufschuhe an den Füßen. Dann kann es losgehen mit dem Pfeifen.

Bei den ersten Schritten als Schiedsrichter ist man auf dem Fußballplatz nicht allein:

Nach bestandener Prüfung und ausstaffiert mit korrektem Outfit wird es ernst, irgendwann erfolgt für den Schiedsrichter-Neuling der allererste Anpfiff bei einem Spiel – das war bei Profi Deniz Aytekin nicht anders.

„Jeder Neuling wird bei seinen ersten Spielen von erfahrenen Schiedsrichtern betreut“, weiß der Unparteiische Sebastian Lang, der für die Betreuung der Schiedsrichter-Neulinge in der Gruppe Neumarkt zuständig ist.

Die routinierten SR-Paten stehen den Anfängern bei ihren ersten Gehversuchen auf dem Platz beratend zur Seite, geben Tipps, sind als moralische Stütze vor Ort und zeigen auf, wie man als Schiedsrichter besser werden kann.

Warum Vereine zahlen müssen, wenn Schiedsrichter fehlen, erfahren Sie hier.

Anfänglich bleiben den Neu-Schiedsrichtern auch stundenlange Roadtrips zu Spielen erspart, sie werden für Partien in der unmittelbaren Nachbarschaft eingeteilt. Neumarkts Gruppen-Obmann Oliver Johannes versichert, dass „bei uns die maximale Entfernung für Einsätze von Neulingen bei zehn bis 15 Kilometern liegt“.

Wer sich für die verantwortungsvolle Tätigkeit als Schiedsrichter entscheidet, der muss seine Karriere als kickender Fußballer deshalb nicht beenden. „Durch eine Abstimmung von Spielplänen mit den Einteilern können diese die Schiedsrichter gezielt an spielfreien Tagen einteilen“, so Sebastian Lang.

Die MZ stellt vier besondere Unparteiische aus dem Raum Neumarkt vor.

Auch Ausbildung und Schule können mit der SR-Tätigkeit einher gehen. Dafür ist generell eine regelmäßige, vor allem aber frühzeitige Absprache mit dem Einteiler der Unparteiischen oder den Verantwortlichen der jeweiligen Schiedsrichter-Gruppe empfehlenswert. Egal, ob Schiedsrichter-Grünschnabel oder Referee-Veteran, alle Unparteiischen des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) sind bei ihren Spieleinsätzen stets versichert.

BFV-Schiedsrichter können demnach nicht für Schäden, die Personen oder Vereinen durch ihre Entscheidungen entstehen, haftbar gemacht werden.

So läuft die Beobachtung der Schiedsrichter ab: Jeder Referee wird regelmäßig benotet:

Hat man als SR-Neuling gefallen daran gefunden, Fußballspiele zu pfeifen, besteht die Chance, in der Rangliste der Unparteiischen aufzusteigen.

Um den Leistungsstand der SR und deren Entwicklung zu überprüfen und zu bewerten, gibt es regelmäßige Beobachtungen. Auf Kreisebene werden SR in ihrer jeweils höchsten Leistungsklasse von erfahrenen Kollegen beobachtet.

Der Beobachter bewertet nach unterschiedlichsten Kriterien: Er achtet auf den SR-Eindruck vor dem Spiel, den Spielcharakter, die Umsetzung der SR-Anweisungen, das SR-Laufvermögen, dessen spiel- sowie personenbezogene Entscheidungen und das persönliche Auftreten. Seine Eindrücke schreibt der Beobachter nieder und orientiert sich dabei unter anderem an einer Bewertungsskala, die von eins bis zehn reicht.

Hier lesen Sie eine Schiedsrichter-Reportage bei einem B-Klassen-Derby in Neumarkt.

Die Einstiegsnote für jedes Spiel ist fest vorgegeben. Sie liegt bei 8,4 und bildet gleichzeitig den ungefähren Schnitt aller Schiedsrichter in der jeweiligen Leistungsklasse. Durch individuelle Leistungen und Ereignisse, Wirkung des SR auf Beteiligte, die Akzeptanz bei Spielern und Trainern, die Spielleitung sowie die Bewältigung von schwierigen Einzelsituationen kann sich diese Note im Spielverlauf um ein bis mehrere Zehntel nach oben oder unten verändern.

Daten und Fakten zur Schiedsrichter-Situation in Neumarkt:

Daten und Fakten zur Schiedsrichter-Situation in Neumarkt

Am Saisonende, wenn alle SR-Beobachtungen abgeschlossen sind, wird anhand der Noten der Schnitt jedes einzelnen SR errechnet. Dadurch können die Notenbesten ebenso ermittelt werden wie die jeweiligen „Pfeifen“ unter den SR. Die Platzierung gibt letztlich Ausschlag darüber, ob ein SR in der kommenden Saison in eine höhere Klasse aufsteigt, seine aktuelle Stufe hält oder gar absteigt.

Weitere Punkte, die bei der Qualifizierung der SR einfließen, sind das Alter, die körperliche Verfassung, die Leistungsbereitschaft, die Zuverlässigkeit, das Engagement, der Charakter, die Verfügbarkeit und die Besuche von SR-Veranstaltungen. Eine Voraussetzung, um die Klasse zu halten oder aufzusteigen ist, die Leistungsprüfung ein erneutes Jahr erfolgreich abzulegen.

Das kann man als deutscher Profi-Schiedsrichter verdienen:

Vom F-Jugendschiedsrichter bis auf die Fifa-Liste ist es ein langer, sehr exklusiver, aber nicht unmöglicher Weg. Dafür muss man nicht nur konstant auf herausragendem Niveau pfeifen, es braucht auch eine Portion Glück.

Schließlich gibt es in Deutschland rund 80.000 Unparteiische, in der Bundesliga aber nur 23 an Schiedsrichter zu vergebende Posten – die Konkurrenz ist also enorm. Von jenen 23 Schiedsrichtern haben wiederum nur etwas mehr als zehn die Chance, wie Aytekin den Sprung auf die lukrative Fifa-Liste zu erreichen.

Seit 2012/13 erhalten Bundesliga- und Zweitliga-Schiedsrichter in Deutschland zur üblichen Einsatzprämie (5000 Euro pro Spiel in der Bundesliga) ein jährliches Grundgehalt. Die zur internationalen Elite-Kategorie zählenden Deniz Aytekin und Felix Brych bekommen garantiert die stattliche Summe von 79.000 Euro überwiesen.

Fifa-Schiedsrichter und solche mit mehr als fünf Jahren Bundesliga-Erfahrung beziehen rund 69.000 Euro, alle anderen erhalten 59.000 Euro. Die SR-Assistenten sind mit 44000 Euro (internationale Erfahrung) beziehungsweise 39.000 Euro dabei. Als Prämie für einen Einsatz in der Bundesliga zahlt der DFB aktuell rund 2500 Euro an die unparteiischen Assistenten an der Seitenlinie. Spitzenverdiener unter den Schiedsrichtern in Deutschland, zu denen Deniz Aytekin zählt, können pro Jahr somit mehr als 200.000 Euro verdienen.

An derartige Summen und eine derart imposante SR-Karriere hatte der einst 16-jährige Franke freilich nicht gedacht, als er sich zum Lehrgang anmeldete. Heute ist der 39-jährige Elite-Unparteiische für alle SR-Beginner der lebende Beweis dafür, dass man es als Unparteiischer mit Können, Hartnäckigkeit und Glück weit bringen kann.

Weitere Artikel unserer MZ-Themenwoche „Fußball-Schiedsrichter“ finden Sie unter: www.mittelbayerische.de/region/neumarkt/schiedsrichter/

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