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MZ-Themenwoch

Frauen greifen kaum zur Schiri-Pfeife

Während man in der Gruppe Neumarkt gar eine Fifa-Schiedsrichterin in den Reihen hat, ist das Pfeifen in Parsberg Männersache.
Von Thorsten Drenkard

Angelika Söder während des DFB-Pokal-Finals der Frauen 2016. Foto: Eibner
Angelika Söder während des DFB-Pokal-Finals der Frauen 2016. Foto: Eibner

Neumarkt.In der Schiedsrichter-Gruppe Parsberg ist die Leitung von Fußballspielen reine Männersache. „Leider“, wie Erasmus Söllner, Chef der Parsberger Unparteiischen, auf Nachfrage unserer Zeitung mit einem leichten Seufzer zugibt. Nur zu gerne hießen Söllner und seine männlichen Kollegen eine Schiedsrichterin in ihren Reihen willkommen. Allein das weibliche Geschlecht zeigt momentan kein Interesse und bietet den Herren der pfeifenden Zunft die kalte Schulter.

Unter den 145 Unparteiischen der Parsberger Gruppe findet sich aktuell keine einzige Frau, ein Armutszeugnis, das Söllner zutiefst bedauert. „In den zwölf Jahren, in denen ich die Gruppe leite, hatten wir zwei Schiedsrichterinnen“, diese hätten aber recht schnell wieder ihre Pfeifen abgegeben und ihr Referee-Dasein beendet, sagt Söllner. Warum, das könne er auch nicht genau sagen.

„In den zwölf Jahren, in denen ich die Gruppe leite, hatten wir zwei Schiedsrichterinnen.“

Parsbergs Obmann Erasmus Söllner

In seiner Stimme schwingen Bedauern und eine gewisse Ratlosigkeit mit, wenn er sich mit Thema beschäftigt. Schließlich zählt der Kreis, in dem die Parsberger Schiedsrichter ein wachsames Auge auf die Regeleinhaltung auf den Plätzen haben, zahlreiche Frauen- und Mädchenmannschaften. Potenziell gibt es also genügend Schiedsrichterinnen im Bereich der Parsberger, tatsächlich erwächst aus den dichten Reihen der weiblichen Teams aber kein Nachwuchs für die Schiedsrichter in Parsberg.

„Wir haben es auch schon mit Lehrgängen und Info-Veranstaltungen bei Frauenteams versucht“, sagt Söllner – die deprimierende Resonanz war gleich null.

Aufgeben gilt nicht

Er und seine Kollegen wollen aber nicht aufgeben und weiter versuchen, wieder eine Schiedsrichterin für ihre Gruppe zu gewinnen, schließlich „gibt es nichts Schöneres, wenn man Spiele von Frauen- und Mädchenteams mit einer Schiedsrichterin besetzen kann“.

Da hat es sein Kollege in der Schiedsrichtergruppe Neumarkt/Jura, Obmann Oliver Johannes, deutlich besser. Insgesamt sechs Frauen leiten für die Vereinigung in Neumarkt regelmäßig Herren-, Frauen- und Jugendspiele. „Damit sind wir im Bezirk Mittelfranken wohl die am besten aufgestellte Gruppe“, mutmaßt Johannes.

Magdalena Noderer und Marie-Theres Mühlbauer im Video-Interview:

Doch gut sei letztlich aber nicht gut genug. Auch in seiner Gruppe ist nicht alles eitel Sonnenschein, wenn es um die weibliche Schiedsrichterzunft geht. Die vergangenen beiden Neulingslehrgänge der Gruppe seien vom weiblichen Geschlecht jeweils komplett verschmäht worden. Eine Entwicklung, mit der Johannes nicht zufrieden sein kann und ihr aktiv entgegenwirkt. So warb er in den vergangenen zwei Jahren jeweils bei den Spielleitertagungen der Frauen um Nachwuchs im Schiedsrichterinnen-Bereich – zuletzt erfolglos.

Dabei ist gerade die Neumarkter Gruppe reich an herausragenden Schiedsrichterinnen. An der Spitze steht Angelika Söder (TSV Ochenbruck), die es mit 28 Jahren bereits zur Fifa-Schiedsrichterin geschafft hat und 2016 das DFB-Pokal-Endspiel der Frauen leitete.

Söder ist ein Vorbild

Für die 21-jährige Marie-Theres Mühlbauer (SV Pölling) ist Söder ein Vorbild. „Es ist krass, was sie bisher schon erreicht hat“, findet Mühlbauer, die sich als Schiri aber auch nicht verstecken muss. So sorgt sie bis in die Herren-Bezirksliga hinauf für Ordnung auf dem Platz und fungiert zudem in der Landesliga der Herren als Assistentin sowie in der 2. Bundesliga (Frauen). „Es wäre cool, wenn es noch weiter nach oben gehen könnte“, findet Mühlbauer, die eine Freundschaft mit ihrer Schiedsrichter-Kollegin Magdalena Noderer (TSV Eysölden) verbindet.

Marie-Theres Mühlbauer
Marie-Theres Mühlbauer

Zu Beginn ihrer Schiri-Karriere hätten viele an ihr gezweifelt, erinnert sich Noderer. „Das schaffst Du nicht“, habe sie zu hören bekommen – doch: „Dann hat mich der Ehrgeiz gepackt!“ Längst steht außer Frage, dass sie sehr wohl als Referee pfeifen kann. Berufsbedingt mittlerweile bis hinauf in die Kreisliga der Herren, davor gar in der Bezirksliga.

Das sagt ein Sportpsychologe über die Herausforderungen für Schiedsrichter.

Die Annahme, dass weibliche Referees einen schwereren Stand bei den kickenden Herren hätten als männliche Kollegen, will Noderer nicht bestätigen. Letztlich komme es nicht auf das Geschlecht sondern auf die Leistung an. Noderer: „In jedem Spiel kommt der Punkt, an dem die Spieler merken, ob Du‘s drauf hast oder eben nicht.“ Noderer hat es drauf, wie auch Alex Braun, Spielertrainer beim Kreisligisten 1. FC Deining, findet. Am ersten Spieltag der Saison pfiff Noderer das Auftaktmatch zwischen Deining und Wolfstein (3:3). Braun: „Das war eine Top-Leistung!“

Magdalena Noderer Fotos: Drenkard
Magdalena Noderer Fotos: Drenkard

Weil die pfeifenden Frauen in der Gruppe Neumarkt, zu der auch Kreisliga-Schiedsrichterin Andrea Zech (TSV Mörsdorf) gehört, ihren Job ausgesprochen gut verrichten, setzt Obmann Johannes in manchem Spiel auf totale Frauen-Power: „Ich schicke häufig ein reines Frauengespann zur Leitung von Bezirksligaspielen der Herren. Ich habe bisher noch nie von den Vereinen oder meinen Schiedsrichterinnen hinterher klagen gehört.“

Generell gingen die Fußballer die Schiedsrichterinnen in Neumarkt kaum verbal an, die Zeiten plumper Macho-Sprüche, wonach Frauen doch eher an den Herd, als auf den Fußballplatz gehörten, seien glücklicherweise vorbei, sagt Johannes.

Weitere Artikel unserer MZ-Themenwoche „Fußball-Schiedsrichter“ finden Sie unter: www.mittelbayerische.de/region/neumarkt/schiedsrichter/

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Magdalena Noderer und Marie-Theres Mühlbauer im Video-Interview

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