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Fußball-Schiedsrichter
Dienstag, 19. Juni 2018 22° 3

MZ-Themenwoche

Vier besondere Schiris für Neumarkt

Angelika Söder, Walter Ketzler, Simon Schmidt und Gerhard Hahn eint vor allem eines – die Freude an der Schiedsrichterei.
Von Thorsten Drenkard und Gerd Schlittenbauer

Angelika Söder . Foto: Carmen Jaspersen/dpa
Angelika Söder . Foto: Carmen Jaspersen/dpa

International als Referee gefragt:

Die steile Schiedsrichter-Karriere von Angelika Söder begann mit einer Panne. Für ihren allerersten Einsatz an der Pfeife hatte sich die damals 13-Jährige extra eine fesche neue Stoppuhr gekauft. Sie wollte schließlich mit bestem Gewissen und optimal vorbereitet als Unparteiische ins D-Jugendspiel in Pilsach gehen.

Das Blöde war nur: Sie trug zwar die Uhr am Arm, „ich hatte aber vergessen, drauf zu drücken“, erinnert sich Söder mit einem Lachen an ihr jugendliches Missgeschick.

Ihrer Schiedsrichter-Laufbahn sollte dieser Fauxpas keinen Abbruch tun. Heute ist die 28-Jährige, die für den TSV Ochenbruck in der Gruppe Neumarkt/Jura pfeift, längst eine international gefragte Fifa-Schiedsrichterin.

Seit 2008 leitet Söder Partien in der Frauen-Bundesliga, zudem ist sie seit fünf Jahren in der Regionalliga Bayern der Männer als Unparteiische im Einsatz. Im Januar 2015 dann der internationale Ritterschlag: Am 1. Januar wurde Söder zum altersbedingt frühestmöglichen Zeitpunkt zur Fifa-Schiedsrichterin ernannt, seit 2016 gehört sie dort der dritthöchsten Kategorie an und pfeift mittlerweile auch Champions League-Spiele der Frauen.

Im Vorjahr dann die höchstmögliche Auszeichnung durch den Deutschen Fußball-Bund: Angelika Söder durfte das DFB-Pokal-Finale der Frauen zwischen dem SC Sand und dem VfL Wolfsburg leiten. „Das war natürlich eine super Erfahrung und eine große Ehre für mich.“

Wer als Referee so weit gekommen ist wie Angelika Söder, der hat das ganz große sportliche Ziel vor Augen: Irgendwann einmal bei einer Welt- oder Europameisterschaft hauptverantwortlich pfeifen, „das ist natürlich ein Traum“.

„Man muss mit Spaß bei der Sache sein.“

Angelika Söder

Und für diesen schuftet die studierte Psychologin hart. Fünf- bis sechsmal pro Woche trainiert Söder je eineinhalb Stunden, arbeitet an ihrer Ausdauer, ihrer Schnellkraft und Beweglichkeit – von nichts kommt eben nichts.

Nicht zuletzt deshalb ist sie für junge Referees wie Marie-Theres Mühlbauer, die in der Gruppe Neumarkt pfeift, „ein absolutes Vorbild. Es ist der Wahnsinn, was sie schon erreicht hat“.

Wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Schiedsrichter-Laufbahn ist nach Ansicht Söders vor allem, dass „man mit Spaß bei der Sache ist“. Unabdingbar seien aber auch ein gehöriges Maß an Eigeninitiative und der stete Wille, sich verbessern zu wollen. „Es ist wichtig, dass man sich mit anderen Schiedsrichtern austauscht, auch außerhalb des eigenen Vereins“.

Dann steht einer steilen Karriere nicht einmal eine Panne bei der Premiere im Weg.

Der Schiri-Job ist Ketzlers Jungbrunnen:

Als Walter Ketzler das erste Mal offiziell ein Fußballspiel leitete, lag das „Wunder von Bern“, jener sensationelle erste WM-Triumph der deutschen Fußball-Nationalmannschaft anno 1954, gerade erst ein Jahr zurück.

Walter Ketzler Archivfoto: Guttenberger
Walter Ketzler Archivfoto: Guttenberger

Mittlerweile trägt die DFB-Elf vier WM-Sterne auf dem Nationaltrikot und der Berchinger Walter Ketzler hat seit seiner Schiedsrichter-Premiere 1955 die unfassliche Zahl von mehr als 2600 Fußballpartien geleitet. Und der heute 83-jährige „Kuli“ hat noch nicht genug.

„Wenn ich so fit bleibe, wie ich momentan bin, dann mache ich weiter“, sagt Ketzler, der unermüdlich für die Schiedsrichtergruppe Parsberg pfeift. Sein Rezept, um körperlich in Schuss zu bleiben: Täglich eine Stunde locker radeln oder fünf Kilometer schnell spazieren gehen. Ansonsten betätigt sich Walter Ketzler regelmäßig im Referee-Dress auf den hiesigen Fußballplätzen – die Schiedsrichterei als Jungbrunnen.

„Wenn ich so fit bleibe, wie ich momentan bin, dann mache ich weiter.“

Walter Ketzler

Parsbergs Schiedsrichter-Gruppen-Obmann Erasmus Söllner weiß: „Wenn man den Walter am Wochenende nicht für mindestens zwei Spiele einteilt, dann ist er beleidigt“, frotzelt er, lacht und fügt ganz ernsthaft an: „Er ist ein absolutes Vorbild für unsere jungen Schiedsrichter.“

Jugendspiele sowie B-Klassenspiele pfeift Ketzler noch heute, in der Vertretung sogar noch A-Klassenpartien. Seit seinem ersten Spiel als Referee vor sechs Jahrzehnten hat sich der Fußball stark verändert, ebenso der Umgang mit den Unparteiischen – niemand kann das besser beurteilen als Ketzler. „Früher war der Schiedsrichter noch angesehen, heute ist man für viele der letzte Dreck.“ Und dennoch macht er unentwegt weiter, warum?

„Weil wir eine super Schiedsrichter-Gruppe in Parsberg haben und, weil man als Schiedsrichter viel herumkommt und viele Menschen in den Vereinen kennenlernt“. Und, weil es eben immer noch Spaß macht, auch mit 83 Jahren – so einfach ist das. In all den Jahren habe er als Referee auf dem Platz noch nie Schwierigkeiten mit Spielern, Trainern oder Zuschauern gehabt, versichert Walter Ketzler.

Er weiß, was einen guten Unparteiischen auf dem Fußballplatz ausmacht: „Man muss eine klare Linie haben und diese entschlossen durchziehen.“

Mit 14 Jahren schon an der Pfeife:

Simon Schmidt ist der jüngste Schiedsrichter der Gruppe Neumarkt. Schon als er zehn Jahre alt war, hat er mit einem Freund seiner Oma Regeltests gemacht – und mit zwölf den Vereinsschiedsrichter-Lehrgang beim FC Aha mit der Höchstpunktzahl von 60 abgeschlossen.

Simon Schmidt Foto: Gerd Schlittenbauer
Simon Schmidt Foto: Gerd Schlittenbauer

Mittlerweile ist der Junge aus Feucht 14 Jahre alt – und leitet C- und D-Jugendspiele. Als Assistent darf er sogar bei den Herren in der Kreisliga an der Linie stehen. „Es war schon eine Herausforderung, als ich meine erste Rote Karte zeigen musste“, erinnert er sich. „Es war überhaupt die erste Karte, die ich verteilt habe – aber ich war mir ganz sicher, dass sie berechtigt war!“ Ein „Frustfoul“ sei es gewesen – und das in einem D-Jugend-Spiel.

Es kamen weitere Lernprozesse hinzu, die der junge Schiri selbstbewusst bewältigte: „Ich habe gelernt, die Zurufe der Trainer ein wenig mehr zu ignorieren und nichts persönlich zu nehmen.“ Hat Simon schon einmal Schwierigkeiten wegen seines Alters gehabt? „Die meisten haben Respekt, obwohl ich noch so jung bin“, meint er. Natürlich fühle er oft anfängliche Skepsis, „aber ich versuche, mit meiner Leistung zu überzeugen. Es gibt nichts Schöneres als diesen Job. Wichtig ist, dass man neutral bleibt.“

„Ich habe gelernt, die Zurufe der Trainer ein wenig mehr zu ignorieren.“

Simon Schmidt

Die Philosophie des 14-Jährigen: „Ich lasse viel laufen und versuche, die erste Gelbe Karte spät oder gar nicht zu zeigen. Wenn man es laufen lassen kann, sind das meistens die schönsten Spiele. Normalerweise funktioniert das auch.“

Einmal funktionierte dies aber gar nicht – und auch an dieses C-Jugend-Spiel erinnert sich Simon Schmidt: „Berg gegen SC Feucht II war die Partie, in der ich bisher die meisten Gelben Karten zeigen musste. Es waren viele taktische Fouls und es gab sechs Karten für Berg und drei Karten für Feucht – und eine Fünf-Minuten-Strafe.“

Als Kreisliga-Assistent müsse er oft dafür sorgen, dass die Zuschauer keinen Spieler provozieren: „Da schaue ich dann den Spieler an und gebe ihm mit der Hand ein Zeichen, ruhig zu bleiben.“ Schmidt geht auf das Gymnasium in Wendelstein. Er pfeift für den TSV Feucht und hat dort, seitdem er vier Jahre alt war, selbst gekickt, bis er sich 2016 entschloss, sich ganz der Schiedsrichterei zu widmen.

Der 14-Jährige möchte einmal Sportjournalist werden und kommentiert bereits jetzt Spiele für das lokale Internetradio. Als Schiedsrichter Karriere zu machen und einmal Bundesliga-Spiele zu pfeifen – „das wünsche ich mir schon“, sagt Simon Schmidt.

Als Experte den Schiris stets verbunden:

Er hat fünf Jahre lang als aktiver Schiedsrichter für den Fußballverband gepfiffen – und später sein Fachwissen als Freier Mitarbeiter der MZ (Redaktion Neumarkter Tagblatt) in die Waagschale geworfen: Gerhard „John“ Hahn. Von 1969 bis 1974 war er Referee im Fußballkreis Neumarkt, dann eröffnete er das „Café Hahn“ in der Bahnhofstraße.

Gerhard Hahn Foto: Drenkard
Gerhard Hahn Foto: Drenkard

Etwas mehr als zehn Jahre später kehrte John Hahn zum Fußball und zur geliebten Schiedsrichterei zurück: Als MZ-Mitarbeiters berichtete er aber nicht nur über Fußball, sondern auch über alle anderen Sportarten und deckte sämtliche lokalen Themen ab.

Seit 1985 besuchte er fast jede Versammlung der Neumarkter Schiedsrichtergruppe und berichtet noch heute darüber. Der Referee-Job sei „keine einfache Aufgabe mehr – aber man kommt dadurch im Beruf voran. Man lernt für das Leben, bekommt Rückgrat und Selbstbewusstsein.“

Aber John Hahn ist erfahren genug, dass er alle Schiedsrichter-Kameraden warnt: „Arrogant darf man nicht werden – Schiri zu sein, ist ein dienender Job!“ Er selbst habe stets die Philosophie vertreten: „Ich lasse auch sehr hart spielen, es gibt keine großen Eingriffe, auch wenn es rau wird.“ Was der heute 72-Jährige gar nicht leiden konnte, war die Meckerei – „sowohl untereinander als auch mir gegenüber“.

Gerhard „John“ Hahn im Video-Interview:

Gerhard „John“ Hahn im Video-Interview

Zu seiner Zeit gab es ja noch keine Gelben und Roten Karten: „Verwarnungen und Platzverweise mussten mündlich ausgesprochen werden.“ John Hahn pfiff für den ASV Neumarkt, auch wenn er beim TSV Wolfstein das Fußballspielen gelernt hat – bevor ihn eine schwere Knieverletzung aus der Bahn warf. Danach avancierte er zum Beatmusiker: „Es war eine wilde Zeit“, sagt er, „damals habe ich nicht an Fußball gedacht“.

Zwei Jahre lang wohnte er in Wien, nach seiner Rückkehr entschloss er sich, „wenigstens Schiri zu werden“, wenn es mit dem Spielen schon nicht mehr klappte – die Knieschmerzen kamen immer wieder zurück.

„Arrogant darf man nicht werden – Schiri zu sein, ist ein dienender Job!“

Gerhard „John“ Hahn

Als Hahn mit seiner Frau Carola 1974 das Café eröffnete, fragte er den damaligen Obmann Willi Meier, ob es in Ordnung gehe, wenn er am Sonntag nicht mehr pfeifen könne. „Solch einen Schiedsrichter kann ich nicht gebrauchen“, bekam er zur Antwort. Daraufhin gab er seinen Ausweis zurück. In seiner aktiven Zeit hat fast 300 Spiele gepfiffen – darunter war auch eine internationale Partie.

An einem Jugendfußballturnier nahmen die Wolverhampton Wanderers teil…

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