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Bildung

Junglehrer stehen vor schwieriger Lage

Auf dem Arbeitsmarkt gibt es eine groteske Lage: Schulen geht Personal aus, während zahlreiche Lehrer keine Arbeit haben.
von Bettina Dennerlohr

Eine Lehrerstelle zu finden ist besonders für diejenigen schwer, die Gymnasiallehramt studiert haben.
Eine Lehrerstelle zu finden ist besonders für diejenigen schwer, die Gymnasiallehramt studiert haben. Foto: Murat

Neumarkt.Bayerns Junglehrer schlagen Alarm. Die Arbeitsgemeinschaft bayerischer Junglehrer im BLLV Oberpfalz (ABJ) hat bei ihrer Bezirksdelegiertenversammlung über den sich rapide verschärfenden Lehrermangel diskutiert. Dabei kommt es zu einer grotesken Situation: Während an einigen Stellen Lehrer händeringend gesucht werden finden viele Absolventen keine Arbeit. Diese Erfahrung hat auch Ursula Schroll, Vorsitzende des BLLV Oberpfalz gemacht.

Mittelschulen gehen die Lehrer aus

„An den Grund- und Mittelschulen ist die Einstellungssituation sehr gut. Dagegen gibt es viele Lehrer für Gymnasium und Realschule, die keinen Arbeitsplatz haben“, sagt Schroll, selbst Leiterin der Grund- und Mittelschule Mühlhausen. Dabei brauchen die Mittelschulen dringend Personal – „kurzfristig und so schnell wie möglich“, wie Schroll sagt. Denn im Nachtragshaushalt sind wegen der steigenden Zahl der Flüchtlingskinder 730 zusätzliche Stellen vorgesehen – doch die können nur schwer besetzt werden, sagt Schroll.

Im Landkreis Neumarkt gibt es deswegen knapp 20 Gymnasial- und Realschullehrer, die an Mittelschulen Dienst tun. Das ist zunächst zeitlich befristet. Drei Lehrkräfte absolvieren derzeit eine sogenannte „besondere Nachqualifizierung“. Sie dauert zwei Jahre. Im ersten Abschnitt dürfen die Lehrer nur die Fächer unterrichten, die sie studiert haben, im zweiten dann alle anderen an der Mittelschule. Danach werden die Betreffenden vom Schulleiter und dem Schulamt bewertet und können bei einem positiven Bescheid an der Mitteschule weiter unterrichten. „Das Kultusministerium wollte ursprünglich 30 Nachqualifizierungen genehmigen, kurzfristig wurde auf 90 erhöht“, sagt Schroll.

Sie fordert dagegen, dass Lehrern die die Schulart wechseln, keine großen Hürden in den Weg gelegt werden. „Alle Lehrer sind Lehrer und müssen unterrichten können“, sagt Schroll. Der BLLV fordert außerdem eine neue Art der Lehrerausbildung: Der Schwerpunkt soll künftig nicht auf der Schulart sondern auf dem Alter der Schüler liegen. Vorstellbar wäre etwa die Unterteilung in Grundschule, Sekundarstufe I (Klassen 5 bis 10) und Sekundarstufe II (gymnasiale Oberstufe). In einigen Bundesländern wird das bereits praktiziert. „Wenn wir die bisherige Aussortiererei beenden, hätten wir viele Probleme gelöst“, sagt Schroll. Denn die Versorgung mit Lehrern bewege sich derzeit am unteren Rahmen. Unterrichtsausfälle könnten kaum aufgefangen werden, das Angebot an zusätzlichen Arbeitsgruppen sei gering.

Das Problem mit den Lehrerstellen ist hausgemacht, findet sie: „Durch die Umstellung auf das G8 sind Stellen weggefallen, weshalb plötzlich zahlreiche Lehrer quasi zu viel im System waren.“ Durch den Ausbau auf die sechsstufige Realschule seien außerdem besonders viele junge Lehrer eingestellt worden, was die Altersstruktur deutlich verschoben haben. „Für die Jungen ist das im Moment eine sehr schwierige Situation“, sagt Schroll.

Junglehrer kritisieren Bürokratie

Das diskutieren auch die Junglehrer um Vorsitzende Nathalie Karl selbst. Sie kritisieren die „mangelnde Flexibilität der Bürokratie und die mangelnde wirtschaftliche Denkweise“. Dadurch werde es motivierten Fachkräften deutlich erschwert, sich ihrem Beruf auch tatsächlich widmen zu können. Viele traumatisierte Flüchtlingskinder erhielten keine adäquate Betreuung und Förderung, sagte ABJ-Landesvorsitzende Kerstin Polster. Diese Kinder würden deshalb mit großer Wahrscheinlichkeit im deutschen Schulsystem scheitern. Auch für Kinder mit Teilleistungsschwächen stünden nur verhältnismäßig wenige Köpfe des sonderpädagogischen Dienstes zur Verfügung. „Die Lehrkräfte werden mit diesen Problemen alleine gelassen und ihnen bleibt oft nur wenig Zeit für andere Schüler, die auch Aufmerksamkeit und persönliche Zuwendung bräuchten“, so Polster.

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