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Bildung

SFZ und Ostendorfer schließen Vertrag

Wenn beide Neumarkter Schulen ab 2021 Nachbarn sind, wird nach dem Motto „Inklusion auf Augenhöhe“ zusammengearbeitet.
Von Nicole Selendt

„Da, wo es erfolgreich und motivierend ist“, sollen Förderschüler und Gymnasiasten des Ostendorfer in Zukunft zusammenarbeiten, wenn es nach dem Willen der beiden Schulleiter geht. Foto: Berg/dpa
„Da, wo es erfolgreich und motivierend ist“, sollen Förderschüler und Gymnasiasten des Ostendorfer in Zukunft zusammenarbeiten, wenn es nach dem Willen der beiden Schulleiter geht. Foto: Berg/dpa

Neumarkt.Das Ostendorfer Gymnasium und das Sonderpädagogische Förderzentrum Neumarkt könnten eigentlich nicht weiter auseinanderliegen – rein inhaltlich. Auf der einen Seite Schüler mit Aussicht auf das Abitur und ein anschließendes Studium, auf der anderen Seite Schüler, die sich schwertun mit dem Lernen, oder sprachlich, emotional oder sozial Schwierigkeiten haben. Trotzdem wollen die Schulleiter, Ulrike Severa und Christian Schwab zusammenarbeiten, sobald die beiden Schulen auf dem alten WGG-Areal nebeneinanderliegen und baulich miteinander verbunden sind.

Bauliche Nähe auf dem alten WGG-Areal

  • OG:

    Zwischen Mensa und OG wird ein Neubau mit Klassenräumen und Bibliothek gebaut.

  • SFZ:

    Das SFZ bekommt einen Neubau und verlässt damit das Gebäude am Theo-Betz-Platz.

  • Verbindung:

    Beide Schulen werden über einen Gang miteinander verbunden.

Im Dezember 2018 war der offizielle Spatenstich für den Bau des SFZ und die Erweiterung des OG erfolgt. Foto: Gottschalk
Im Dezember 2018 war der offizielle Spatenstich für den Bau des SFZ und die Erweiterung des OG erfolgt. Foto: Gottschalk

Und das, so beteuern beide im Gespräch mit dem Neumarkter Tagblatt, „auf Augenhöhe“. Sobald die Bauarbeiten abgeschlossen sind und die Schüler und Lehrer der Förderschule in das neue Gebäude am Kurt-Romstöck-Ring eingezogen sind, geht es los. Die Kooperation beider Schulen wird in einem Partnerschaftsvertrag schriftlich fixiert, sie wird damit einzigartig sein in der bayerischen Schullandschaft.

Die können ja sportlich richtig mithalten.“ Christian Schwab

über die Reaktion von Gymnasiasten auf die Leistungen von Förderschülern in einer gemeinsamen Sportstunde.

Der Plan ist es, „realitätsbezogen im Bereich der Inklusion zu arbeiten“, sagt Severa. Ihr sei natürlich klar, dass gemeinsamer Unterricht von Gymnasiasten und Förderschülern nicht automatisch gleich Inklusion bedeutet. Nur da, „wo es erfolgreich und motivierend ist“, sollen die so unterschiedlichen Institutionen zusammenarbeiten.

Beim Sport zum Beispiel. So haben die Schulen bereits bei einem sogenannten Orientierungslauf gemeinsamen Sportunterricht ausprobiert. Das Fazit laut Christian Schwab: „ Die Gymnasiasten haben gesehen: ‚Hey, die können ja sportlich richtig mithalten.‘ Alle Teilnehmer haben Gemeinsamkeiten entdeckt, wo sie eigentlich keine erwartet hatten.“

Praktika für Gymnasiasten

Auch im Musikunterricht können Schüler beider Schularten voneinander profitieren. Ein Höhepunkt bisheriger Zusammenarbeit sei da zum Beispiel laut Severa der Auftritt der SFZ-Schülerband beim Unterstufenfasching des Ostendorfer vor zwei Jahren gewesen. Schwab erinnert sich: „Den Gymnasiasten hat’s gefallen und unsere Schüler waren stolz wie Oskar, dass sie viel Applaus bekommen haben.“ Auch gemeinsame Theaterstücke sind in den vergangenen Jahren schon entstanden.

Wichtigstes Ziel der Kooperation soll vor allem sein, dass sich die Schüler bei vielen Gelegenheiten begegnen, sowohl im Unterricht als auch bei Feiern. So können alle voneinander lernen, Vorurteile werden abgebaut, Gemeinsamkeiten werden entdeckt. Ansonsten können beide Schulen ihre Schüler vor allem projektbezogen immer wieder zusammenführen. Und nachdem das Ostendorfer Gymnasium einen sozialwissenschaftlichen Zweig für seine Schüler anbietet und diese während ihrer Schulzeit auch Praktika im erziehungswissenschaftlichen Bereich absolvieren müssen, kann hier das Förderzentrum gleich einspringen.

Das Tagblatt hat über den Baubeginn und die Pläne für das alte WGG-Areal ausführlich berichtet:

Bildung

Die Zukunft des WGG-Areals in Neumarkt

Der Bau des Sonderpädagogischen Förderzentrums und des OG hat begonnen. Bis Ende 2021 soll das Millionen-Projekt fertig sein.

So könnten zum Beispiel Praktikanten in der an die Förderschule angeschlossenen „Schulvorbereitenden Einrichtung“ (SVE) der Lebenshilfe mitarbeiten, sagt Schwab. Das ist der „Kindergarten“ der Förderschule für Kinder unter sechs Jahren. „Oder sie dürfen in die Klassen mit rein“, sagt Schwab. Eine absolut exklusive Gelegenheit für die Schüler des Ostendorfer Gymnasiums, wie der Leiter des Förderzentrums versichert. Dort sei sonst niemand sonst zugelassen. Dass nicht nur die Kinder der beiden Schulen voneinander lernen können, sondern auch das Lehrpersonal, das haben laut Severa die bisherigen gemeinsamen Aktionen und mehrere Treffen schon bewiesen.

So sehen die Baupläne für das Areal am Kurt-Romstöck-Ring aus.

Hoffnung auf Finanzmittel

Wo Gymnasiallehrer Fähigkeiten bei Schülern bereits voraussetzen, verlange die Arbeit mit Förderschülern oft eine andere Herangehensweise im Unterricht, wie Severa versichert. „Es ist schon jetzt klar geworden, wie wenig man von anderen Schularten eigentlich weiß“, stellt Severa fest. Daher ist sie sicher, dass die Kooperation für alle Kollegen „hochspannend“ sein werde.

Christian Schwab freut sich jedenfalls darauf, dass aus dem bisherigen Arbeitspapier, dass beide Schulen bisher miteinander ausgearbeitet haben, bald ein bindender Vertrag wird. Er ist gespannt darauf, wie die bauliche Nähe, die es voraussichtlich ab dem Jahr 2021 geben wird, auch inhaltlich aufgebaut werden kann. Ulrike Severa hofft, dass die Einzigartigkeit des Vertrags auch in München im Kultusministerium honoriert wird – in einer eigens für Inklusionsangelegenheiten eingerichteten „Stabsstelle für Inklusion im Ministerium“ – und von der erhofft sie sich auch für gemeinsame Projekte beider Schulen Förderungen.

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