MyMz
Anzeige

Schulprojekt

So leben Kinder in Syrien

Von Syrien nach Seubersdorf: Rosmarie Pöppl hat mit den syrischen Kindern ihre Geschichte für die deutschen Kinder bebildert.
Von Vera Gabler

  • Foto: Gabler
  • „Herumwirbeln“ heißt ein Kinderspiel aus Syrien. Foto: Gabler

Die Heimat der Familie auf Powerpoint

Die Familie Darwisha kommt aus dem Ort Ainal-Fijah. Der Ort ist rund 20 Kilometer von der Hauptstadt Damaskus entfernt. Es ist ein sehr fruchtbarer Ort, dort wachsen viele Obstbäume. Wie man dort lebt, das erklären Lehrerin Rosmarie Pöppl und die Kinder in der Übergangsklasse in einer Power Point-Präsentation. Eine Woche lang waren sie mit der rund 15-minütigen Präsentation in jeder Klasse von 1 bis 10. „Die Kinder waren sehr betroffen“, sagt Heike Apfelbacher von der Klasse 1a. Die deutschen Kinder hätten noch viele Fragen gestellt und dabei herausgefunden: Die Familie Darwisha war einmal sehr reich und hat nun alles verloren. Für die Kinder sei die Präsentation sehr aufschlussreich gewesen, sagt Apfelbacher. Gleichzeitig stellte sie fest, dass die ausländischen Kinder in ihrer Klasse nun auch von ihrem Leben erzählen.

Neugierig auf das Leben in Syrien

Foto: Gabler
Foto: Gabler

„Schade, was da passiert ist“, sagt Ina Kobler nach dem Projekt. Der Krieg sei nicht gut, sagt die Schülerin. Auch dass die wichtige Wasserquelle zerstört worden ist, hat die Schülerin aus der 1. Klasse nachdenklich gemacht. Lena Baiersdorfer, sie ist ebenfalls in der 1. Klasse, hatte anfangs etwas Angst vor der neuen Mitschülerin. Jetzt ist sie gespannt, mehr von dem Leben in Syrien erfahren zu dürfen. Ganz schlimm findet es Marlene Pantel aus der 3. Klasse, dass die Mutter verschwunden ist. Sie hat von ihren Eltern ein Buch über Flüchtlingserlebnisse bekommen, mit dem sie sich nun noch intensiver befassen will. Lukas Glas ergänzt im Interview, dass in seiner Klasse zwei Buben aus Indien und Rumänien sind. Sie seien bereits seine Freunde.

Fußball wird auf der ganzen Welt gespielt

Foto: Gabler
Foto: Gabler

Neben dem Anliegen, die Geschichte von Familie Mohamad Maher Darwisha zu zeigen, ist es auch Rosmarie Pöppls Wusch gewesen, Kinder einander begegnen zu lassen. Hierzu reichten oft kleine Schritte, um die deutschen Kinder darauf neugierig zu machen, was ihre Altersgenossen in Syrien unter Spielen verstehen. Selber Impulse zu setzen, das sei Integration. Die Kinder aus den Flüchtlingsfamilien sollen nicht darauf warten angesprochen zu werden, Ziel bei dieser Aktion war es, auf die Mitschüler zuzugehen. „Die Schule öffnet eine Tür zum Kennenlernen“, sagt Schulleiter Karl Staudinger. Erfolgreich ist auch der Austausch von Spielen. Während Ina und Lena ihm zeigen, wie man Memory spielt, zeigt Hasan die „syrische Spielweise“, in dem er die Karten nach vorne schnippst. „Herumwirbeln“ mittels Ball geht ebenso, wie das Spielen mit Murmeln. In einem sind sich aber vor allem die Buben einig: Fußballspielen ist länderübergreifend, das gibt es auf der ganzen Welt.

Hier finden Sie weitere Informationen zu Syrien:

Das ist Syrien

  • Daten:

  • Hauptstadt von Syrien ist Damaskus. 2010 lebten 21 000 Menschen in Syrien – inzwischen sind mindestens fünf Millionen ins Ausland geflohen. Etwas mehr als 70 Prozent der Bevölkerung sind sunnitische Muslime, rund zehn Prozent gehören christlichen Konfessionen an. Syrien verfügt über Erdöl-, Erdgas- und Phosphatvorkommen.

  • Präsident:

  • Baschar al-Assad übernahm das Amt von seinem Vater, der seit 1971 Präsident war. Zunächst hofften viele, das Land würde sich unter seiner Ägide öffnen.

  • Bürgerkrieg:

  • Als Teil des arabischen Frühlings gab es 2011 auch in Syrien Proteste gegen Präsident Assad und sein als autoritär geltendes Regime. Inzwischen stehen sich im Land nicht nur Regierung und Opposition gegenüber, sondern mehrere Gruppierungen und auch Soldaten anderer Staaten. Rund 11,6 Millionen Syrer sollen auf der Flucht sein, fünf Millionen von ihnen im Ausland. Laut den UN handelt es sich um die schlimmste Flüchtlingskrise seit dem Völkermord in Ruanda in den 90er-Jahren, als mehr als zwei Millionen Menschen aus Ruanda flohen.

Auch die Eltern sollen sich kennenlernen

Foto: Gabler
Foto: Gabler

Um die Schüler der Übergangsklasse ins Schulleben der Grund- und Mittelschule zu integrieren, ist es auch wichtig, Kontakte zu deren Eltern zu knüpfen. Diesen soll die Scheu genommen werden, in die Schule zu kommen und sich aktiv am Schulleben zu beteiligen. Viele Eltern dieser Schüler haben Angst davor, mit Lehrern zu kommunizieren, da sie der Meinung sind, die deutsche Sprache nicht gut genug zu beherrschen. Deshalb organisierte Rosmarie Pöppl ein Treffen zum Kennenlernen für die Eltern der Schüler der Übergangsklasse. Es fanden sich erfreulicherweise viele Mütter und Väter aus unterschiedlichen Ländern ein, die bei Kaffee und Kuchen zeigten, dass sie großes Interesse für das Lernen an unserer Schule aufbringen. Bei dieser Gelegenheit stellten sie sich auch noch dem Klassenleiter vor.

Hassan erklärt die syrischen Zahlen

Foto: Gabler
Foto: Gabler

Hassan Darwisha und Emilia Lang zeigen sich gegenseitig die Schreibweise der Zahlen, mit denen sie bisher aufgewachsen sind. Die siebenjährige Mitschülerin möchte das auch lernen, die Klassenlehrerin verspricht, den Wunsch in der Kunterbuntstunde zu erfüllen. Das Zahlensystem von 0 bis 9 wurde nicht von den Arabern, sondern den Aramäern entwickelt. Denn die Aramäer be-

nutzten ihr Alphabet schon vor 2500 Jahren als Zahlensystem. Zuerst nur als Buchstaben, dann entwickelten sich daraus Zahlen.

Ein Schein, der einen Euro wert ist

Foto: Gabler
Foto: Gabler

Hasan Darwisha und Nadine Lehner vergleichen „ihr“ Geld. Nadine Lehner kann es sich gar nicht vorstellen, dass es auf der Welt etwas anderes als den Euro gibt. Die syrische Lira, es wird auch syrisches Pfund genannt, ist die Währung von Syrien. Den Schein, den Hasan seiner Schulkameradin zeigt, ist gerade mal so wie ein Euro wert. Hasan hat natürlich schon ein Taschengeld, und damit kauft er sich nun am liebsten eine Schokobanane in der Pause. „Die ist total lecker“, verrät er.

Hier finden Sie weitere Nachrichten aus Neumarkt und Umgebung.

Die wichtigsten Informationen des Tages direkt auf das Mobilgerät: Mit MZ und WhatsApp bleiben Sie stets auf dem Laufenden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht