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Ganztagsschule

Die Schule wird zum Lebensraum

Lernen, essen und gemeinsam spielen: In Freystadt und Postbauer-Heng hat sich die gebundene Ganztagsschule bewährt.

  • Beim Zeichnen hat Künstler Roland Reymann schon ein paar Talente entdeckt.
  • Ein Percussion-Lehrer bringt den Kindern in Freystadt Rhythmusgefühl bei.
  • Sogar Golf können die Kinder in der Erich Kästner Schule lernen.
  • Töpfern wird sowohl in der Schule in Freystadt als auch in Postbauer-Heng angeboten.
  • Beim Yoga können sich die Kinder zu beruhigender Musik entspannen.

Betrat man noch vor wenigen Jahren am Nachmittag eine Schule, glich das Gebäude einer leeren Hülle. Außer dem Putzpersonal oder dem Hausmeister lief man nicht vielen Menschen über den Weg. Heute ist das anders – die Martinischule in Freystadt und die Erich Kästner Schule in Postbauer-Heng haben Ganztagszüge eingerichtet. Und damit ist die Schule für viele Kinder nicht nur zu einer Pflichtveranstaltung am Vormittag geworden – sondern zum Lebensraum.

Viele Schulen im Landkreis haben bereits offene Ganztagsangebote, Mittags- oder Hausaufgabenbetreuung. Doch nur wenige Einrichtungen bieten gebundene Ganztagsklassen an. Der Unterschied: im gebundenen Ganztag bleibt eine Klasse unter sich: bei Unterricht, Mittagessen, Wochenplanarbeit, Aktivitäten am Nachmittag.

Individuelle Förderung möglich

In Freystadt startete im Schuljahr 2010/11 eine fünfte Klasse als Ganztagsklasse. Und laut Schulleiterin Cornelia Krodel hat sich das System bewährt. Auch Klassenleiter Xaver Großhauser und seine Co-Lehrerin Jutta Schwappach schwärmen vom Konzept Ganztagsschule. Es gebe keine Außenseiter, eine Woche Schullandheim gleich zum Start des Projekts habe die Kinder zu einer Gemeinschaft zusammengeschweißt.

Ein wenig mehr Erfahrung haben Schulleiterin Sabine Bodenmeier und ihre Kollegen von der Erich Kästner Schule in Postbauer-Heng. Dort gibt es die gebundene Ganztagsschule seit dem Schuljahr 2008/09. Derzeit gehen Schüler der dritten bis zur achten Jahrgangsstufe in sechs Klassen bis 15.30 Uhr zur Schule. Und während Cornelia Krodel anfangs noch Überzeugungsarbeit bei den Eltern leisten muss, ist die Ganztagsschule in Postbauer-Heng schon zu einem Selbstläufer geworden.

Für jede Ganztagsklasse gibt es zusätzliche zwölf Lehrerstunden pro Woche sowie 6000 Euro pro Schuljahr. In Freystadt ist es Jutta Schwappach, die diese zusätzlichen Lehrerstunden den Sechstklässlern des Ganztagszuges widmet. Sie unterrichtet dann gemeinsam mit Großhauser. Der Vorteil daran: Zu zweit kann das Team einzelne Schüler besser fördern und Unterrichtsstoff mit Kindern intensiv wiederholen. Englisch, GSE und Kunst unterrichtet Schwappach ohne Großhauser.

Externe bringen ihre Ideen ein

In Postbauer-Heng ist die Organisation mit Klassleiter und dem sogenannten Tandemlehrer ähnlich. Auch die dortigen Lehrer empfinden diese Arbeitsteilung als gewinnbringend. Doch für einen Teil der insgesamt 36000 Euro, die der Schule für ihre sechs Klassen zustehen, leistet sich die Schule eine Besonderheit: Vanessa Zwengauer. Sie ist Erzieherin und fester Bestandteil des Kollegiums.

Zwengauer steht den Kindern als weitere Bezugsperson zur Seite. Außerdem ist sie da, wenn sich die Schüler zur Mittagspause in der Mensa treffen, bietet Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und hilft externen Partnern der Schule mit ihren Kursen. Am Vormittag, wenn die Ganztagskinder im Unterricht sitzen, hat sie Zeit, ihre Angebote vorzubereiten. Zurzeit bringt Zwengauer den Schülern anhand von Lernstationen die fünf Grundregeln der Schule – sie gibt es anstatt einer Schulordnung – wieder näher.

Ein stundenmäßig zwar sehr kleiner, aber wichtiger Bestandteil der Ganztagsschule ist das Freizeitangebot von externen Partnern. Sie sind es, die von den 6000 Euro pro Klasse und Schuljahr entlohnt werden sollen. Sie sind einmal wöchentlich an der Schule und bieten den Kindern Workshops an. Und damit die Schüler nicht für ein ganzes Schuljahr bei einer Sache bleiben müssen, ist das Schuljahr in etwa sechswöchige Module aufgeteilt. So lange laufen die Kurse, anschließend wird gewechselt.

Der Jahresplan in Freystadt sieht zum Beispiel vor, dass ein Modul vom Zirkusverein bestritten wird. Sechs Wochen lang üben deshalb die Schüler in zwei Schulstunden wöchentlich Jonglieren. Ist das Modul vorbei, ist wieder etwas anderes angesagt. So bieten im Verlauf des Schuljahres verschiedene Vereine, Organisationen oder Einzelpersonen Tischtennis, Töpfern, Malen, Percussion, Judo oder Tanzen an.

Meist haben die Schüler die Wahl zwischen zwei Angeboten pro Modul. Damit die externen Mitarbeiter – die meist keine pädagogische Ausbildung haben – nicht überfordert sind, bleiben die Gruppen mit höchstens zwölf Kindern recht überschaubar. Und Krodel ist bisher sehr zufrieden mit ihren „Gastlehrern“. Sie seien extrem motiviert.

Schon allein aufgrund der Menge an Ganztagsklassen ist das Angebot an Freizeitmöglichkeiten durch externe Partner in Postbauer-Heng ein wenig größer als in Freystadt. Fußball, Golf, Judo, Kunst und Gestaltung, Lesen, Percussion, „Mut tut gut“, Tischtennis, Englisch für Grundschüler, Yoga, Kegeln, „Drachenbau“, Kreatives Gestalten, Töpfern, Medien, Theater, Modedesign oder Hiphop stehen dort – oft gleichzeitig – auf dem Programm. Für die Sportangebote ist Bodenmeier vor allem dem Henger SV dankbar. Erwünscht ist dabei alles, was das Selbstwert- und das Verantwortungsgefühl der Kinder stärkt und die Gemeinschaft fördert.

Vielfalt, die daheim nicht möglich ist

Für die Jahrgangsstufen drei bis sechs ist der Modultag der Montag, mittwochs sind die älteren Schüler dran. Laut Bodenmeier ist das System der Ganztagsschule mittlerweile so konzipiert, dass aufgestockt werden kann, wenn im kommenden Schuljahr eine neunte – und unter Umständen auch eine erste Klasse – dazukommt.

Dass so viele Eltern die Möglichkeit der Ganztagsklasse nutzen, liege auch an diesem Freizeitangebot, wie Förderlehrer Mathias Pleiß sagt: „Diese Fülle an verschiedenen Erlebnissen können viele Eltern ihren Kindern nicht bieten.“ Die Ganztagsschule führe oft zu einem entspannteren Familienleben, Probleme mit Hausaufgaben kämen gar nicht auf. Und auch für verhaltensauffällige Kinder funktioniere der Ganztagszug. Mehr Personal könne sich aufmerksamer und länger mit dem Kind beschäftigen.

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