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Schulporträt

Kinder lernen unterschiedlich schnell

In der Grundschule im Haus St. Marien in Neumarkt steht das individuelle Lerntempo der Schüler im Vordergrund.
von Bernhard Neumayer

Lehrkraft Alexandra Münch geht auf die individuellen Bedürfnisse der Erstklässler ein.
Lehrkraft Alexandra Münch geht auf die individuellen Bedürfnisse der Erstklässler ein. Fotos: Neumayer

Neumarkt.Zwei Buben aus der 3. Klasse spielen auf dem Gang Memory, viele Kinder sitzen auf ihren Stühlen und lesen ein Gedicht, andere zeigen der Lehrerin an der Tafel, dass sie schon das „D“ schreiben können. Dass man sich nicht in einer normalen staatlichen Grundschule befindet, wird einem an diesem gewöhnlichen Mittwochmorgen nach wenigen Augenblicken klar. So oder so ähnlich sieht allerdings der Start in den Schultag für die Kinder der freien katholischen Grundschule im Haus St. Marien aus.

Was die Kinder hier machen, nennt sich „Freie Stillarbeit“. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Kinder sich still beschäftigen, wie das teilweise in normalen staatlichen Schulen der Fall ist. Sie bekommen stattdessen ihren eigenen, individuell auf ihr Lerntempo abgestimmten Wochenplan. Die Aufgaben darauf können sich die Kinder selbst einteilen, bis zum Ende der Schulwoche sollten die Aufgaben jedoch erledigt sein. „Wir gehen mit den individuellen Wochenplänen auf die Stärken und Schwächen der jeweiligen Kinder ein“, sagt Maria Gabel, Schulleiterin der Grundschule.

Vier Säulen des „Marchtaler Plans“

Die „Freie Stillarbeit“ ist eine der vier Säulen des sogenannten „Marchtaler Plans“, auf dessen Unterrichtskonzept der Schulalltag basiert. Neben der „Freien Stillarbeit“ wird jeden Montagmorgen ein Morgenkreis zu Beginn der Schulwoche gehalten. Die Kinder beten, singen oder meditieren miteinander, um sich so gegenseitig und Gott zu begegnen. „Die Kinder sollen nicht gleich am Montagmorgen mit Stress und Notendruck konfrontiert werden“, sagt Gabel. Stattdessen sollten sie erst einmal in Ruhe in der Schule ankommen. Beendet wird die Schulwoche am Freitag mit dem Abschlusskreis, der oft einen Bezug zum Morgenkreis am Montag herstellt.

Die dritte Säule des „Marchtaler Plans“ bildet der Fachunterricht. Dieser ähnelt dem normalen Fächerunterricht in den normalen staatlichen Schulen. Mathe, Sport und Englisch werden den Kindern auf herkömmliche Weise gelehrt.

Die Leitsätze der Grundschule

  • Glaube:

    Einen lebendigen Glauben den Kindern zu vermitteln, ist eines der Ziele der Grundschule.

  • Individuelle Betreuung:

    Jedes Kind ist einzigartig. Nach diesem Grundsatz legt die Schule ihren Alltag aus, indem sie auf die individuellen Stärken und Schwächen eingeht.

  • Schöpfung:

    Die Schöpfung achten. Die Kinder sind viel im Freien und spielen in der Natur. Dabei ist es der Schule wichtig, dass die Kindern Achtung vor beispielsweise Pflanzen lernen.

  • Marchthaler Plan:

    Der „Marchtaler Plan“ ist das Konzept, auf dem der Schulalltag aufbaut. Der Plan wurde extra für katholische Schulen als Erziehungs- und Bildungsplan in Obermarchtal entwickelt.

  • Anwendung

    In Bayern wird der „Marchtaler Plan“ neben Neumarkt auch in Augsburg, Neu-Ulm, Würzburg, Regensburg und Eichstätt angewendet.

Ein großer Unterschied zu den normalen staatlichen Schulen ist allerdings die vierte Säule des Lehrplans – der vernetzte Unterricht. Dabei werden Fächer wie Religion, Musik oder Kunst nicht einzeln und getrennt voneinander unterrichtet, sondern ein Thema wird aus allen Fachrichtungen beleuchtet. Die 2. Klasse beschäftigte sich beispielsweise mit dem Thema „Mein Körper“. Dazu wird zum Beispiel aus der Religion das Thema „Schöpfung“ angesprochen, in Musik können die Kinder mit ihrem Körper Geräusche erzeugen. „So gewinnen die Schüler von einem Thema immer einen Gesamteindruck“, erklärt Gabel.

Der Unterschied zu normalen staatlichen Schulen besteht neben dem „Marchtaler Plan“ auch in der christlichen Werteerziehung. Wichtig sei dabei, sich gegenseitig zu schätzen. Dabei stehen nicht nur die Wertschätzung zwischen Lehrkräften und Schülern im Vordergrund, sondern auch der Umgang der Kinder untereinander. „Wir nehmen die Kinder hier so an, wie sie sind“, betont Gabel.

Der Grundsatz „Jedes Kind ist einzigartig“ sei bereits zu Beginn der privaten Grundschule immer geachtet worden. Die Grundschule nahm im Schuljahr 2010/2011 erstmals den Unterricht auf – mit nur einer Klasse und 14 Kindern. Mittlerweile hat die Schule jeweils eine Klasse in den Klassenstufen 1 bis 4. Insgesamt lernen in der Grundschule aktuell 80 Kinder Rechnen, Lesen und Schreiben. „Wir haben uns in den letzten Jahren sehr gut entwickelt“, sagt Gabel, die im ersten Schuljahr nur eine weitere Lehrkraft als Unterstützung hatte.

Die größte Sorge wird beseitigt

Mittlerweile sind elf Personen für die Kinder zuständig: Lehrkräfte, Erzieher und Kinderpfleger kümmern sich um die Kinder. „Wir haben uns mittlerweile in Neumarkt etabliert“, sagt Gabel. Neben dem Lernen stehen für die Kinder auch Mittagessen und Freizeit auf ihrem Plan. Denn die Grundschule im Haus St. Marien ist eine Ganztagsschule. Montag bis Donnerstag sind die Kinder von 8.30 bis 15.30 Uhr und Freitag von 8.30 bis 14 Uhr in der Schule. In den längeren Pausen gehen die Kinder bei schönem Wetter in das Parkgelände und toben sich dort aus. „Dabei steht die Achtung vor den Dingen der Schöpfung im Vordergrund“, sagt Gabel. Im Frühjahr bekommen die Kinder im Park ein neues Klettergerüst.

Ein weiterer Fortschritt neben dem Spielgerät für die Kinder ist der Antrag auf staatliche Anerkennung. Diesen strebt die Schule nämlich an. Denn die Kinder aus der 4. Klasse mussten bisher zum Übertritt an weiterführende Schulen den Probeunterricht bestehen. Dieses Hindernis fällt aber ab kommendem Schuljahr weg, „weil dann die Schule vom Staat anerkannt werden wird“, sagt Gabel.

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