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Schule

Die Mühe mit der Rechtschreibung

Neumarkter Experten erklären, warum Erwachsene mit der Orthografie größere Probleme als Kinder haben – trotz WhatsApp.
Von Bernhard Neumayer

Drei gleiche Konsonanten folgen aufeinander. Seit der Rechtschreibreform ist das korrekt.
Drei gleiche Konsonanten folgen aufeinander. Seit der Rechtschreibreform ist das korrekt.Foto: Frank Rumpenhorst,

Neumarkt.Delfin oder Delphin? Pommes mit Majonese, Majonäse oder Mayonnaise? Wie war das gleich noch mit der korrekten Rechtschreibung? Auch 20 Jahre nach der großen Rechtschreibreform haben selbst Deutschlehrer und Linguisten Probleme mit der richtigen Schreibweise, wie sie unserer Zeitung sagen. Das Ziel der Reform im Jahr 1996 war eigentlich, die Rechtschreibung für die Schreibenden zu vereinfachen. Doch hat uns die Reform tatsächlich das Schreiben erleichtert oder verunsichern uns die neuen Regeln noch mehr?

Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Paul Rössler kann das nicht so pauschal beantworten: „Ich sehe das ambivalent.“ Es gebe einerseits Teilbereiche, die sinnvollerweise reformiert wurden. „Aber in manchen Bereichen ist auch nach der Reform noch Verbesserungsbedarf“, sagt der Inhaber des Lehrstuhls für Deutsche Sprachwissenschaft an der Uni Regensburg.

Wie sicher sind Sie in der Rechtschreibung? Hier ein kleines Quiz:

Zum Diktat! Ein kleines Quiz

  • 1. Statt eines Briefes verschicken viele heute elektronische Post. Wie aber wird sie geschrieben?

  • a) Email b) E-Mail c) EMail

  • Richtige Antwort: b) Einzelbuchstaben werden laut Duden generell mit Bindestrich angekoppelt - wie auch bei T-Shirt und U-Bahn.

  • 2. Wird jemand gesiezt, schreibt man „Sie“ statt „sie“. Wie ist die Regelung beim Duzen?

  • a) Auch das wird großgeschrieben: „Du“. b) Das wird kleingeschrieben: „du“. c) Es geht beides.

  • Richtige Antwort: c) Beides geht. Die Großschreibung gilt aber als höflicher.

  • 3. Wenn man sich bei jemandem für etwas bedankt, das er noch gar nicht getan hat, geschieht das...

  • a) im Voraus. b) im Vorraus. c) im voraus.

  • Richtige Antwort: a) Voraus ist ein Adverb und wird deshalb eigentlich kleingeschrieben. Bei im Voraus ist es aber substantiviert und wird deshalb großgeschrieben. Korrekte Schreibweise ist mit einem „r“.

  • 4. Wenn man eine Ehe rückgängig machen möchte, dann will man sie...

  • a) annullieren. b) anullieren. c) anulllieren.

  • Richtige Antwort: a) Die Bezeichnung geht auf das spätlateinische Verb annullare zurück und wird deshalb mit zwei „n“ und zwei „l“ geschrieben.

  • 5. Eine Geldbörse ist ein...

  • a) Portemonnaie. b) Portmonee. c) Es geht beides.

  • Richtige Antwort: c) Nach der Rechtschreibreform ist neben Portemonnaie auch Portmonee erlaubt.

Ein Bereich, der aus Rösslers Sicht verbessert wurde, sind zusammengesetzte Wörter. Ein Beispiel: „Stofffetzen“. Seit der Reform ist klar, dass alle Wörter dieses Musters mit drei Konsonanten geschrieben werden. Vor der Reform habe man differenzieren müssen, ob das Wort mit zwei „f“ oder mit drei „f“ geschrieben wird. Kritisch dagegen sieht er folgendes Problem: zusammenschreiben oder getrennt? „Da ist noch viel Verbesserungsbedarf.“ Selbst er als Experte müsse oft noch nachschauen, weil es viele Einzelfälle gebe.

Besonders die Erwachsenen klagen

„Änderungen sind grundsätzlich mit Frust verbunden“, erklärt Rössler. Denn das mühsam Erlernte müsse neu gelernt werden. Es gebe zwei Gruppen, die diese Änderungen verschieden aufnehmen. „Die Erwachsenen klagen, weil sie etwas Neues lernen müssen.“ Aber die Kinder, die zum ersten Mal Regeln lernen, seien unbefangener.

Deshalb sei die Reform in der Theo-Betz-Schule auch kein großes Thema. „Die Schüler wissen ja nicht, was vorher war“, sagt Schulleiter Michael Rüttinger. Für ihn und seine Lehrerkollegen sei die Umstellung aber schon eine große Herausforderung gewesen. „Für die Schüler geht es aber mehr um Verständlichkeit, gerade bei Schülern mit Migrationshintergrund.“

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Heidi Frank, Büroleiterin der Schülerhilfe Neumarkt, sagt, dass die Hälfte ihrer Deutsch-Nachhilfeschüler Migrationshintergrund hätten. Grundsätzlich hätten sie aber wenig Schüler, die Nachhilfe im Fach Deutsch bei ihnen nehmen. „Das sind keine zehn Prozent unserer Schüler.“ Hauptsächlich würden sie in Deutsch Grundschüler unterrichten. Bei der Nachhilfe im Studienkreis dagegen sei Deutsch wieder ein größeres Thema, sagt Leiterin Edith Hierl. „Seit zwei, drei Jahren ist Deutsch als Nachhilfefach wieder gefragt.“ Nicht nur Grundschüler, sondern alle Jahrgangsstufen würden bei ihr Nachhilfe nehmen.

Peter Diepold, der Leiter der Fachschaft Deutsch an der Knabenrealschule, sieht die Reform positiv: „Sie war dringend notwendig.“ Zum Beispiel könne man sich durch die neue Schreibweise von „in Acht nehmen“ gut herleiten, dass das Wort von „Achtung“ käme. Früher hat man die Phrase noch so geschrieben: „in acht nehmen.“ Der 35-Jährige sieht aber auch Probleme durch die Reform: „Die Schüler verzweifeln an Ausnahmen.“

Lese- und Rechtschreibschwäche

Besonders schwer haben es Schüler mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche, wie zum Beispiel eine elfjährige Schülerin. Sie sagt, sie gehe jede Woche zu einem Experten und lerne die Rechtschreibregeln immer wieder.
Sie besucht die sechste Klasse des Willibald-Gluck-Gymnasiums (WGG). „Bei dem Wort ‚gib‘ habe ich oft Probleme.“ Sie wisse zwar, wie es korrekt geschrieben wird. „Doch oft schreib ich es mit ‚ie‘, weil ich in dem Moment einfach nicht daran denke.“

Für sie ist WhatsApp eine gute Lernmethode. „Mir werden die Wörter richtig angezeigt“, sagt sie. Dadurch lerne sie mit Spaß, Wörter korrekt zu schreiben. Sie achte auch beim schnellen Schreiben mit Freunden darauf, alles richtig zu schreiben. Der zwölfjährige Jakob Grad dagegen achte in Whatsapp nicht auf die richtige Schreibweise. „Aber in der Schule kann ich mich super umstellen.“

Gerade bei Schülern in der Unterstufe sieht WGG-Schulleiter Bernhard Schiffer negative Auswirkungen von Messengern. „Da ist es cool, nicht korrekt zu schreiben und abzukürzen.“ Die kurzen Sätze würden unsere Sprache und Rechtschreibung negativ beeinflussen. WGG-Zehntklässler Pavlos Gousis sagt, dass er damit aber keine Probleme habe: „Ich kann gut unterscheiden zwischen Tippen am Handy und Schreiben mit einem Stift in der Schule.“

Übrigens: Der Duden empfiehlt, Delfin und Mayonnaise zu schreiben. Delphin und Majonäse sind aber auch möglich, Majonese hingegen nicht.

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