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Ernährung

Regional, saisonal und gut soll’s sein

Mit einem Ernährungscoach hat die Schule Berngau ihr Mittagsangebot optimiert – und das mundet jetzt auch älteren Schülern.
Von Nicole Selendt

Besonders mögen die Kinder das Obst und Gemüse in mundgerechten Stücken, sagt Köchin Manuela Groth.
Besonders mögen die Kinder das Obst und Gemüse in mundgerechten Stücken, sagt Köchin Manuela Groth. Foto: Schrafl

Berngau.Nach der Schule oder in der Mittagspause nur kurz die Straße runter zum Bäcker, schnell eine Breze oder eine Leberkässemmel verdrücken, dann geht’s weiter in den Nachmittagsunterricht oder nach Hause. Was einfach klingt und sicher für Eltern und Schüler die am wenigsten aufwendige Variante eines Mittagessens ist, muss noch lange nicht gesund sein. Aber genau das ist es doch, was Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklungsphase brauchen, dachten sich die Verantwortlichen der Schule Berngau.

Sie haben sich deshalb auf einen Weg gemacht, der Schülern jeder Jahrgangsstufe ein vollwertiges, frisch zubereitetes, regionales und saisonales Mittagessen ermöglicht. Am Anfang stand eine Bewerbung bei der Vernetzungsstelle Schulverpflegung Bayern – und die überzeugte offenbar. Denn in diesem Schuljahr ist die Schule Berngau in der Schulstraße 21 eine von nur fünf Schulen in der Oberpfalz, die mit Ökotrophologin Susanne Fehrmann einen Ernährungscoach an die Seite gestellt bekommen haben.

Ziel von Schulleitung, Eltern und Köchin Manuela Groth ist es jetzt vor allem, nicht nur die kleineren Kinder der Grundschule für das Mittagessen in der Schule zu begeistern. Die seien ohnehin von vornherein von ihren Eltern für das Essen angemeldet und gingen in dieser Beziehung noch keine eigenen Wege. „Es sollen auch die Großen der Mittelschule Lust auf unser Essen bekommen“, sagte Schulleiterin Maria Gebhardt dem Neumarkter Tagblatt in einer Gesprächsrunde am Montag.

Offenes Ohr für Extrawünsche

Und geklappt habe das von Anfang an recht gut. Mit dem sogenannten „Essen to go“ für die Großen hat Köchin Manuela Groth den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Mittelschüler können sich ein paar Tage vorher über den Nachrichtendienst WhatsApp direkt auf dem Handy der Köchin für das „Essen to go“ anmelden, Groth richtet es dann am gemeldeten Tag pünktlich zur Mittagspause her.

Was den Mittelschülern dabei besonders gefällt: „Ihre“ Köchin geht auch auf Sonderwünsche ein. Zum Beispiel die von Xhylije Gubetini. Als Muslimin isst die Achtklässlerin kein Schweinefleisch: „Das brauche ich Frau Groth nur zu schreiben und sie verwendet für mich Pute anstatt Schwein.“ Und auch für Laura Heiselbetz gibt es von der Köchin ein Extra. Die Zehntklässlerin ist Vegetarierin und bekommt anstatt Schinken auf dem Bagel nur Käse. „Frau Groth hat sogar schon mal was mit Tofu für mich gemacht“, erzählt sie.

Eine Einschränkung gibt es allerdings: Manuela Groth ist derzeit gehandicapt. Sie hat sich am Daumen verletzt und trägt einen dicken Verband am rechten Arm. Mit einer Kochhilfe kann sie sich momentan um die 20 bis 25 Mahlzeiten für die angemeldeten Grundschüler kümmern. „Aber sobald der Arm wieder frei ist, gibt es auch wieder das Essen to go“, verspricht sie. Xhylije und Laura, auch gleichzeitig Mitglieder der Schülermitverantwortung (SMV) der Schule, sind zuversichtlich, dass die Neuheit dann auch wieder gut angenommen wird.

Damit das Essen zwar vollwertig und gesund für die Schüler ist, aber trotzdem nicht auf den Tellern liegenbleibt, gibt es Qualitätsstandards und Tipps, die Susanne Fehrmann den Verantwortlichen der Schule mit auf den Weg gegeben hat. So gibt es zum einen feste Vorgaben, wie abwechslungsreich der Speiseplan sein muss und welche Nährstoffe in welcher Menge angeboten werden sollen. Zum anderen ist es aber auch der Groths Fantasie überlassen, das Essen ansprechend und mit Pepp zu gestalten.

So schwört sie zum Beispiel darauf, das Obst, das täglich auf dem Speiseplan steht, schon in mundgerechten Stücken anzubieten. „In einen ganzen Apfel beißen die Kinder nicht rein – die wollen ihn lieber in Stücke geschnitten“, sagt sie aus Erfahrung. Das nehmen die Kinder dann zum Beispiel auch für später mit in die Mittagsbetreuung. Auch Milchprodukte wie Quark oder Joghurt sind oft auf der Speisekarte der Woche zu finden.

Kinder holen sich gern Nachschlag

Damit vor allem die Eltern wissen, was genau da auf den Tellern ihrer Kinder landet, achtet die Köchin der Schule darauf, dass die Zutaten für ihre Speisen aus der Region stammen. So kommen beispielsweise die Eier, die sie zum Kochen verwendet, von den glücklichen Hühnern des Hausmeisters der Schule, Josef Silberhorn. Kartoffeln holt die Köchin immer von einem Hof aus Reichertshofen, beim Fleischeinkauf geht sie gezielt in Metzgereien, die für ihre Schlachtung und Verwertung nur Tiere aus Bayern verwenden.

Die Resonanz, die Groth auf ihr Mittagessen von den Kindern und Eltern erhält, sei überwiegend positiv. „Es gibt Kinder, die sich zwei oder dreimal Nachschlag holen, es gibt aber auch Kinder, denen das eine oder andere Gericht auch mal nicht schmeckt“, sagt sie. Die Geschmäcker seien ja bekanntlich verschieden. Dass Eltern noch nicht auf sie zugekommen seien, um Kritik oder Verbesserungsvorschläge anzubringen, wertet sie als gutes Zeichen.

Der Verpflegungscoach, Susanne Fehrmann, ist jedenfalls mittlerweile sehr zufrieden mit der Schulverpflegung in Berngau. In einem Schreiben an Schulleiterin Maria Gebhardt stellte sie dem Verpflegungsteam, zum dem neben Bürgermeister Wolfgang Wild und weitere Lehrer, Elternbeiräte und eine dritte Schülerin gehören ein gutes Zeugnis aus. Die Verpflegung der Schule habe sich aus ihrer Sicht ja bereits auf einem guten Level befunden. Aber man habe sich dort außerordentlich schnell auf Verbesserungsvorschläge eingelassen und Neuerungen eingeführt. So gibt es auf der Schulhomepage einen extra Bereich mit Informationen zu den Speiseplänen und zur Anmeldung zum Mittagessen, die Geräuschkulisse wurde durch bauliche Maßnahmen reduziert und ein Trinkbrunnen angeschafft.

Stolz ist die Schulleiterin vor allem darauf, dass die Schule trotz der Regionalität und hohen Qualität der Lebensmittel ein Mittagessen schon für 2,50 Euro zu haben ist.

Das Schulcoaching

  • Teilnehmer:

    Die Vernetzungsstelle Schulverpflegung wählt für ihr Coaching-Projekt Schulen aus, die daran interessiert sind, sich bei der Einführung und Verbesserung ihrer warmen Mittags- oder Pausenverpflegung betreuen zu lassen. Das Angebot ist für die ausgewählten Schulen gebührenfrei. In der Oberpfalz werden im laufenden Schuljahr insgesamt fünf Schulen gecoacht.

  • Ziele:

    Ziel des Coachings ist es nicht nur, die Mittags- oder Pausenverpflegung zu verbessern und Erfahrungen zu gewinnen. Die Gesundheit und das Wohlbefinden der Schulfamilie steht ebenso im Mittelpunkt wie die Suche nach kreativen Wegen, den „Lebensraum Schule“ zu bereichern.

  • Ablauf:

    Das Coaching verläuft in der Regel nach einem bestimmten Zeitplan. So werde im Herbst zunächst der Coach vorgestellt und mit den Verantwortlichen der Schule eine Ist-Analyse der Schwachstellen in der warmen Mittagsverpflegung erarbeitet. Dann werden Verbesserungsmöglichkeiten und Lösungswege formuliert. Im Frühjahr müssen diese Wege dann – mit Unterstützung des Coaches – umgesetzt werden. Der Sommer ist zuletzt für eine Auswertung der Ergebnisse da.

  • Teilnahmebedingungen:

    Mitmachen kann jede Schule, die bereits ein warmes Mittagessen anbietet, zum Schuljahresbeginn damit startet oder eine Pausenverpflegung in Form einer Cafeteria und/oder eines Kiosk anbietet. Die Schule muss einen Verpflegungsbeauftragten (Vertreter der Schule) als Tandempartner für den Schulverpflegungs-Coach nennen und ein Essensgremium installieren, in dem mindestens ein Vertreter der Schulleitung, der Verpflegungsbeauftragte, Schüler- und Elternvertreter und Verpflegungsanbieter vertreten sind.

  • Bewerbungen:

    Die Bewerbungsphase für das kommende Schuljahr dauert in der Regel von Februar bis April. Eine Jury nimmt sich dann bis Ende Juli Zeit, eine Auswahl an Schulen zu treffen. Von September bis zum Juli des darauffolgenden Jahres läuft anschließend das Coaching, zum Abschluss gibt es eine Veranstaltung mit einer Urkundenverleihung

  • Kosten:

    Die Kosten für den Schulcoach übernimmt die Vernetzungsstelle Schulverpflegung Bayern mit Sitz am Kompetenzzentrum für Ernährung.

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