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Lernkonzept

Wenn Bären Tigern beim Lernen helfen

An der Grundschule Woffenbach gibt es die „Flexible Eingangsstufe“. Die ersten und zweiten Klassen werden dabei gemischt.
Von Gerd Schlittenbauer

Schulleiter Dr. Thomas Mayr und seine Stellvertreterin Gisela Winkler mit Schülern der Flexiblen Eingangsstufe in Woffenbach
Schulleiter Dr. Thomas Mayr und seine Stellvertreterin Gisela Winkler mit Schülern der Flexiblen Eingangsstufe in Woffenbach Foto: Schlittenbauer

Neumarkt.„Schule ist, was wir daraus machen“. Die Grundschule Woffenbach geht seit fünf Jahren neue Wege. Sie hat die sogenannte „Flexible Eingangsstufe“ eingeführt und feierte dieses kleine Jubiläum anlässlich eines Tags der offenen Tür (wir berichteten). Was verbirgt sich hinter der „FleGS“, wie die Kurzform heißt? Was erwartet die kleinen Schüler der ersten und zweiten Klassen in Woffenbach? Wir unterhielten uns mit Schulleiter Dr. Thomas Mayr.

„Die meisten Eltern und Schüler sind zufrieden und wünschen sich, dass wir das Konzept weiterführen“, sagt Dr. Mayr. Er, die vier Lehrerinnen der FleGS und die Förder-Lehrkraft sind total überzeugt von dem Projekt. „Wir haben hier ein Team, das sich die Aufgabe gestellt hat, dies alles zu bewältigen“, sagt Dr. Mayr. Natürlich sei die Flexible Grundschule eine zusätzliche Herausforderung für die Lehrer - aber: „Sie erweitern ihre Kompetenzen, das hält fit und jung“, sagte der Schulleiter schon, als er beim Tag der offenen Tür das Konzept vorstellte.

Doch der Fokus liegt auf den Kindern. „Sie kommen mit sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen“, sagt Dr. Mayr, „auch im sozialen und emotionalen Bereich.“ Dies könne man bei der Flexiblen Eingangsstufe „von Anfang an berücksichtigen.“ Der Clou: Die Jahrgänge der ersten und zweiten Klassen werden ab dem ersten Schultag gemischt. In diesem Schuljahr verfügt die Grundschule Woffenbach in der Eingangsstufe über drei Klassen mit 20 und über eine Klasse mit 19 Schülern. In jeder Klasse soll es möglichst gleich viele „Tiger“ und „Bären“ geben – frei nach Janosch.

Größere sind Paten für die Kleinen

„Tiger“ heißen die frisch Eingeschulten, „Bären“ die Schüler, die schon mindestens ein Jahr an der Schule verbracht haben. „So lernen sie, miteinander zu arbeiten“, sagt der Schulleiter. Bären sind dabei immer Paten für die Tiger. „Hier kann man auch mal Kindergarten-Freundschaften beachten“, meint der Schulleiter, der versucht, das Verhältnis Tiger zu Bären immer eins zu eins zu halten, was natürlich nicht immer exakt möglich ist.

Auch in diesem Schuljahr hat man mit 79 eine ungerade Zahl an Schülern in der FleGS. „20 Schüler ist eine Klassenstärke, die passt“, sagt Dr. Mayr. Theoretisch dürfte er 28 Schüler aufnehmen, das soll es in Woffenbach aber nie geben. Die durchschnittliche Klassenstärke liegt in Bayern bei 21. Die Schüler können in der Flexiblen Eingangsstufe so individuell gefördert werden, dass Schwächere auch drei Jahre bleiben, Stärkere sogar die zweite Klasse überspringen können. Beides ist schon vorgekommen.

Weitere Infos zur „Flexiblen Eingangsstufe“ finden Sie hier:

„Flexible Eingangsstufe“

  • Verbreitung:

    Eine Flexible Eingangsstufe gibt es im Landkreis Neumarkt außer in Woffenbach nur noch in Lauterhofen. In jedem Schulamtsbezirk Bayerns gibt es mindestens eine „FleGS-Schule“.

  • Besondere Angebote in Woffenbach:

    Schülerbücherei; Spielezimmer und regelmäßige Spielenachmittage; mediengestütztes Lernen durch Einsatz von Computern und Smartboards; Arbeits-gruppen am Nachmittag (z.B.: Flöte, Garten, Musical, Philosophieren, Modelleisenbahn); wöchentliche Aktion „gesundes Pausenbrot“; Ausflüge in die Bücherei, auf den Bauernhof, ins Museum; Schullandheim-Aufenthalte; Schwimmunterricht; Mittagsbetreuung.

„Es ist genial“, sagt Dr. Mayr. „Die Kleinen schauen sich viel von den Großen ab. Sie lernen schon vom Zuschauen. Und die Großen erklären den Kleinen ihr Wissen. So wird dieses Wissen stärker vernetzt.“ Sogar ein schwacher Zweitklässler erkenne auf diese Weise, was er schon alles gelernt habe. Diese Kinder seien „die liebevollsten Helfer, weil sie vorher schon erfahren haben, wie gut Hilfe tut“.

So sei auch zu beobachten, dass die Tiger gegen Schuljahresende „einen Schub nach vorne machen, weil sie sich darauf freuen, dass sie bald Paten werden“, sagt Dr. Mayr. „Die Kinder wollen zeigen, was sie können.“ Eine Studie, so der Schulleiter, habe bewiesen, dass die Schüler an der FleGS im sozialen Bereich Vorteile gegenüber den Kindern hätten, die Regelunterricht genießen. Das Wissen an sich sei vergleichbar. Auch wenn er vom Woffenbacher Konzept begeistert ist, betont Dr. Thomas Mayr aber: „Ich will nicht den anderen Schulen etwas wegnehmen. Die Kinder werden an jeder gut arbeitenden Grundschule individuell gefördert. In Neumarkt arbeiten alle Schulen kinderorientiert.“

Größerer Bedarf an Lehrkräften

95 Prozent der Schüler an der FleGS kommen aus Neumarkt. Auf Antrag kann der Schulsprengel gewechselt werden, wenn Eltern von der Flexiblen Grundschule so überzeugt sind, dass sie ihr Kind unbedingt dort haben wollen. Für die Lehrer ist die FleGS nicht nur eine besondere Herausforderung – es werden auch mehr Lehrkräfte gebraucht: „Für vier Klassen benötigt man mindestens acht Lehrerstunden mehr“, sagt Dr. Mayr. So können in den beiden Differenzierungsstunden auch mal zwei Lehrer pro Klasse eingesetzt werden.

Die Idee der Flexiblen Eingangsstufe wird übrigens auch in den dritten und vierten Klassen weitergeführt, „aber wir glauben, dass wir dann die Jahrgänge nicht mehr mischen müssen.“

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