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Seit 60 Jahren regieren die Kaiser

Der Chinesenfasching geht ursprünglich auf einen Spottnamen zurück. Bisher hatten in Dietfurt neun Kaiser, aber nur eine Kaiserin das Sagen.

Vor 60 Jahren gab es für Kaiser Ma-Ler-Gie erstmals eine Kaiserkrönung.

Dietfurt.Der Chinesenfasching gehört zu den wichtigsten Terminen in Dietfurt. Er steht heuer ganz im Zeichen der ersten Kaiserkrönung vor 60 Jahren. Seit dieser Zeit saßen zehn Kaiser auf dem Thron. Jeder von ihnen hat auf seine Weise Dietfurter Faschingsgeschichte geschrieben.

Stadtmauer sorgte für Spitznamen

Dietfurt ist schon immer eine Faschingshochburg gewesen. Auch wenn die Bevölkerung wegen der mächtigen Stadtmauer als Chinesen bezeichnet wurden, war dieser Spitzname nur wenig genutzt. Bei der Eröffnung der Eisenbahnlinie im Jahre 1909 erinnerte man sich an ihn und so wurde die Front der ersten Lokomotive, die in Dietfurt einfuhr, mit einem Chinesen geschmückt. 1928 hatte die damalige Stadtkapelle die Idee, als Chinesenkapelle aufzutreten, und erntete damit großen Zuspruch. Danach gab es bei den Faschingszügen immer wieder als Chinesen verkleidete Maschkerer. 1954 reifte dann die Überlegung, einen Kaiser für Bayerisch-China zu krönen. Dieses Ereignis bedeutete für Dietfurt eine Zeitwende, denn seitdem gedeiht der Chinesenfasching.

Der erste Kaiser war Malermeister Egid Prock. Er hatte sich zuvor schon auf verschiedene Weise um den Dietfurter Fasching verdient gemacht, unter anderem bei der Gestaltung von Faschingswägen. 1951 regierte er als Faschingsprinz Egidiamus. Sein unnachahmliches Wesen prädestinierte ihn, 1954 zum Kaiser der Altmühlchinesen gekrönt zu werden. Nachdem Prock wegen seines Berufes nur „Malergie“ genannt wurde, hatte man für ihn schnell eine chinesisch klingenden Kaisernamen: „Ma-Ler-Gie“. Prock regierte mit einigen Unterbrechungen zehnmal. Zwischendurch saßen Jakob Meier (Ma-Ya-Ki) und Gustav Zerull (Gu-Ze-Rul) auf dem Thron. Letzterer lebt heute in Neumarkt und feiert bald seinen 90. Geburtstag.

1967 gab es ein besonderes Ereignis: Karl Werner (Ka-We-Son) wurde zum Kaiser bestimmt und inszenierte mit Maria Linz (Ria-Ria-Lin-Cia), der bisher einzigen Kaiserin, eine Kaiserhochzeit. Beide hatten sich um den Dietfurter Fasching verdient gemacht. So war es Linz, die mit Helferinnen nächtelang Girlanden fertigte, die über die Straßen gespannt wurden.

1968 folgte Werner Maier als Kaiser. Schon als Kind wurde er von Freunden Muck genannt, so dass er den Kaisernamen Ma-Ya-Muc trug. Die Unterbrechung seiner fünfjährigen Amtszeit füllten Egid Prock und Egid Schweiger (Sim-Ca-Gi) aus. In dessen Name wurde angedeutet, dass er Autohändler der Marke Simca war. Danach folgte Anton Bachhuber (Wang-Ton) als Kaiser, der nur ein Jahr regierte, um sich dann wieder anderweitig im Fasching einbringen zu können. An seine Amtszeit erinnert die Chinesenhymne, die von Jung und Alt immer wieder gesungen wird.

1976 wurde Friseurmeister Hans Geyer als Bo-Dah-Washy auf den Thron gehoben. Er hat wie kein anderer den Chinesenfasching geprägt und wurde sogar nach Peking eingeladen. Kurz vor seiner 25. Thronbesteigung ist Geyer am 10. Januar 2000 im Neumarkter Klinikum gestorben. Auch die Ärzte und das Pflegepersonal, die Geyer als Kaiser am Unsinnigen schon erlebt hatten, waren tief betroffen und sagten mitfühlend: „Unser Kaiser ist gestorben.“

Ko Houang-Di regiert seit 2001

Nachdem es wegen des Todesfalls 2000 keinen Kaiser gegeben hatte, wurde im Herbst des gleichen Jahres Fritz Koller zum neuen Oberhaupt der Chinesen ernannt. Er schlüpfte aus einem Drachenei und erhielt bei einer „Kaisertaufe“ den Namen Ko Houang-Di. Mittlerweile hat er während seiner Amtszeit viel erlebt. Vor zwei Jahren zum Beispiel wurde er beim Rosenmontagszug durch Mainz getragen. Heuer regiert er schon zum 14. Mal und wird bei der Podiumsgaudi am Rathaus nach dem großen Faschingszug in besonderer Weise an die Kaiserkrönung vor 60 Jahren erinnern. (ufb)

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