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Gericht

Serieneinbrüche: Prozess vor Abschluss

Auch in Häuser im Kreis Neumarkt soll ein 31-Jähriger eingebrochen sein. Die Polizei erklärte, wie sie die Spur aufnahm.
von Wolfgang Endlein

  • Eine Einbruchserie beschäftigt derzeit die 2. Strafkammer des Landgerichts Nürnberg. Von dieser war im vergangenen Jahr auch die Region Neumarkt betroffen. Foto: Kai Remmers

Neumarkt.„Das ist wahrheitsgemäß“, stellte der Vorsitzende Richter Dr. Hans-Walter Mayer der 2. Strafkammer des Landgerichts Nürnberg beim Blick auf die Unterlagen zufrieden fest. Die darin angegebenen Zahlen stimmten mit den Aussagen überein, die eine Familie aus Berg an einem früheren Verhandlungstag im Prozess gegen einen mutmaßlichen Serieneinbrecher gemacht hatte (wir berichteten).

Die Unterlagen, die aufzeigen, welch finanzieller Schaden der Berger Familie durch den Einbruch im vergangenen Jahr entstanden ist, mögen wahrheitsgemäß sein, inwieweit die spärlichen Aussagen des angeklagten Südosteuropäers es sind, muss das Gericht noch klären. Am vorletzten Verhandlungstag trugen die Experten der Polizei ihr Wissen dazu bei. Dabei ergaben sich interessante Einblicke in die Arbeit der Ermittler.

Den Anfang machte ein Biologe des Landeskriminalamtes Hessen, der dort die forensischen DNA-Analysen verantwortet. An einem der 18 Tatorte – zwei davon liegen im Landkreis Neumarkt –, die von den Ermittlern mit dem Angeklagten in Verbindung gebracht werden, fand die Polizei Material, das Hoffnung auf DNA-Spuren machte.

DNA-Spuren am Draht

Zum einen wurde ein Abstrich eines Bohrloches in der Terrassentür eines Hauses gemacht, über das der oder die Täter einen Draht einführten, um den Türhebel zu öffnen. Die Hoffnung der Ermittler war, dass der Täter das Loch freigeblasen haben könnte und dabei Speichelreste hinterlassen hat. Die zweite Probe war einer jener Drähte, die noch in dem Loch steckten.

Letzterer habe schließlich auch genügend DNA-Material gebracht, um eine Analyse zu machen, berichtete der Experte des LKA. Beim Bohrloch erfüllte sich diese Hoffnung nicht. Die dank des Drahtes gewonnene DNA-Analyse habe man damals aber noch nicht einer Person zuordnen können. Wenig später habe aber ein Abgleich mit französischen Datenbanken einen Treffer ergeben. Nämlich den angeklagten 31-Jährigen.

Die Zweifel, dass die DNA auch tatsächlich von dem mutmaßlichen Serieneinbrecher stammt, sind sehr gering. Zwar gebe es keine 100-prozentige Sicherheit, aber die Wahrscheinlichkeit, dass das DNA-Material von jemand anderem stammen könnte, sei extrem gering, sagte der LKA-Biologe aus.

Wie die Einbrecherbande – von einer solchen gehen die Ermittler aus – vorging, darüber gab ein bayerischer Beamter Auskunft. So schilderte der Polizist, dass die Einbrecher zwei Methoden zu unterschiedlichen Zeiten angewandt haben. Vor Mitternacht hebelten sie Türen und Fenster auf. „Das ist eine Effizienzsache“, sagte der Beamte. Die schnelle Methode sei aber zugleich mit entsprechendem Lärm verbunden, weswegen sich die Täter sicher sein mussten, dass niemand im Haus war.

Mehr zur DNA-Analysedatei des Bundeskriminalamtes erklärt das Infoelement.

Die DNA-Analysedatei

  • Einrichtung:

    1998 wurde die DNA-Analysedatei (DAD) eingerichtet. In dieser Datenbank beim Bundeskriminalamt werden genetische Fingerabdrücke von bekannten Personen als auch von Tatort-Spuren, die von unbekannten Personen stammen, registriert und abgeglichen. Insgesamt sind rund eine Million Datensätze gespeichert.

  • Ermittlung:

    In Deutschland analysieren üblicherweise bei den Landeskriminalämtern angesiedelte Laboratorien die DNA-Proben.

  • Entwicklung:

    Seit der Einrichtung der DNA-Analysedatei hat sie laut Bundesinnenministerium dazu beigetragen 1358 Tötungsdelikte, 2366 Sexualstraftaten, 8201 Fälle von Raub oder Erpressung und 94 194 Diebstähle aufzuklären.

Ein leeres Haus bedeutete aber auch, dass die präferierte Beute der Bande nicht vorhanden war: Geldbeutel und Handys. So griffen sie nach Mitternacht, wenn Menschen in der Regel schlafen, zum Bohrer. Dieser war offenbar handbetrieben und damit zwar langsam, aber auch leise.

Wie abgebrüht die Einbrecher vorgegangen sein müssen, zeigt eine andere Erkenntnis der Beamten. So hätten die Täter noch am Tatort die Beute vorsortiert – während die Bewohner irgendwo im Haus ahnungslos schliefen.

Telefonate wurden abgehört

Eine gewisse Professionalität geht auch aus durch die Polizei aufgezeichneten Telefongesprächen hervor, die am vorletzten Verhandlungstag im Gerichtssaal vorgespielt wurden. Zumeist unterhält sich darin der Angeklagte mit seiner Freundin. Neben den üblichen Gesprächsinhalten zwischen einem getrennten Paar kamen darin auch Sätze vor, die Raum für Interpretationen lassen.

Mehrfach war die Rede von einer Arbeit oder einer Sache, die er noch machen müsse. Spät abends beziehungsweise nachts. An einer Stelle sagte der 31-Jährige im Telefonat: „Wir gehen aus und haben dann 7000, 8000 Euro“. Der Verdacht liegt nahe, dass hier Dinge umschrieben wurden, die man nicht direkt aussprechen wollte. Wie etwa nächtliche Einbrüche.

Das Telefon des Angeklagten war es schließlich auch, das die Ermittler auf seine Spur führte. Das Handy war gleich beim ersten Einbruch erbeutet worden. Danach wählte es sich weiter beständig in das Funknetz ein – unter anderem auch in Berg. Die Polizei bekam so mit, von wo mit wem telefoniert wurde. In der Folge waren auch Hotels schnell ermittelt, in denen der Angeklagte mit Begleitern abstiegen war. Weil die Hotels oft nicht weit von den Tatorten entfernt waren, erhärtete sich der Verdacht gegen den 31-Jährigen und mindestens drei weitere Verdächtige.

Ermittler vermuten eine größere Bande

Gegen einen weiteren Festgenommenen ermittelt die Polizei derzeit noch, nach zwei weiteren wird gefahndet. Jedoch gehen die Ermittler davon aus, dass die Bande wesentlich größer ist, als diese Vier.

Der 31-Jährige, der in einer der vorhergehenden Verhandlungen ein Teilgeständnis abgelegt hatte und sich nur als Helfer bezeichnet hatte, ist kein unbeschriebenes Blatt. In Deutschland weißt das Bundeszentralregister zwar keine Einträge und damit keine Vorstrafen auf, allerdings saß der Südosteuropäer in Frankreich bereits mehrfach im Gefängnis. Der Grund: Einbruch und Diebstahl. Insgesamt vier Verurteilungen mit mehrjährigen Haftstrafen stehen im Nachbarland zu Buche.

Am Freitag wird das Gericht zu einer letzten Verhandlung zusammentreten. Dann ist mit den Plädoyers und einem Urteil zu rechnen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurden die Verfahren in vier Einbrüchen eingestellt. Inwieweit sich das auf das Urteil auswirkt, wird sich zeigen.

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