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Bildung

Siegerin bei „Schüler im Chefsessel“

Die Neumarkterin Theresa Fischer begeisterte die Jury des Wettbewerbs mit einem außergewöhnlichen Essay über ihre Erlebnisse in einer Steuerkanzlei.
Von Nicole Selendt

Theresa Fischer vom Willibald-Gluck-Gymnasium war mit 15 Jahren die Jüngste unter den Gewinnern des Wettbewerbs „Schüler im Chefsessel – Unternehmer für einen Tag“.Foto: Linda Kraus)

Neumarkt.Er sitzt an einem teuren Schreibtisch, raucht Zigarre, fährt Porsche, spielt Golf und delegiert alle Arbeiten an seine Angestellten weiter. Gemeint ist ein Chef. Oder zumindest die Vorstellung vieler von einem Chef. Dass das natürlich weit hergeholt ist, war bisher auch Markus Frank, Franziska Weixelbaum und Theresa Fischer vom Willibald-Gluck-Gymnasium klar. Und weil die drei wissen wollten, wie der Arbeitstag eines Chefs wirklich abläuft, haben sie am Wettbewerb „Schüler im Chefsessel“ teilgenommen.

Und Theresa Fischer gewann. Sie darf als eine von fünf Siegern des Wettbewerbs für vier Tage nach Berlin fahren und trifft dort Vertreter aus Politik und Wirtschaft. Und sie freut sich darauf – mehr noch, als wenn sie mit ihrer Klasse dorthin fahren würde. „Auf Klassenfahrt gibt es immer welche, die sich nicht so recht interessieren. Jetzt fahre ich aber mit Gleichgesinnten“, sagt sie.

Als eine von 71 Schülern hat die 15-Jährige sich beworben und durfte einen ganzen Tag in einer Nürnberger Steuerkanzlei auf dem Chefsessel sitzen. Sie bearbeitete eine Steuererklärung, durfte bei Chefin Kerstin Liebethal in Gesprächen mit Mandanten Mäuschen spielen und sich mit den Mitarbeiterinnen des Unternehmens austauschen über die Arbeit in der Kanzlei. „Mich hat vor allem fasziniert, wie die Chefin mit Mandanten umgegangen ist, die Blödsinn verzapft haben. Sie ist so ruhig geblieben – ich weiß nicht, ob ich das könnte“, gibt sie zu.

Theresa Fischers zweieinhalbseitiger Aufsatz über ihren Tag brachte ihr schließlich den Sieg ein. Er überzeugte die Jury bestehend aus Unternehmern, Lehrern und Journalisten. Besonders stolz ist die Schülerin darauf, dass gerade der Chefredakteur einer Unternehmerzeitschrift, Tobias Schorr, ihr ein so großes Lob ausgesprochen hat. Sie solle nie in einer Kanzlei arbeiten, sondern lieber Journalistin werden, habe er ihr bei der Preisverleihung in Unterschleißheim bei München nahegelegt.

Ob sie später wirklich einmal als Journalistin arbeiten will, oder doch in die Fußstapfen ihres Vaters – er ist Arzt – treten will, weiß sie noch nicht. Allerdings hat sie als Zehntklässlerin ja noch ein bisschen Zeit, wie ihre Lehrerin Linda Kraus im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung betonte. Beste Voraussetzungen für den Beruf als Journalistin bringe sie jedenfalls mit, sagt Kraus. Schließlich ist sie Chefredakteurin der WGG-Schülerzeitung „Gluckose“, schreibt viele der Beiträge – und kann sich ja dabei schonmal als „Chefin“ bewähren.

Theresa Fischers Mitschüler, die ebenfalls am Wettbewerb teilgenommen haben, haben es nicht unter die besten fünf geschafft. Spannende Tage haben sie aber allemal erlebt. Markus Frank verbrachte einen Tag beim 1. FC Nürnberg und vertrat Daniel Kirchner, den Bereichsleiter des Clubs für Stadion und Spielbetrieb. Und wie sich Frank erinnert, war auch damals schon zu spüren, dass es für den Club in der ersten Bundesliga eng werden könnte. „Die Spannung war greifbar, ein Abstieg hätte ja Auswirkungen auf das ganze Unternehmen.“

Die 16-jährige Franziska Weixelbaum dagegen hat sich die BU Holding AG einmal genauer angeschaut. Unter deren Dach sind 15 Obi-Märkte und weitere Baustoff-Fachhandel vereint. Und die Schülerin durfte an einer Standorteröffnung teilnehmen und verschiedene Firmenbereiche besichtigen.

Die Teilnahme am Wettbewerb konnte war übrigens nicht für jeden WGG-Schüler möglich. Sie war Schülern des sogenannten „excellence“-Förderprogramms vorbehalten, das das WGG für besonders geeignete Schüler bereithält. Klassleiter und Fachlehrer schlagen Schüler für insgesamt die drei Wahlkurse „Historex“, „Economex“ und „Vega“ (Thema ist hier das Vereinte Europa) vor. Die Auserwählten werden dann eingeladen und profitieren von einem Kurs, der ihnen Präsentationstechniken, rhetorische Fähigkeiten und – im Fall von „Economex“ – beispielsweise Einblicke in Unternehmen in und rund um Neumarkt gewährt.

Linda Kraus, Lehrerin für die Fächer Wirtschaft und Recht und Sport ist die Leiterin des „Economex“-Wahlkurses und hat Fischer, Frank und Weixelbaum dazu ermutigt, am Wettbewerb teilzunehmen. Generell arbeitet die Lehrerin gerne mit den Jugendlichen aus dem Economex-Kurs zusammen. „Ich habe zwar das Konzept erarbeitet, leite die Schüler anfangs an und gebe immer wieder Impulse, die Arbeit an den Projekten machen die Schüler aber selbständig“, wie sie sagt. Angenehm sei das auch deshalb, weil die Schüler freiwillig am Kurs teilnähmen. Sie müsse nicht ständig kontrollieren, ob die Schüler nun arbeiten oder nur „Quatsch machen“ – wobei sie ihnen das auch gerne einmal zugestehe.

Kraus beobachtet an den Schülern des Wahlkurses vor allem, dass es ihnen gut tut, in einer Gruppe von „Auserwählten“ zu arbeiten. „Wo sie in der Klasse oft einen Strebercharakter haben, können sie hier ihr Wissen zeigen und regelrecht aufblühen“, sagt Kraus. Darüber hinaus macht sich die Teilnahme am Kurs gut in einer späteren Bewerbung.

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