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Erster Weltkrieg

Singend geht es in den Krieg

Mit patriotischen Reden werden die Soldaten auch in Neumarkt in den Ersten Weltkrieg verabschiedet. Zurückbleiben die Angehörigen mit ihrer Angst.
von Wolfgang Endlein

Überall in Deutschland – auch in Neumarkt – begleiteten Freunde und Angehörige die eingezogenen Männer zu den Zügen, die sie an die Front brachten. Foto: dpa

Neumarkt.Der Blick in die reguläre Ausgabe des Tagblatts verkündet den Neumarktern am 3. August 1914 endgültig, was Extrablätter bereits zwei Tage zuvor verkündet hatten. „Die Mobilmachung!“ steht auf der ersten Seite in großen schwarzen Buchstaben. Die Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich an diesem 3. August fehlt verständlicherweise noch in der Ausgabe.

Zur Mobilmachung und der Kriegserklärung gegen Russland ist das Manifest des bayerischen Königs Ludwig III. abgedruckt, in dem er den Schritt begründet: „Alle Versuche, den Frieden in Ehren zu wahren, haben unsere Nachbarn zuschanden gemacht. Die Ehre des Reiches und das Schicksal des Vaterlandes stehen auf dem Spiel und zwingen uns, das Schwert in die Hand zu nehmen“.

„Das Maß war voll!“

Diese damals im Reich vorherrschende und propagandistisch befeuerte Meinung, Deutschland sei nicht der Aggressor und verteidige sich nur, greift auch das Tagblatt auf. In einem keinem Autor zugeordneten Artikel liest man: „Das Maß war voll!“ Die Untreue Russlands zwinge das Reich zum Krieg. Deutschland sei keineswegs der Störenfried, als den ihn die anderen europäischen Länder hinstellten. Vielmehr habe es „lange hingehalten“.

Einen Kontrast, der das verbale Säbelrasseln in ein bedrohliches Licht setzt, stellt eine Grafik auf einer der hinteren Seite dar. Dort listet das Tagblatt die militärische Stärke der beiden Seiten auf. So sollte die Tripleentente aus Frankreich, Russland und Großbritannien auf 11,57 Millionen Soldaten kommen. Der Dreibund aus Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien hingegen auf 11,7 Millionen Mann.

Was den damaligen Lesern wohl Vertrauen in die militärische Stärke des Dreibunds geben sollte, zeigt aus heutiger Sicht vielmehr ein nie zuvor dagewesenes Vernichtungspotenzial auf, das in den Kriegsjahren danach wohl von vielen Zeitgenossen nicht erwartete Schrecken über Europa brachte.

Die Angst der Angehörigen

Ob angesichts dieser Meldungen die kleinen, alltäglichen Meldungen noch Aufmerksamkeit bei den Tagblatt-Lesern bekommen haben? So zum Beispiel jene von dem Primizianten F. Meier. Dieser habe Tags zuvor das Kinderaysl in Parsberg besucht, schreibt die Heimatzeitung. In seiner zweiten Heimat sei er feierlich empfangen worden.

Feierlich soll es auch in Beilngries zugegangen sein. Dort zogen um 12 Uhr die zu den Waffen gerufenen Männer vor das Bezirksamtsgebäude. Der Bezirksamtmann hielt eine patriotische Rede, bei der auch entsprechende Lieder wie „Die Wacht am Rhein“ nicht fehlen durften. Dann ging es für die Männer in den Krieg.

Ähnliches berichtet das Tagblatt in diesen Tagen aus vielen Orten. Im patriotischen Überschwang mit Reden und Musik sollen die Soldaten demnach verabschiedet worden sein.

Die andere Seite, die der Angst der Angehörigen und Freunde um die Soldaten, kam vor allem in den zahllosen Gottesdiensten zum Ausdruck, von denen das Tagblatt berichtet. Gottes Segen sollte die Männer ins Feld begleiten. Und doch war sich das Tagblatt schon sicher: „Tränen werden fließen von Müttern, Frauen, von Schwestern“. Mussten doch manche Familien einen hohen Verlust erwarten. „Von manchen Familien sind sechs und mehr Mitglieder zu den Waffen gerufen.“ (en)

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