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Geschichte

So veränderte der Weltkrieg Neumarkt

Auch Neumarkt spürte die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs. Wie, das beleuchtet eine Veranstaltungsreihe des Stadtmuseums und des Stadtarchivs.

  • Stadtarchivar Dr. Frank Präger beim Auftakt der Ausstellungsreihe. Foto: Dennerlohr
  • Zwei Neumarkter Buben wurden 1915 in Uniformen fotografiert. Foto: Dennerlohr
  • Ein Nebenraum verwandelt sich in ein Kino. Foto: Dennerlohr
  • Lore Seichter-Muráth erinnerte an Käthe Kollwitz. Foto: Dennerlohr

Neumarkt.Mit ernsten Gesichtern blicken die beiden Brüder leicht an der Kamera vorbei. Die schwarz-weiß Aufnahme gibt wieder, dass sie ganz im Stil ihrer Zeit gekleidet sind: Pickelhauben auf dem Kopf, gegürtete Uniformen mit großen Knöpfen und kurze Schwerter. Doch die Aufnahme wirkt auf den ersten Blick verstörend, denn die Brüder, die sich 1915 in einem Neumarkter Fotostudio haben ablichten lassen, sind erst zweieinhalb und vier Jahre alt. Heute, beinahe hundert Jahre später, hat der Sohn beziehungsweise Neffe der Abgebildeten die Aufnahme für eine Ausstellung im Stadtmuseum zur Verfügung gestellt.

Bis 2018 soll dort jährlich ein Aspekt des Weltkriegs mit seinen Auswirkungen auf Neumarkt gezeigt werden. Am Dienstag wurde der erste Teil „Der Sieg – ein Kinderspiel“ eröffnet. Stadtmuseum und Stadtarchiv haben dafür zusammengearbeitet. Die aktuelle Schau ist bis zum 30. Januar zu sehen.

So voll wie bei dieser Eröffnung, seien die Räume des Stadtmuseums noch nie gewesen – das sagten am Dienstagabend gleich mehrere Redner in ihren Grußworten. Denn gekommen waren so viele Besucher, dass die Stühle gleich über drei Räume verteilt standen. „Der Erste Weltkrieg ist deswegen ein spannendes Thema, weil er sehr vielschichtig ist – und gerade auch wieder von aktueller Brisanz“, sagt Museumsleiterin Petra Henseler. Sie hatte zuvor gemeinsam mit Stadtarchivar Dr. Frank Präger die Neumarkter aufgerufen, Erinnerungsstücke an den Ersten Weltkrieg als Exponate für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen. Dementsprechend kamen die Besucher schon vor der Ausstellungseröffnung ins Gespräch und tauschten Anekdoten über Vergangenheit, Familie und Kriegserzählungen aus.

Die Erinnerung an eine große deutsche Künstlerin ließ Schauspielerin Lore Seichter-Muráth aufleben: Käthe Kollwitz steht im Mittelpunkt ihrer szenischen Lesung „Es fiel ein Schuss in Sarajewo“. Die Dramaturgin aus der Uckermark benutzte Versatzstücke aus Prosa, Lyrik und Liedern um Kollwitz’ Leben und die historischen und gesellschaftlichen Hintergründe ihrer Kunst zu erkunden. Schließlich wurde Kollwitz Werk – 1924 schuf sie das bekannte Plakat „Nie wieder Krieg“ – ganz entscheidend durch einen Schicksalsschlag geprägt: Einer ihrer Söhne fiel bereits im ersten Kriegsjahr an der Westfront.

Er war nur einer von Millionen Toten, an die Rudi Bayerl, Vorsitzender des Historischen Vereins und Museumsreferent im Stadtrat, erinnerte: „Der Erste Weltkrieg war die tiefste Zäsur der Neuzeit.“ Die Neumarkter, von denen es damals laut Bürgermeister Albert Löhner nur etwa 6300 gab, ließen sich von der Kriegseuphorie mittragen.

Im Stadtmuseum erinnern daran Bilder, Postkarten oder Schießautomaten. Nicht alles, dass die Neumarkter an Leihgaben zur Verfügung gestellt haben, wurde dafür bereits verwendet. Einige Exponate werden erst in den kommenden Jahren zu sehen sein, wenn sie thematisch besser passen, erklärt Henseler. Darunter ist unter anderem das Tagebuch eines Neumarkter Soldaten, das allerdings erst im Jahr 1916 beginnt. Ein Nebenraum beherbergt einen kleinen Kinosaal, der nach dem historischen Neumarkter Vorbild „Zu den drei Mohren“ benannt ist. Dort werden zwei Kurzfilme gezeigt, die auch die Neumarkter im ersten Kriegsjahr im Kino zu sehen bekamen.

Ob auch die beiden Buben auf dem Foto einen dieser Filme gesehen haben, ist nicht bekannt. Sie waren viel zu jung, um in den Ersten Weltkrieg zu ziehen, doch 30 Jahre später wird ihnen dieses Schicksal nicht erspar bleiben: Einer von ihnen wird sein Leben an der Front lassen. Was als Erinnerung an ihn zurückbleibt, ist nur eine Taschenuhr – und die Aufnahme von 1915.

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