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Vortrag

Die Stromtrasse ist immer noch ein Thema

Minister Seehofer feiert den Kompromiss der Regierung und die Bürger in Berg stellen sich weiter die Frage, ob sie nötig ist.
Von Andreas Friedl

  • Die Turnhalle war voll: In Berg sind nach wie vor viele Bürger an Informationen zur Energiewende interessiert. Foto: Andreas Friedl
  • Prof. Dr. Christian Hirschhausen ist Experte für Infrastrukturpolitik. Foto: Andreas Friedl

Berg.Die Sporthalle in Unterölsbach war am Freitagabend voll besetzt. Bürgermeister Helmut Himmler und Bürgerinitiativen hatten gemeinsam Prof. Dr. Christian von Hirschhausen von der Technischen Universität Berlin eingeladen, der die Frage stellte: „Brauchen wir neue Stromtrassen?“.

Trotz des jüngsten Beschlusses der Bundesregierung, die geplante Gleichstromleitung entlang bestehender Trassen zu errichten und ansonsten unter die Erde zu verlegen, ist das Thema für die Bürgerinitiativen und Gemeindebürger nicht vom Tisch. Das zeigte auch die Anwesenheit von Winkelhaids Bürgermeister Michael Schmidt.

Die Sprecherin der Bürgerinitiativen, Daniela Wehner, kritisierte zu Beginn, dass durch die „Monstermasten“ eine Schneise entstehe, die die Landschaft zerstörte. „Wir verteidigten unsere Heimat mit Herzblut. In den Bürgerinitiativen ist teilweise mehr Wissen über die Sache vorhanden, als bei den Planern.“ Zudem beklagte sie die Arroganz der Netzbetreiber, wie beispielsweise bei einer Veranstaltung in Nürnberg, als den Trassen-Gegnern das Mikrophon abgedreht worden sei.

Himmler fügte unter anderem noch an: „Glaubt ja nicht, dass die Frage der Stromtrasse jetzt vom Tisch ist. Die Variante Nürnberger Land kann ganz schnell wieder da sein“. Anschließend ergriff Professor Dr. Christian von Hirschhausen das Wort. Der Bruder des bekannten Mediziners und Kabarettisten Eckart von Hirschhausen leitet seit 2009 das Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik an der TU Berlin.

„Die Energiewende ist gut“, sagte er. „Ich bin für saubere und erneuerbare Energien. Die schwierigste Frage der Energiewende ist jedoch der Rückbau der Atomkraftwerke und die Endlagerung des Atommülls.“ Seiner Ansicht nach würden diese Fragen nicht vor dem 22. Jahrhundert gelöst. Und er fordert: „Wir müssen die Energiewende ohne Kohle realisieren.“

Wie er weiter anfügte, habe Deutschland die besten Stromnetze. Es gebe keine Probleme mit Strom-Engpässen und auch kein Netzproblem. „Mit einem weiteren Netzausbau kommt auch mehr Kohle ins Netz.“ Sein Vorschlag: Bayern sollte sich in Form einer „Energieschaukel“ mit Strom aus Österreich versorgen. Denn die Energie aus Wasserkraft sei besser, als in Ostdeutschland Kohle zur Energiegewinnung zu verbrennen. Dabei ging er auch darauf ein, dass rund 3000 Menschen wegen neuer Abbauflächen umgesiedelt werden müssten.

In der anschließenden Diskussion schilderten Bürger ihren Unmut über die Energiepolitik in Bayern und machten Vorschläge für die Energiewende, denen auch Professor Dr. von Hirschhausen zustimmte. (naf)

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