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Energie

Postbauer: 380kV-Leitung wird umgeleitet

Der Kampf hat sich gelohnt: Minister Söder will Mindestabstände für Stromtrassen einführen. Das löst Freude im Landkreis aus
Von Eva Gaupp

  • Durch die neue Abstandsregelung darf die Stromleitung mitten durch Postbauer-Heng nicht aufgerüstet werden. Denn beispielsweise das Seniorenwohnheim (rechts) liegt unmittelbar daneben. Foto: Sigrid Fischer
  • Zwischen Postbauer-Heng und Kemnath entsteht derzeit ein neues Wohngebiet. Die aktuelle 220 kV-Leitung führt direkt daran vorbei. Foto: Sigrid Fischer

Postbauer-Heng.400 Meter Abstand innerorts – 200 Meter Abstand außerhalb von Ortschaften: Für Stromtrassen soll künftig in Bayern eine vorgeschriebene Abstandsregelung zur Wohnbebauung gelten. Die Vorgaben sollen in den Landesentwicklungsplan aufgenommen werden. Darüber ist die Freude im Landkreis Neumarkt groß. Denn die Bürgermeister und Bürger hatten in den vergangenen Monaten nicht nur gegen die sogenannte „Monstertrasse“ gekämpft, sondern auch gegen die Aufrüstung einer bestehenden 220-kV-Leitung, die mitten durch Postbauer-Heng verläuft und außerdem Berngau, Sengenthal, Mühlhausen, Berching und Dietfurt betrifft.

„Das bedeutet für Postbauer-Heng, dass die Trasse aus dem Ort herauskommt.“

Staatssekretär Albert Füracker

„Das ist erfreulich für uns. Das ist ein wichtiger Etappensieg. Diese Abstände hatten wir von Anfang an angestrebt“, kommentierte Postbauer-Hengs Bürgermeister Horst Kratzer die Nachricht. Er hatte sie zusammen mit seinen Kollegen aus Berngau und Mühlhausen, Wolfgang Wild und Dr. Martin Hundsdorfer, aus erster Hand erfahren und war am Mittwoch morgen ins Finanzministerium nach Nürnberg gefahren. Diese Abstände seien wichtig, das hätten die Gemeindechefs immer wieder in den Gesprächen mit TenneT unterstrichen. Staatssekretär Albert Füracker sagte bei dem Pressetermin in Nürnberg: „Das bedeutet für Postbauer-Heng, dass die Trasse aus dem Ort herauskommt.“

Vorschlag für alternative Trasse

Als Alternative könnte die bestehende 110-kV-Leitung der Bahn und des Bayernwerks genutzt und aufgerüstet werden. So seien nur Grün-, Gewerbe- und Waldflächen betroffen. Denn eines sei auch klar, sagte Kratzer im Gespräch mit unserer Zeitung: „Wir wollen kein St.-Florians-Prinzip“. Den CSU-Politiker hat die Aussage des Finanzministers und seines Staatssekretärs Albert Füracker am Mittwoch auch nicht sonderlich überrascht. „Wir hatten schon darauf gehofft.“ Und da Mitte des Jahres die konkreten Trassenplanungen von TenneT beginnen sollen, war die Vorgabe allein vom Zeitplan her jetzt dringend notwendig.

„Ich war total aus dem Häuschen, als ich davon gehört habe.“

Dr. Jürgen Rupprecht, BI Postbauer-Heng

Diese Planungen sehen auch einen Bürgerdialog vor – allerdings einen anderen, als die Öffentlichkeit es mit dem anderen Planungsunternehmen Amprion erlebt habe, wie Kratzer meint. Als es um die Trasse für den sogenannten „Ostbayern-Ring“ ging, hätten die Vertreter von TenneT sich konkrete Trassenvorschläge der Bürger angehört und gemeinsam erarbeitet. Kratzer war selbst dabei und hatte sich das Verfahren vor Ort angesehen.

Diesen Kampf gegen die Gleichstromtrasse Süd-Ost, die sogenannte „Monstertrasse“ und für eine Abstandsregelung in Bayern, haben die Bürgermeister in der Region über Bezirksgrenzen hinweg – und gemeinsam mit den Bürgern ausgetragen. Dr. Jürgen Rupprecht ist zwar Marktrat in Postbauer-Heng, aber auch Mitbegründer der BI Postbauer-Heng. „Ich war total aus dem Häuschen, als ich davon gehört habe“, freut er sich am Telefon. „Wir sind hier überglücklich und sehen es als Bestätigung für unsere Arbeit.“

BI wird sich nicht auflösen

In einem Brief habe sich die BI an Ministerpräsident Seehofer gewandt und auf die Länder Niedersachsen und Nordrheinwestfalen verwiesen, die die Abstandsregelung von 200 und 400 Metern bereits als Vorgabe verankert haben. Am 10. Februar sei die Antwort aus München gekommen, dass Minister Söder sich der Thematik annehme und dass der Schutz der Bürger oberste Priorität genieße.

Wird sich die BI jetzt auflösen? „Auf keinen Fall!“, lautet die klare Antwort. Während man für die Aufrüstung der 220-kV-Leitung noch Verständnis aufbringen könne, sei die geplante Gleichstromtrasse „unnötig und ungewollt“ und sie verhindere die Atomwende, weil sie Kohle- und Atomstrom transportiere, sagt Rupprecht. Daran ändere auch die Ankündigung nichts, dass sie an neuralgischen Punkten in der Erde verlegt werden soll. „Wir werden weiter für die Interessen der Bürger kämpfen.“ Die Aktionen, die die BI sich noch am Montagabend überlegt hatte, um die Aufrüstung auf 380 kV zu verhindern, können die Mitglieder indessen erst mal auf Eis legen.

Masten zwischen 55 und 60 Meter

„Es ist ein wichtiger Meilenstein, die Suche nach Alternativen zu erleichtern.“

Markus Lieberknechter, Pressesprecher TenneT

Grundsätzlich begrüße auch der Netzplaner TenneT diese neue Regel, sagt der Presse-Sprecher für die Region Süd, Markus Lieberknecht auf Anfrage unserer Zeitung. „Es ist für die Akzeptanz auf alle Fälle gut.“ So werde es leichter, bei den Planungen aus den Ortschaften herauszugehen. Bisher müsse man sich durch die Raumplanungsbestimmungen stark an bestehenden Trassen orientieren. „Es ist ein wichtiger Meilenstein, die Suche nach Alternativen zu erleichtern.“

Die 220-kV-Leitung in Postbauer-Heng stamme aus den 1940er Jahren und werde derzeit über Masten mit einer Höhe von 35 bis 40 Metern geführt. Nach der Ertüchtigung würden die Masten im Schnitt 55 bis 60 Meter messen, so Lieberknecht. Das sei abhängig vom Gelände – somit könnten sie in Abschnitten auch etwas höher sein. Das Projekt sei seit Ende des Jahres im Bundesbedarfsplanungsgesetz festgeschrieben. Und diese Trasse sei ein Beispiel, wo die neue Regelung zur Anwendung kommen könnte, „wenn wir in den kommenden Monaten mit konkreten Vorplanungen beginnen“.

Treffen der Bürgermeister

Noch am Dienstag hatten sich die Bürgermeister der interkommunalen Kooperation „Zukunftsregion Schwarzachtalplus“ in der Lenkungsgruppe im Berger Rathaus getroffen und gegenüber dem Netzplaner TenneT sowie den zuständigen Ministerien die 400 Meter Abstand zur Wohnbebauung gefordert. „Die Bürger in den betroffenen Gemeinden wären über Generationen hinweg unkalkulierbaren Gesundheitsrisiken ausgesetzt“, heißt es dazu in einer Presseerklärung.

Und was die Gleichstromtrasse betrifft, machten die Bürgermeister noch einmal deutlich, dass „das unabdingbar erforderliche Mindestmaß an Akzeptanz in den von den HGÜs betroffenen Regionen“ nur durch „Offenheit, Information und Berücksichtigung der Interessen der Bürgerinnen und Bürger“ zu erreichen sei. „Dies bitten wir im weiteren Verfahren zu beachten und fordern vor diesem aufgezeigten Hintergrund die konsequente und strikte Umsetzung der notwendigen Abstands- und Verkabelungsregelungen.“

Die Stellungnahme der Bürgerinitiative Postbauer-Heng zur Resolution finden Sie hier.

Weitere Berichte zur geplanten Stromtrasse finden Sie hier.

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