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Energiewende

Sieben Antworten auf Trassenfragen

Tennet plant in Ostbayern mehrere Stromtrassenprojekte. Vorstandsmitglied Lex Hartman nennt Fakten und Knackpunkte.
Von Christine Schröpf, MZ

Bei geplanten Stromtrassenprojekten durch Ostbayern sollen Bürger intensiv beteiligt werden, verspricht Netzbetreiber Tennet.
Bei geplanten Stromtrassenprojekten durch Ostbayern sollen Bürger intensiv beteiligt werden, verspricht Netzbetreiber Tennet. Foto: dpa/Archiv

Regensburg.Allerfrühestens 2023 rechnet Netzbetreiber Tennet mit der Baugenehmigung für die umstrittene Gleichstrompassage Süd-Ost, die auch die Oberpfalz durchschneiden wird. Mindestens weitere rund vier Jahre werden wohl bis zum Bauende vergehen. Eine allerdings „sehr optimistische Prognose“, sagt Lex Hartman, Mitglied der Geschäftsführung des Netzbetreibers Tennet, der für das Großprojekt von Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt nach Landshut verantwortlich zeichnet. Noch steht das Projekt am Anfang. Hartmann gibt aber erste Antworten auf sieben wichtige Fragen.

Wo wird die Gleichstrompassage Süd-Ost verlaufen?

„Ob über Weiden oder über Neumarkt: Diese Frage können wir nicht vor dem Spätherbst beantworten. Und auch dann wird es zunächst erste Ideen und noch lange nicht den detaillierten Trassenverlauf geben“, sagt Hartman, der bei Tennet für den Netzausbau in Bayern zuständig ist. „Wir stehen noch ganz am Anfang des Verfahrens. Bisher stehen nach seinen Worten nur die Anfangs- und Endpunkte der Trasse fest – also Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt und Landshut in Niederbayern. Der Gesetzgeber habe Tennet grundsätzlich einen Trassenverlauf über möglichst gerade Linien vorgegeben. Man soll sich zudem an bestehender Infrastruktur wie Autobahnen, Stromtrassen oder Flüssen orientieren. Hartman erwartet, dass die Bundesnetzagentur die Vorgaben bis in etwa vier Wochen konkretisiert, also zum Beispiel festlegt, wie groß der Abstand zu Mensch und Natur sein muss oder welchen Stellenwert die Wirtschaftlichkeit des Projekts hat. Auch die potenziellen Untersuchungsräume für Trassen und mögliche Alternativen würden dann erstmals enger eingegrenzt. „Dann haben wir Instrumente, um genauer zu planen, was der ideale Weg wäre.“

Wann beginnt die offizielle Bürgerbeteiligung?

Ab Herbst, sagt Hartman. „Wir debattieren ab diesem Zeitpunkt bei vielen, vielen Informationsveranstaltungen über mögliche Varianten. Wir gehen auf Bürgermeister, Landräte, Bürgerinitiativen, Bürger und Verbände zu. Wer daran interessiert ist, kann mitgestalten.“ Erste Kontakte gibt es nach seinen Worten schon jetzt. Die Ergebnisse aller Gespräche würden von Tennet bewertet und der Bundesnetzagentur vorgelegt. Von dort könnten weitere Nachbesserungswünsche kommen. Erst am Ende dieses Prozesses beginnt nach seinen Worten die Bundesfachplanung und die offizielle Beteiligung für Betroffene. „Es ist nicht einfach, es allen recht zu machen. Aber wir versuchen es“, sagt Hartman.

Lex Hartman, Mitglied der Geschäftsführung des Netzbetreibers Tennet, ist für den Netzausbau in Bayern zuständig.
Lex Hartman, Mitglied der Geschäftsführung des Netzbetreibers Tennet, ist für den Netzausbau in Bayern zuständig. Foto: Schröpf

Bis wann wird die Gleichstrompassage fertig sein?

„Bei diesem Projekt gibt es viele Unwägbarkeiten“, sagt Hartman. „Ich traue mir nicht zu, zu prognostizieren, wann die Gleichstromverbindung fertiggebaut ist. Wenn es extrem schnell gehen würde, hätten wir vielleicht nach fünf Jahren die Baugenehmigung, aber das ist schon sehr optimistisch. Es kann sich aber auch länger hinziehen. Wir haben sehr erfolgreiche Projekte wie die Frankenleitung mit Planung, Bürgerdialog und Bau in nur drei Jahren. Wir haben aber auch ein Projekt in Norddeutschland, wo der Genehmigungsprozess seit 2002 läuft.“ Auch bei der Bauzeit kann sich Hartman nicht festlegen – er rechnet mit wenigstens vier bis fünf Jahren. Es werde voraussichtlich gleichzeitig an mehreren Stellen mit dem Bau begonnen werden.

Sind Erdkabel überall möglich?

Tennet ist Experte für Erdverkabelung, sagt Hartman. Sein Unternehmen habe bereits 2000 Kilometer erdverkabelte Gleichstromverbindungen in Betrieb – einen Großteil davon in Deutschland, etwa von der Nordsee zum Festland. „Wir gehen davon aus, dass sich bis zum Baubeginn die Kabel-Technologie noch einmal weiterentwickelt.“ Bisher würden nur 320 Kilovolt durch die Erdkabel-Leitungen geschickt, das Ziel sind bis zu 525 Kilovolt. Das bedeute weniger Kabel, die Trasse, die nach der Erdverkabelung oberirdisch von Bebauung freigehalten werden müsse, könne dann schmaler gehalten werden. Hartman nennt als Zielwert 15 statt 25 Meter. „Ob das auch gelingt, müssen wir sehen.“ Tennet plane, die gesamte Süd-Ost-Verbindung erdzuverkabeln, so wie es auch die Vorgabe der Politik ist. „Nur da, wo man vor Ort sagt: Wir haben lieber eine Freileitung, werden wir über diese Möglichkeit diskutieren.“

Wie teuer wird die Süd-Ost-Gleichstrompassage?

Das lässt sich im Moment noch nicht exakt sagen, sagt Hartman. Erst müsse der Trassenverlauf feststehen. Als Faustregel gelte jedoch, dass Erdkabel-Projekte im Vergleich zu Planungen mit Freileitungen um das Vier- bis Achtfache teurer sind.

Kann Ostbayernring mit Süd-Ost Trasse in Erde verschwinden?

Das geht nach Worten Hartmans selbst dann nicht, wenn die Trasse parallel verlaufen sollte. Der Grund: Die Verkabelung von Wechselstromleitung, bisher noch nicht Stand der Technik, werde derzeit erst in Pilotprojekten erforscht. Der Ostbayern-Ring gehöre nicht zu den dafür vom Bund ausgewählten Vorhaben. Sollten Süd-Ost-Verbindung und Ostbayern-Ring tatsächlich parallel verlaufen, verschwindet deshalb nur die Gleichstromleitung in den Boden.

Tangieren Söders neue Abstandsregel die Tennet-Pläne?

Bayerns Finanzminister Markus Söder will neue Abstandsregeln für Wechselstromtrassen wie den Ostbayernring im neuen Landesentwicklungsprogramm verankern. Innerorts sollen 400 Meter, außerorts 200 Meter Distanz gehalten werden. Doch das habe keine großen Auswirkungen auf die Tennet-Projekte, sagt Hartman. „Nein“, schon jetzt halte man freiwillig größtmögliche Abstände ein, auch um die Akzeptanz zu erhöhen. „Zeiten wie vor 30 Jahren, als einfach über Häuser hinweg gebaut wurde, sind vorbei.“ Geringere Abstände gebe es aktuell aber auch deshalb, weil viele Bürger in der Vergangenheit ihre Häuser von sich aus nahe an bestehenden Stromtrassen errichtet hätten.

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