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Energie

Stromtrasse nicht mehr im Kreis Neumarkt

In den jetzigen Plänen des Netzbetreibers verlaufen mögliche Varianten nicht durch den Kreis Neumarkt, sondern an der A93.
Von Eva Gaupp

Nach jetzigem Stand der Planungen bliebe der Landkreis Neumarkt von der neuen Stromtrasse verschont. Foto: Nicolas Armer
Nach jetzigem Stand der Planungen bliebe der Landkreis Neumarkt von der neuen Stromtrasse verschont. Foto: Nicolas Armer

Neumarkt.Noch immer steht nicht konkret fest, auf welcher Trasse der Strom aus dem Norden Deutschlands zur Industrie im Süden Bayerns geführt wird. Aber seit einem Informationsgespräch des Stromnetzbetreibers Tennet am Montagabend steht fest: Nach aktuellem Stand der Dinge führt die geplante Trasse nicht mehr durch den Landkreis Neumarkt.

Diese gute Nachricht verkündet MdB Alois Karl (CSU). „Derzeit stehen 22 Varianten zur Debatte“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Damit könne also niemand mehr behaupten, es gebe keine Alternativen. Die von Tennet vorgestellten Routen lägen alle innerhalb eines Korridors, der sich vor allem an dem Verlauf der A93 orientiere.

Bundesnetzagentur muss entscheiden

Diese 22 Varianten werden nun in einem Dialog mit der Öffentlichkeit diskutiert. Die Realisierbarkeit der einzelnen Strecken und die Beiträge der Öffentlichkeit gehen dann der Bundesnetzagentur zu, die letztendlich entscheiden muss. Bis zur Planfeststellung werde es dann weitere drei Jahre dauern, erklärt Karl.

Ob der Landkreis Neumarkt tatsächlich von der neuen Stromtrasse verschont bleibt, lässt sich trotzdem zum jetzigen Zeitpunkt nicht verlässlich sagen. „Die Trassen können sich auch wieder ändern. Ich kann nur den Status quo referieren“, unterstreicht der Bundestagsabgeordnete. Aber jetzt sagt er: „Ich bin sehr zufrieden, was den Landkreis Neumarkt anbelangt.“

Denn ein Teil seines Bundeswahlkreises ist noch betroffen: Eine der Varianten, die Nummer 58, verläuft durch das Vilstal und damit den Landkreis Amberg-Sulzbach, für den er als Abgeordneter ebenfalls zuständig ist. Es müssten noch erhebliche Gespräche geführt und die Trassenführungen gegeneinander abgewogen werden. Grundsätzlich müsse die „allerverträglichste Lösung“ gefunden werden – das heißt für Karl auch, dass Freileitungen nur dort gebaut werden, wo eine Erdverkabelung nicht möglich ist.

Was hat den Ausschlag gegeben, dass der Landkreis Neumarkt aus dem Planungskorridor genommen wurde? „Das kann ich auch nicht sagen“, sagt Alois Karl. Der Protest der Bürger und Bürgerinitiativen habe sicherlich etwas bewirkt, auch das massive Einwirken der Kommunalpolitiker und Abgeordneten. Aber im Landkreis Schwandorf habe es ebenfalls Kritik an den ersten Plänen von Tennet gegeben, aber dort sei nun die Trasse trotzdem geplant.

Erleichterung und doch Kritik

„Ob es unser massiver Protest war oder ob wir einfach Glück gehabt haben, die Hintergründe werden wir wohl nie erfahren“, sagt auch der Sprecher verschiedener Bürgerinitiativen, Stefan Grasenhiller von der BI Trassenwahn aus Postbauer-Heng. Er sei jedenfalls erleichtert, dass der Landkreis momentan aus dem Schneider ist. „Das war ein Gemeinschaftsprojekt“, unterstreicht er und verweist auf all die Initiativen und Einzelpersonen aus der Region, die sich in den vergangenen Jahren dem Protest gegen die Süd-Ost-Trasse angeschlossen hatten. „Berg, Hausheim und der Landkreis Neumarkt waren ja schon die Keimzelle des Protests.“ Letztlich müsse man jetzt abwarten, wie die Planungen ausgehen. Dass die geplante Nord-Süd-Trasse am Landkreis Neumarkt vorbeiführt, glaube er erst, wenn alle Kabel verlegt seien. Man müsse nun die Reaktionen auf die aktuellen Pläne abwarten, sagt Grasenhiller. „Wer weiß, welche Unternehmen und Initiativen nun dagegen protestieren.“

So ganz glücklich ist der BI-Sprecher aber dennoch nicht: Denn ihm ging es in all den Monaten nicht nur darum, die Süd-Ost-Trasse zu verhindern, sondern um einen „vernünftigen und nachhaltigen Umgang mit Energie“. Er kritisiert, dass nach wie vor Kohlestrom aus dem Osten gefördert und der Verbrauch von Energie nicht deutlich verringert werde. Doch das brauche es für eine echte Energiewende.

„Nur ein Teilerfolg“

Grundsätzlich seien die Vertreter der Initiative „Freystadt gegen die Stromtrasse“ der Meinung, dass die Trasse insgesamt abzulehnen ist. „Und sollte unser Wirkungsbereich Freystadt nicht mehr tangiert werden, ist das nur ein Teilerfolg“, teilt Lukas Lebherz mit. „Wir werden die zahlreichen anderen Bürgerinitiativen weiterhin unterstützen, da die Stromtrasse die Energiewende bedroht.“ Ansonsten fügt der SPD-Stadtrat hinzu: „Ich persönlich, als Kommunalpolitiker, freue mich natürlich unbändig über diesen Teilerfolg, weil gerade der Trassenverlauf so nahe an der Wohnbebauung und an der Wallfahrtskirche für die Großgemeinde Freystadt und Freystadt als Ort fatal gewesen wäre.“

Auch Postbauer-Hengs Bürgermeister Horst Kratzer freut sich, aber eher gedämpft. „Man atmet durch, aber wir wollten nie das Florians-Prinzip.“ Jetzt müsse man wohl akzeptieren, dass doch eine Nord-Süd-Trasse gebaut werde – und das so umwelt- und bürgerfreundlich wie möglich. Gleichzeitig wundere er sich ein bisschen, dass über die Verlegung der großen Gasleitung, die auch an Hemau vorbeiführt, kaum geredet werde. „Auch hier wird Grund verbraucht.“

Unsere Zeitung hat Bergs Bürgermeister Helmut Himmler zu den neuen Plänen befragt

Herr Himmler, Sie haben ebenfalls gegen die geplante Süd-Ost-Trasse gekämpft. Was sagen Sie nun zu den aktuellen Plänen?

Na, ja, für uns war das keine Überraschung mehr aufgrund der zurückliegenden Entscheidung, dass die Trasse in Ostbayern verlaufen soll.

Was war Ihrer Ansicht nach ausschlaggebend für diese Entscheidung von Tennet?

Das ist der Vehemenz der Bürgerinitiativen zu verdanken. Der Netzbetreiber und die Bundespolitik haben gesehen, dass angesichts der vehementen Kritik, die Trasse methodisch und vor allem nicht hier umsetzbar ist. Das ist der Erfolg der Bürger und der Kommunalpolitiker vor Ort. Ich sehe das sehr positiv, wenn sich Bürger einmischen und sich für ihre Belange einsetzen.

Aber die Bürger aus dem Landkreis Schwandorf hatten sich auch gegen die geplante Stromtrasse gewehrt.

Ja, aber die Region des jetzigen Verlaufs ist eher dünn besiedeltes Gebiet. Und es können bestehende Trassen aufgerüstet werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da der große Widerstand kommt.

Das heißt, Sie gehen fest davon aus, dass der Landkreis Neumarkt definitiv raus ist?

Es ist egal, ob die Trasse wieder zu uns kommt. Wir werden das zu verhindern wissen. Und die Planer wissen ganz genau, das ist vermintes Gelände. Dann würde die Phalanx wieder stehen.

Freuen Sie sich gar nicht über die Entscheidung?

Es ist eine begrenzte Freude. Denn die Notwendigkeit der Trasse sowie die Kosten stehen nach wie vor im Raum. Die Energiewende ist noch immer völlig chaotisch. Es gibt keinen Masterplan. Würde man in Oberbayern die regenerativen Energien ausbauen, wäre die Hochspannungs-Gleichstom-Übertragung nicht erforderlich. Und die Kosten werden am Ende die Bürger zahlen. Ich glaube nicht, dass die Wirtschaft sie übernimmt.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sieht die neuen Konzepte von Tennet als Reaktion auf die Proteste.

Weitere Informationen und Hintergründe zu der geplanten Stromtrasse finden Sie in einem Mittelbayerische Spezial unter www.mittelbayerische.de/region/neumarkt/stromtrasse/

Das Aktionsbündnis

  • Ziel:

    Das „Aktionsbündnis gegen die Süd-Ost-Trasse“ kämpft weiter gegen die geplante Gleichstromtrasse.

  • Kritik:

    Die Netzplanung habe keine rechtliche Grundlage und koste den Steuerzahler Milliarden, haben die Sprecher Hubert Galozy und Matthias Grobleben bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Vorsitzenden des BUNDs Naturschutz in Bayern, Hubert Weiger, in Nürnberg gesagt.

  • Kosten:

    Die Bundesnetzagentur legt die Zinssätze für das Eigenkapital der Elektrizitätsbetreiber fest. Für Neuanlagen sollen diese laut Aktionsbündnis bei 6,91 Prozent, für Altanlagen bei 5,12 Prozent liegen. Die zehnjährigen Bundesanleihen hingegen sind auf minus 0,1 Prozent gesunken.

  • Informationen:

    Interessierte finden weitere Informationen und Veröffentlichungen des Aktionsbündnisses im Internet unter www.stromautobahn.de .

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