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Energie

Stromtrassenbauer geht in die Offensive

Vor der Entscheidung der Politik über neue Gleichstrompassagen verspricht Amprion mehr Transparenz und gesteht Fehler ein.
Von Christine Schröpf, MZ

Seit Anfang 2014 Streitthema: neue Stromtrassen durch Bayern. Amprion bekommt viel Gegenwind.
Seit Anfang 2014 Streitthema: neue Stromtrassen durch Bayern. Amprion bekommt viel Gegenwind. Foto: dpa/Archiv

Bayreuth.Voraussichtlich im Juli soll im Berliner Koalitionsausschuss die Entscheidung über zwei höchst umstrittene neue Stromtrassen durch den Freistaat fallen. Stromtrassenbauer Amprion, verantwortlich für die so genannte Süd-Ost-Passage mit Ausgangspunkt in Sachsen-Anhalt, startet im Vorfeld eine Informationsoffensive, auch als bitterer Lehre aus der Vergangenheit. Anfang 2014 hatte das Unternehmen mit drei missglückten Informationsveranstaltungen in Bayern, bei denen mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet wurden, einen so heftigen Proteststurm entfacht, dass das Stromtrassenprojekt zum vorläufigen Stillstand kam. Ministerpräsident Horst Seehofer verhängte einen Planungsstopp. Es folgte ein mehrmonatiger Energiedialog, den Wirtschaftsministerin Ilse Aigner im Februar ohne klare Aussage zur nötigen Zahl neuer Trassen beendete. „2 minus X“, lautete die Formel, die alles oder nichts bedeuten konnte.

Barth: Keine „Monstertrasse“

„Wir haben Fehler gemacht“, sagt Amprion-Kommunikationschef Thomas Wiede am Dienstagvormittag in Bayreuth. Es ist der erste von vier Terminen mit Journalisten binnen 48 Stunden. Mittags folgt Nürnberg, anderntags Ingolstadt und Augsburg. Wiede hat den Projektleiter für die Trasse, Peter Barth, mitgebracht und den Pressesprecher für die Süd-Ost-Passage, Jörg Weber. Das Trio will mit Vorurteilen aufräumen. Von einer „Monstertrasse“ könne keine Rede sein, sagt Barth. Die Masten sollen nun im Schnitt noch 45 Meter in die Höhe ragen, in etwa so hoch wie eine 110-Kilovoltleitung, und nicht mehr 50 bis 70 Meter. Barth ärgert, dass immer von einer Kohletrasse die Rede ist, auch wenn er um die bestehenden Kohlekraftwerke in Sachsen-Anhalt weiß. „In zehn Jahren gibt es dort doppelt so viel Windkraft wie Braunkohle“, sagt er.

Versprechen künftig mehr Transparenz: Amprion-Kommunikationschef Thomas Wiede (l.) und der Projektleiter der geplanten Stromtrasse, Peter Barth.
Versprechen künftig mehr Transparenz: Amprion-Kommunikationschef Thomas Wiede (l.) und der Projektleiter der geplanten Stromtrasse, Peter Barth.Foto: Schröpf

Seit dem Kommunikationsdebakel 2014, der Seehofers bis heute anhaltenden Zorn nach sich zog, hatte sich das Unternehmen rar gemacht. Nun meldet sich der Stromtrassenbauer auch deshalb zurück, weil man das Feld nicht den Stromtrassengegnern überlassen will. Weber schmerzt, dass Kommunalpolitiker in der Debatte Bürgerinitiativen als Experten zu Rate ziehen. „Dabei sind wir die Experten.“ Doch Amprion weiß, dass zunächst verspieltes Vertrauen zurückerobert werden muss. Die neue Linie lautet deshalb: Mehr Transparenz und ein neuer Instrumentenkasten mit möglichst passgenauen regionalen Lösungen. Das hat im Endeffekt auch Seehofer mit seiner Blockade-Haltung bewirkt. „Wir haben dazugelernt“, sagt Wiede. Das gelte aber hoffentlich nicht nur „auf unserer Seite“. Die CSU-Regierung hatte bekanntlich den Bau neuer Stromtrassen 2013 im Bundesrat passieren lassen – auch keine Erdverkabelung für bevölkerungsreiche Streckenabschnitten angemahnt.

Neue Ideen –nach Bayerns Blockade

Amprion blieb durch die politischen Vorgaben zunächst nur die Option von Strommasten. Nun können neue Lösungen angedacht werden –eine sieht vor, beim Stromtrassenbau an neuralgischen Punkten bestehende 110-Kilovolt-Leitungen in die Erde zu verlegen und an gleicher Stelle die 380-Kilovolt-Gleichstromleitung zu bauen. Der Vorteil: Das Erdverkabeln einer 110-Kilovolt-Leitung kostet weniger als das unterirdische Verlegen einer Gleichstrompassage. Über dem Boden bleibt am Ende nur ein Mast zu sehen. „Dafür muss aber der gesetzliche Rahmen geschaffen werden“, sagt Wiede.

Amprion

  • 11 000-Kilometer-Stromkreis

    Amprion verfügt in Deutschland über 11 000 Kilometer Stromnetze und versorgt sieben Bundesländer – darunter auch Bayern.

  • Große Investorengruppe

    Das Unternehmen mit Sitz in Dortmund gehört zu 74,9 Prozent der M31 Beteiligungsgesellschaft – unter diesem Dach versammeln sich Versicherungsgesellschaften, Pensionskassen und Ärzteversorgungswerke.

  • Kostenschätzungen

    Genaue Kostenprognosen zur Trasse gibt es erst, wenn der Verlauf fest steht. Nach groben Schätzungen sind es aber wohl rund eine Milliarde Euro.

  • Rendite

    Die Rendite: 9 Prozent vor Steuern auf 40 Prozent des Eigenkapitals, nach Steuern drei Prozent, so Thomas Wiede.

Zum Verlauf von Stromtrassen äußern sich die Amprionvertreter nicht. Erst soll der Beschluss des Koalitionsausschusses abgewartet werden. Aktuell wertet die Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde viele Tausend Beschwerden aus, die bei einem Konsultationsverfahren zur Süd-Ost-Passage mit einem Trassenverlauf von Wolmirstedt nach Gundremmingen zusammengekommen sind. Auch aus dem Landkreis Neumarkt kamen dazu geballte Einwände.

Das ganze Verfahren könnte allerdings für den Papierkorb sein, falls sich Wirtschaftsministerin Aigner mit ihrem aktuellen Vorstoß zu möglichen neuen Trassenendpunkten in Ingolstadt oder Landshut durchgesetzt. Dann beginne alles wieder bei Null, sagt Weber, inklusive eines komplett neuen Konsultationsverfahrens, das sich über ein dreiviertel Jahr erstrecken würde. Amprions Ziel bleibt trotzdem der Bau einer neuen Trasse bis 2022 – es ist das Jahr, in dem das letzte Kernkraftwerk vom Netz gehen soll. An der Notwendigkeit des Projekts bestehe kein Zweifel. „Nach der Abschaltung der Kernkraftwerke fehlt in Bayern Strom für fünf bis sechs Millionen Menschen“, betont Barth.

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