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Drei Journalisten und ihr Einkaufskorb

Wie teuer ist bio und wie günstig sind Billigprodukte? Drei Neumarkter MZ-Redakteure haben den Vergleich gewagt.

Neumarkt.Der Preis stimmt, die Leistung nicht: Billigprodukte schonen den Geldbeutel und die Geschmacksnerven.

Das sagt Bernhard Neumayer:

Bernhard Neumayer Foto: Lex
Bernhard Neumayer Foto: Lex


Zugegeben, Hotel Mama hat schon gewisse Vorteile: jeden Tag ein warmes Gericht nach Feierabend, gebügelte Wäsche und ein Kühlschrank, der fast immer bis oben hin gefüllt ist – mit Schokolade, Fruchtgummi und Vanille-Sahne-Pudding. Eben alles, was der Körper eines Hobby-Fußballers für 90 Minuten Ausdauersport benötigt.

Wenn ich selbst einkaufe, brauche ich meist nur drei, vier Produkte. Das, wonach mein Magen gerade knurrt oder die Zutaten, die für einen Marmorkuchen oder Schinkennudeln fehlen. Ja, ich kann tatsächlich backen und kochen – obwohl ich das im Hotel Mama nicht müsste. Beim Einkaufen bin ich der Typ, der schnell vom Supermarkt nebenan Kakao oder Schinkenwürfel in der Hand zu Fuß nach Hause transportiert.

Das ist der erste Fehler, den ich schon vor dem Redaktions-Großeinkauf mache. Ich habe natürlich keinen Korb dabei, um die Waren dort hinein zu legen. Glücklicherweise gibt es aber Mamas. In diesem Fall war es nicht meine Mutter, die mir geholfen hat, sondern Kollegin Katrin Böhm, die für mich eine Tragetasche übrig hat. Mamas haben eben mehr Routine beim Einkaufen als ein junger Volontär.

Der Sparfuchs kommt mit 15,76 Euro weg

Eines ist aber für uns gleich: der Warenkorb. Auf der Einkaufsliste stehen unter anderem Milch, Joghurt, Butter, Salami, Emmentaler, Eier, Schokolade, Olivenöl, Nudeln, Tomaten, Haferflocken, Babynahrung, Apfelsaft sowie etwas Obst und Gemüse. Ich soll den Sparfuchs mimen und die preiswertesten Produkte in meinen Einkaufswagen legen. Nicht schlecht für meinen Geldbeutel, denke ich. Und im Vergleich zu meinen Kollegen, die Bio-Produkte im Supermarkt beziehungsweise im Bio-Markt gekauft hatten, bezahlte ich den geringsten Betrag: 15,76 Euro.

Äpfel und Bananen, Eier und Milch: Bernhard Neumayer, Wolfgang Endlein und Katrin Böhm (von links) haben 20 Produkte des täglichen Bedarfs eingekauft. Foto: Drenkard
Äpfel und Bananen, Eier und Milch: Bernhard Neumayer, Wolfgang Endlein und Katrin Böhm (von links) haben 20 Produkte des täglichen Bedarfs eingekauft. Foto: Drenkard

Normalerweise achte ich nicht besonders auf die Preise. Ich kaufe ein, was ich kenne. Ob ich immer die Pasta aus der günstigsten Packung ins Nudelwasser werfe, bezweifle ich. Genau sagen, kann ich es aber nicht. Im Warenkorb landen bei mir die Penne, die ich immer esse. Sie schmecken und ich spare mir das nervige Vergleichen der Preise im Supermarkt. Ein Handgriff und ich habe die richtige Packung.

Heute achte ich aber genau darauf, welches Produkt das billigste ist. Schließlich ist das meine Aufgabe. Und so nervig ist es gar nicht. Nach den ersten Lebensmitteln habe ich schon ein Gespür, welche Produkte in die günstigste Preiskategorie fallen. Mein teuerstes Lebensmittel ist ein Olivenöl. Der dreiviertel Liter kostet 3,99 Euro.

Bei aller Freude über meinen preiswerten Einkauf, bin ich nach dem ersten Bissen in meine Käsesemmel ernüchtert. Im Vergleich zum Emmentaler aus der frischen Theke schmeckt der abgepackte Käse schlecht: fad, relativ fest, geschmacksneutral.

Sei’s drum. Ich bekomme ja nach Feierabend eine leckere Mahlzeit im Hotel Mama.

Wer hat wo wie viel bezahlt? Unsere interaktive Grafik zeigt‘s:

Bio-Produkte im Supermarkt: praktisch und unbelastet – aber das Öko-Gewissen wird nicht beruhigt.

Das sagt Katrin Böhm:

Katrin Böhm Foto: Drenkard
Katrin Böhm Foto: Drenkard


Ich sag’s Ihnen ganz ehrlich. Zu langen Einkaufstouren in Supermärkte an verschiedenen Orten habe ich weder Zeit noch Lust. Bei mir muss es praktisch zugehen. Die Kinder in den Kindergarten und die Schule bringen, auf dem Rückweg schnell zum Einkaufscenter, in dem ein Supermarkt, eine Drogerie und ein Getränkemarkt direkt nebeneinander liegen. Alles ins Auto packen, Wocheneinkauf erledigt, nächster Tagesordnungspunkt.

Wenn es sich anbietet, gehe ich immer noch gerne zum Wochenmarkt oder zum Gemüseladen – aber eben nur, wenn nicht der Job, das Freizeitverhalten meiner Kinder und die Öffnungszeiten der Läden im Wege stehen. Und ab und an gelingt es mir sogar, eine Erdbeere oder Erbse aus eigenem Anbau zu ernten, allerdings ist dieses Bestreben eher nicht zur Vollversorgung geeignet. Denn der grüne Daumen ist bei mir meist rot lackiert.

Gesund essen will ich trotzdem. Und ich will auch, dass die Kühe, die mir ihre Milch geben, ein vertretbares Leben haben. Fleisch kaufe ich als Vegetarierin seit 25 Jahren nicht. Logische Schlussfolgerung sind für mich Bio-Produkte, bevorzugt aus der Region. Ich möchte weder mit Pestiziden verseuchte Paprika noch Kartoffeln aus Marokko essen. Im Zweifel wähle ich allerdings lieber normale Kartoffeln aus dem Knoblauchsland als von weit her importierte Bio-Ware.

Für unseren redaktionsinternen Vergleichs-Kauf habe ich mich für die jeweils günstigsten Bio-Produkte im Supermarkt entschieden. Ein Kilo Karotten für 99 Cent, ein Päckchen Butter für 2,29 Euro, 6 Eier für 2,45 Euro, eine Tafel Schokolade für 1,49 Euro, Olivenöl für 4,99 Euro. Für sich genommen ist jedes Produkt nur ein bisschen teurer, in Summe ist es ein großer Unterschied: An der Kasse zahle ich 32,38 Euro, mehr als doppelt so viel wie mein Kollege Bernhard Neumayer, der im selben Supermarkt die allergünstigsten Produkte gekauft hat.

Schockierend: Fast alles ist in Plastik verpackt

Weil ich die Preise beim Einkaufen generell zumindest überfliege, ist der Kassenzettel für mich keine große Überraschung – die kommt erst, als ich Kollege Wolfgang Endlein nach seinem Einkauf im Bio-Laden treffe: Der hat gerade einmal vier Euro mehr bezahlt. Und einen entscheidenden Vorteil: Seine Bio-Produkte machen viel weniger Müll als meine. Im Bio-Laden gab es vieles lose, bei mir ist quasi alles verpackt, und auch noch fast ausschließlich in Plastik. Die Karotten, die Gurke, die Äpfel, der Käse.

Mein ökologisches Gewissen brüllt mich an, was ich mir bei dieser Plastikflut eigentlich verdammt noch mal gedacht habe. Der Supermarkt verspricht, dass an dem Plastikverpackungs-Thema gearbeitet wird, dass es aber wegen der Verwechslungsgefahr kompliziert ist, wenn Bio- und Nicht-Bio-Waren im selben Laden verkauft werden. Ich hoffe, dass hier bald etwas Schlaues ausgearbeitet wird – und ich nicht nur bio, sondern auch mit wenig Verpackungsmüll einkaufen kann.

Bio oder konventionell: Welches Tier wird wie gehalten? Unsere Übersicht zeigt‘s:

Kauf im Bio-Markt: Teurer an der Kasse, aber günstiger für die Gesundheit und das Gewissen

Das sagt Wolfgang Endlein:

Wolfgang Endlein Foto: Drenkard
Wolfgang Endlein Foto: Drenkard

Eine Gurke für 1,89 Euro. So viel kostet das lange grüne Etwas, das Teil meines Einkaufs in einem Neumarkter Bio-Supermarkt ist. Da stellt sich vielen die Frage: Ist das nicht teuer? Sicher. Am Ende kommt mein Einkauf auf 36,78 Euro. Mir drängt sich da aber auch eine Gegenfrage auf: Sind es gute Lebensmittel nicht wert, dass wir dafür entsprechend bezahlen?

Wir Deutsche tun das in unserer Gesamtheit gesehen nicht. Von zehn Euro geben die Menschen hierzulande nur einen Euro für Essen und Trinken aus, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. Bei Franzosen sind es hingegen 33 Cent mehr, bei Italienern 43. Wir Deutschen sind beim Essen mehrheitlich Geizhälse, was umso mehr erstaunt, als viele von uns für anderes, vor allem Pferdestärken unter der Motorhaube, durchaus bereit sind, viel Geld auszugeben.

Ich persönlich habe meine Gewichtung anders gelegt und bin bereit mehr Geld für meine Ernährung auszugeben. Wobei ich das, wie manche Mitmenschen fälschlicherweise annehmen, nicht wegen des vermeintlich besseren Geschmacks von Bio-Nahrungsmitteln tue. Ich gehe nicht davon aus, dass diese per se besser schmecken als konventionell erzeugte. Der eigentliche Antrieb für mich, Bio-Produkte zu kaufen, war und ist nach wie vor: Ich habe keine Lust auf Spritzmittelrückstände in meiner Nahrung.

Ökologische und soziale Aspekte spielen eine Rolle

Inzwischen spielen auch ökologische und soziale Aspekte in der Produktion der Bio-Nahrungsmittel eine zunehmend stärkere Rolle bei meiner Kaufentscheidung. Künftig habe ich mir zudem vorgenommen, mehr auf Verpackung zu achten beziehungsweise weniger davon zu erzeugen. Zusammengefasst ist das ideale Nahrungsmittel für mich Bio, regional und saisonal.

Durchhalten lässt sich all das zugegebenermaßen nicht immer – Salat im Winter darf auch mal sein und die Banane kommt eben nun mal von weit her – und ich will auch nicht päpstlicher sein als der Papst. Ich kaufe ebenso beim Bäcker ums Eck mal eine Breze, die nicht Bio ist, oder gehe in Restaurants essen, die keine ökologischen Produkte verarbeiten.

Nichtsdestotrotz versuche ich, vor allem im Bio-Supermarkt einzukaufen. Einfach deswegen, weil es dort eine größere Auswahl an Bio-Produkten gibt und, für mich ebenfalls wichtig, darunter auch jene mit Siegeln sind, die strengere Kriterien für ihre Vergabe anlegen.

Völlig frei vom Blick auf den Preis bin aber auch ich nicht. Es ist daher ein stetes Abwägen beim Einkauf, ob man das Produkt auch wirklich braucht. Das führt dazu, dass das teurere Fleisch seltener auf meinem Teller landet. Was aber mir und der Umwelt sicherlich nicht schadet – und auch das Fleisch profitiert davon: Ein schöner Braten wird dadurch von mir nochmal ganz anders geschätzt. Oder um es mit Albert Einstein zu sagen: Was nichts kostet, ist nichts wert.

Was sagt die Verbraucherzentrale zum Einkaufsverhalten?

Lesen Sie hier ein Interview mit Verbraucher-Expertin Sabine Hülsmann.

Worauf achten Sie beim Einkaufen? Machen Sie bei unserer großen Verbraucher-Umfrage mit

Alle Teile unserer Serie zu Landwirtschaft und Ernährung finden Sie hier.

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