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Regional ist kein Erfolgsgarant

Juradistl ist die Galionsfigur der Regionalvermarktung. Andere Pläne sind aber gefloppt – dafür gibt es einige Erklärungen.
Von Bettina Dennerlohr

Lammfleisch war das erste Produkt von Juradistl. Foto: Ian Hinchliffe/dpa
Lammfleisch war das erste Produkt von Juradistl. Foto: Ian Hinchliffe/dpa

Neumarkt.So mancher Außendienstler würde ihn um seine Lage beneiden, sagt Werner Thumann. Bei ihm, dem Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands, und seinem Team melden sich laufend Kunden, die nach Produkten der Regionalmarke Juradistl fragen. „Für die Vermarktung ist das natürlich ein Traum“, sagt Thumann. Er könne sich aber auch an weniger rosige Zeiten erinnern: „Die ersten zwei, drei Jahre waren sehr schwer.“ Lammfleisch, das erste Produkt, sei damals weit weniger gefragt gewesen als heute. Außerdem habe es aufwendige Netzwerkarbeit gebraucht, bis Konsumenten, Gastronomen, Metzger und Schäfer von dem Projekt überzeugt gewesen seien. „Jetzt haben wir aber Rückenwind“, sagt Thumann.

Juradistl habe sich nach mehr als 15 Jahren für die Vermarktung regionaler Produkte etabliert. Seit 2004 sind laut den Verantwortlichen mehr als 16 000 Lämmer vermarktet worden. Inzwischen gibt es auch Juradistl-Apfelschorle und Juradistl-Weiderind.

Welche Produkte haben sich durchgesetzt und welche nicht? Hier eine kleine Bilanz:

Käserei scheiterte

Doch nicht jedes Projekt zur Vermarktung regionaler Produkte ist von Erfolg gekrönt. Vor einigen Jahren standen sowohl ein Landkreisbrot als auch eine mobile Käserei mit Milch aus der Region im Raum. Besonders für die Käserei waren Pläne schon weit fortgeschritten. Verwirklicht haben sich diese Visionen aber nicht.

Thumann, der damals einer der Geschäftsführer der Regina war, kann sich die Gründe heute denken: „Unter der Marke ,NeuMarkt‘ gab es damals im Monatstakt neue Produkte. Die Botschaft war einfach nur: aus der Region. Das reicht aber nicht.“ Vielmehr müsse der Markenauftritt glaubwürdig sein. „Außerdem war die Marke auch von der Konsumentenzahl einfach zu klein“, so Thumann weiter. Seiner Meinung nach funktionieren entweder große Projekte wie Juradistl, das mehrere Landkreise umfasst, oder sehr kleine Projekte, bei denen die Konsumenten die Erzeuger persönlich kennen.

„Die ersten zwei, drei Jahre waren sehr schwer.“

Werner Thumann, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands

Darauf setzen auch die Direktvermarkter im Landkreis Neumarkt. Nicht weniger als 65 Anbieter finden sich in der Direktvermarkter-Broschüre der Regina wieder. Anne Fröhlich ist dort eine der Zuständigen für die Ökomodellregion Nürnberg. „Direktvermarktung war schon vor der Ökomodellregion ein Thema“, sagt sie. Immer wieder kämen auch neue Landwirte als Anbieter hinzu. Geeignet sei das Modell aber nicht für jeden, sagt Fröhlich: „Es kommt ganz auf die Betriebsstruktur an.“ Für einen Landwirt, der sich auf Ackerbau und Getreide konzentriere, sei die Direktvermarktung eher ungeeignet. Anders sehe es bei Obst- und Gemüsebauern aus – auch wenn es davon laut Fröhlich nicht mehr viele im Landkreis Neumarkt gibt. „Besonders Eier werden in Neumarkt viel über Direktvermarkter vertrieben“, sagt Fröhlich.

Was haben Tierwohllabel zu bieten? Unsere Grafik bietet Aufschluss:

Schwierigkeit, Akteure zu finden

Landkreislaiberl und mobile Käserei waren zwar vor ihrer Zeit bei der Regina. Doch die Probleme bei solchen Projekten seien oft ähnlich, sagt sie: „Die Schwierigkeit ist eigentlich immer, die Akteure zu finden.“ Für die Käserei beispielsweise sei der finanzielle Aufwand sehr hoch gewesen. Die Regina könne nur Anstöße für ein Projekt geben oder beispielsweise bei Förderanträgen behilflich sein. Schultern müssten die Verantwortung dagegen andere. Das sei oft schon alleine aus zeitlichen Gründen schwierig. „Wer einen landwirtschaftlichen Familienbetrieb führt, ist damit in der Regel zeitlich schon sehr gut ausgelastet“, sagt Fröhlich. Wer sich aber auf ein solches Projekt einlasse, müsse nicht nur bereit sein, sein gewohntes Umfeld zu verlassen, sondern auch viel Zeit für Informationsbeschaffung aufwenden. „Das schafft im Alltag nicht jeder.“

Nach Fröhlichs Erfahrung sind viele Verbraucher auch bereit, einen höheren Preis für Lebensmittel zu zahlen, bei denen sie den Erzeuger kennen oder wissen, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt. „Das ist ein Trend, der verstärkt wieder kommt“, sagt Fröhlich. Sie hoffe, dass er noch weiter anhalte. „Im europäischen Vergleich geben die Deutschen immer noch sehr wenig Geld für Lebensmittel aus.“ Auch Thumann findet, dass viele Verbraucher inzwischen auf bewussten Konsum setzen. Juradistl beispielsweise stehe für Natur- und Artenschutz und sei eines von Deutschlands größten Projekten der Biodiversität.

Hier sehen Sie eine Übersicht über die verschiedenen Ansichten zur Landwirtschaft:

Gespräche über Juradistl-Honig

Als solches soll es auch weiter wachsen. Derzeit laufen Gespräche für Juradistl-Honig. Für die Apfelschorle soll es eigene Karaffen geben, weil viele Restaurants ihren Kunden ungern Flaschen auf den Tisch stellen. Ausbaupotenzial gibt es auch beim Juradistl-Weiderind. Die Nachfrage nennt Thumann „gigantisch“ – doch aktuell gibt es zu wenige Produzenten, um sie zu befriedigen. Derzeit ist das Rindfleisch nicht bei Metzgern, sondern nur in Restaurants zu bekommen.

Für viele Bauern sei die Weidehaltung schwierig, sagt Thumann. Sie ist aber Bedingung bei Juradistl. „Wer vor Jahren aber viel in einen modernen Stall investiert hat, kann das nicht mitgehen“, sagt Thumann. Auch seien viele Gebiete durch Verkehrswege so zerschnitten, dass die Landwirte die Tiere nicht nahe des Hofes weiden könnten. Optimistisch sei er trotzdem, sagt Thumann: „Wir sind immer in Gesprächen.“

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