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Gesellschaft

Viel Ärger um die Jugendbegegnung

Im Streit um das Konzept hat ein Leserbrief den Neumarkter OB auf den Plan gerufen. Es geht um Geld, Politik und Musik.
Von Eva Gaupp

2014 hatten sich die Jugendlichen aus acht verschiedenen Ländern in Neumarkt getroffen. Archivfoto: Heike Regnet
2014 hatten sich die Jugendlichen aus acht verschiedenen Ländern in Neumarkt getroffen. Archivfoto: Heike Regnet

Neumarkt.Die Internationale Jugendbegegnung mit ihrem Friedenskonzert war 2001 ins Leben gerufen worden, weil sich Schüler über Staatsgrenzen hinaus kennen lernen sollten, um ein Fundament für den Frieden zu bauen. Doch schon seit Monaten regt sich Unfrieden hinter und vor den Kulissen. Zuletzt hatte ein Neumarkter in einem Leserbrief Jugendpfleger Sigi Müller direkt angegriffen, er habe das „internationale Jugend-Friedenskonzert, zumindest soweit es Neumarkt betrifft, grandios an die Wand“ gefahren.

„Diffamierende Aussagen“

Oberbürgermeister Thomas Thumann nimmt dies zum Anlass, sich vor seinen Mitarbeiter zu stellen und die Zusammenhänge klarzustellen. Er verwahre sich gegen „solche diffamierenden Aussagen“ gegenüber Mitarbeitern der Stadt oder auch gegen ihn persönlich, wenn es im Leserbrief heiße, dass der Oberbürgermeister „anscheinend nicht Manns genug sei, dem unseligen Treiben seines Jugendpflegers Einhalt zu gebieten“, heißt es dazu in einer Stellungnahme der Stadt.

„Es geht nicht an, dass anscheinend jeder nach Lust und Laune Kommunalpolitiker, Ehrenamtliche und Mitarbeiter im öffentlichen Dienst beleidigen, diffamieren, treten oder bespucken darf, wie es ihm beliebt.“ Thumann kritisiert den Schreiber des Leserbriefs, der nichts mit der Jugendbegegnung zu tun habe. Offensichtlich gebe es einige Personen, „die sich in den Kopf gesetzt haben, dass diese Veranstaltung bzw. dieses Projekt so zu geschehen hat, wie sie sich das vorstellen“.

Nur die Camerata hat profitiert

Den Anfang der Jugendbegegnung habe tatsächlich eine Begegnungswoche auf Basis der Musik gebildet. Wichtiger Partner war die Camerata des Ostendorfer Gymnasiums, die das musikalische Gerüst bildete. „Die Tatsache, dass die Stadt hier erhebliche öffentliche städtische Gelder in die Hand nimmt, um dieses Projekt zu finanzieren, und einen großen personellen Einsatz dafür erbringen muss, hat immer wieder einmal dazu geführt, die Jugendbegegnung in dieser Form zu hinterfragen“, stellt OB Thumann weiter fest.

Analyse

Jugendbegegnung im Zwist zweier Konzepte

Fortsetzung wie bisher oder Ausweitung: Neumarkts Ostendorfer Gymnasium und das Stadtjugendbüro beharren auf den Positionen.

Dabei sei die berechtigte Frage aufgeworfen worden, ob es statthaft sei, wenn nur Schüler einer Schule teilnehmen dürfen – umso mehr, wenn es sich dabei um ein Gymnasium des Landkreises und keine Schule der Stadt handelt. Deshalb habe die Stadt heuer einen anderen Weg eingeschlagen und Schüler aller Schularten aufgerufen, sich an der Jugendbegegnung im serbischen Zrenjanin zu beteiligen.

Zur Begegnungswoche in Zrenjanin sei zu sagen, dass Neumarkt – genauso wie die anderen Teilnehmerländer – eine Einladung nur für drei bis vier Schüler erhalten habe. Aus Neumarkt hätten sich vier Jugendliche angemeldet. Doch dann habe sich eine Schülerin des WGG abgemeldet und eine zweite wollte nicht mehr ohne diese Freundin mitfahren. Eine Woche vor der Abfahrt habe eine weitere Schülerin gesundheitsbedingt absagen müssen. So waren statt der geplanten sechs nur drei Vertreter aus Neumarkt mit dabei.

„Die bisher im Mittelpunkt stehende Ausrichtung auf klassische Musik erscheint aus Sicht der Stadt nicht zukunftsfähig.“

Thomas Thumann, Oberbürgermeister

Darüber hinaus unterstreicht Thumann, dass die Organisation der Jugendbegegnung für alle Beteiligte einen enormen Aufwand bedeutete und immer wieder Probleme untereinander mit sich gebracht habe. Wenn einige wie der Leserbriefschreiber den Eindruck vermitteln wollten, „dass hier ein perfektes Projekt vorliege, das zu jeder Zeit reibungslos über die Bühne gegangen ist, dann verkennen sie die Realität“. Immer wieder habe sich die Stadt deshalb mit diesem Projekt und seiner Zukunft befasst.

Schließlich müssten die öffentlichen Gelder sinnvoll und für städtische Belange verwendet werden. „Die bisher im Mittelpunkt stehende Ausrichtung auf klassische Musik und damit die Konzentration der Begegnungswoche vor allem auf die Probenarbeit für die Erarbeitung eines gemeinsamen Friedenskonzerts, erscheint aus Sicht der Stadt nicht zukunftsfähig, um die Jugendbegegnung für die nächsten Jahre und Jahrzehnte am Leben zu erhalten.“

Deshalb müsse über neue Inhalte nachgedacht werden. Und das könne nicht von „einigen Wenigen aus dem weiteren Umfeld der Jugendbegegnung mit dem Argument weggewischt werden, es müsste immer so weitergehen, weil sie es so wollen und für richtig erachten“, so der Oberbürgermeister.

Früher bildete ein Friedenskonzert den Abschluss der Begegnungswoche. Dieses fand in Neumarkt im Reitstadel statt. Archivfoto: Sturm
Früher bildete ein Friedenskonzert den Abschluss der Begegnungswoche. Dieses fand in Neumarkt im Reitstadel statt. Archivfoto: Sturm

Für ihn geht es nicht darum, dass möglichst viele Neumarkter Schüler an der Woche teilnehmen – es gehe darum, eine Begegnung zu organisieren, an der die Jugendlichen gerne teilnehmen und die vielfältige Möglichkeiten biete, Jugendliche aus anderen Ländern gut kennenzulernen. Dazu gehörten jugend- und zeitgemäße Angebote – und Themen, die die Jugendlichen länderübergreifend bewegen.

Als Beispiele zählt Thumann den Bereich Klimaschutz, die Probleme der ungleichen Verteilung und den massiven Verbrauch der Ressourcen oder das Thema Frieden als Klammer für die Begegnung auf. Ob und wie dies mit Musik, Kunst, Kultur oder Ähnlichem verknüpft werden soll und kann, müssten weitere Überlegungen zeigen.

„Ich lasse mir diese Jugendbegegnung nicht kaputt reden.“

Rainer Hortolani, Integrationsbeauftragter

Diese Weiterentwicklung der Internationalen Jugendbegegnung wurde laut OB Thumann bereits mit dem Integrationsbeauftragten und für die Jugendbegegnung zuständigen Stadtrat Rainer Hortolani, der Jugendreferentin Stadträtin Birgit Gärtner und dem Kulturreferenten Stadtrat Peter Ehrnsberger von Anfang an besprochen. „Damit ist noch keine Absage an die bisherige Form der Jugendbegegnung getroffen, aber als verantwortlich handelnde Stadtvertreter muss es für uns erlaubt sein, ein Projekt, das seit 2001 läuft, auf den Prüfstand zu stellen und über neue Wege nachzudenken.“

Sehr viel Arbeit investiert

Auch Rainer Hortolani hat sich sehr über den Leserbrief geärgert, wie er in einem Gespräch mit der Mittelbayerischen schildert. Zahllose Stunden investiere er in die Korrespondenz mit Vertretern der beteiligten Länder, habe sogar Estland mit ins Boot geholt und Lettland stehe kurz davor. Letztlich sei die jüngste Begegnung in Serbien nur zustande gekommen, weil er alle seine politischen Kontakte habe spielen lassen.

Rainer Hortolani ist als Integrationsbeauftragter der Stadt Neumarkt auch für die Internationale Jugendbegegnung mitverantwortlich. Archivfoto: Weidinger
Rainer Hortolani ist als Integrationsbeauftragter der Stadt Neumarkt auch für die Internationale Jugendbegegnung mitverantwortlich. Archivfoto: Weidinger

Fakt sei, dass die anderen Länder nicht über das Geld und die Strukturen verfügten, um die Jugendbegegnung so professionell zu organisieren wie Neumarkt. „Aber ich kämpfe dafür.“

Deshalb sei die Behauptung, die Stadt habe die Jugendbegegnung an die Wand gefahren, schlichtweg falsch. „Ich lasse mir diese Jugendbegegnung nicht kaputt reden“, sagt Hortolani. Auch wenn sich das Konzept verändert habe, gehe es im Kern immer noch um dasselbe: „Wir wollen über die Gräber hinweg die Versöhnung schaffen“.

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