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Neumarkt
Freitag, 27. April 2018 20° 3

Recht

Wann mindern Krabbeltiere die Miete?

Eine Reihe von Urteilen hat Mietern eine Minderung der Zahlung des Betrags zugestanden. Doch es gibt dafür auch Grenzen.
Von Rechtsanwalt Geedo Paprotta

Was tun, wenn sie in enormer Masse in einer Mietwohnung auftauchen. Darum geht es in dieser Folge der Paprotta-Kolumne. Foto: Perrey, dpa

Neumarkt.Unter deutschen Dächern. Ich würde wetten, dass Sie etwas Beschauliches erwarten, wenn ich diese Rubrik aufrufe? Oder eher Mord und Totschlag, Messer, Axt und Kettensäge? Weit gefehlt. Heute wird´s richtig eklig! Der Mieter einer Wohnung beklagte sich zum Beispiel darüber, dass zwar nicht unter seinem Dach, jedoch in seinem Hof eine regelrechte Rattenplage herrsche. Nicht gerade ein Fünf-Sterne-Quartier, das sahen die Richter ein und billigten dem Mann einen Rattenbonus zu: zwei Prozent Mietminderung (Az. 64 S 356/98)

Nicht eklig genug? Wie sieht es aus mit Katzen, Kaninchen und 80 Vögeln? Da hätte der betreffende Mieter seine stinkende Arche Noah besser mal im Hof gelassen und nicht mit in die Wohnung gebracht! Fristlose Kündigung, sagt das AG Menden (Az. 4 C 286/13).

Das LG Lüneburg musste schon genauer hinschauen, um sich zu grausen. Da ging es um Urinsekten. Nein, nicht um Urin-sekten, sondern um Ur-Insekten! Silberfischchen im Bad. Solange die flinken Biester allerdings nur sporadisch aufkreuzen, rechtfertigt das keine Mietminderung, fanden die Richter (Az. 4 S 394/97). Viel leichter zu finden waren die Mäuse vor dem Landgericht Brandenburg. Die wohnten in einer Stadtwohnung. Dummerweise wohnte da auch ein Mensch, wobei es wohl so viele Mäuse waren, dass der kaum noch eine Rolle spielte. Jedenfalls, so das Gericht, sei der Wohnwert auf null reduziert. Für den Menschen. Und der musste deshalb auch null Miete zahlen (Az. 32 C 520/00).

La Cucaracha, la Cucaracha … keine Sorge, ich habe kein Schädlingsbekämpfungsmittel geschnupft. Ich suche nur eine Überleitung zu den Kakerlaken vor dem LG Freiburg. 1985 hatten die Richter entschieden, dass man in eine Wohnung, die von Cucarachas bereits besiedelt wurde, gar nicht erst einziehen – geschweige denn Miete zahlen muss. Mietvertrag hin oder her. Damals zahlten Kakerlaken noch mit D-Mark (Az. 3 S 1/85).

Das AG Berlin Neukölln wurde mit einem Fall betraut, in dem der Hauptmieter bereits die Wohnung verlassen hatte. Seine Untermieter aber wohnten weiter drin und wollten auch nicht weg. Dummerweise handelte es sich dabei um Bettwanzen. Der Mieter musste die Kosten des Kammerjägers übernehmen (Az. 16 C 395/16).

Das AG Aachen wiederum ist der Meinung, dass das unfreiwillige Zusammenleben mit Khaprakäfern und die resultierende Giftbekämpfung einen Mieter zu hundertprozentiger Mietminderung berechtigen (Az. 80 C 569/97). Wie schön.

Wie steht es mit Ameisen? Da muss man genau hinschauen, meint das AG Köln. Handelt es sich nur um vereinzelt auftretende „Späherameisen“, also Agentenameisen mit Schlapphüten, dann muss man damit leben. Privatsphäre hin oder her. Erst wenn die Hauptstreitmacht einfällt, die Kerlchen quasi Stahlhelme tragen, ist Mietminderung gerecht (Az. 213 C 548/97). Ich ende mit einem Spruch aus Burkina Faso: Wenn Ameisen sich einigen, können sie Elefanten transportieren.

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