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Soziales

Altersarmut in der City steigt

Immer mehr Senioren in Nürnberg leiden unter Armut. Ende 2018 bezogen über 7000 von ihnen die Grundsicherung.
von Nikolas Pelke

Immer mehr alte Menschen in Nürnberg haben kaum genug Geld zum Leben.Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Immer mehr alte Menschen in Nürnberg haben kaum genug Geld zum Leben.Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Nürnberg.Die Entwicklung ist durchaus dramatisch. Die Daten zur Grundsicherung im Alter zeigen laut Sozialreferent Reiner Prölß (SPD), dass die Zahl der armen Senioren in den letzten Jahren in Nürnberg stetig zugenommen habe. Bereits über 7000 Senioren bezögen in Nürnberg mittlerweile Grundsicherung. Prölß hat dem Sozialausschuss am Donnerstag einen detaillierten Bericht zur Entwicklung der Altersarmut in Nürnberg vorgelegt. Auf 42 Seiten beschreibt das Papier die besorgniserregende Entwicklung der Altersarmut in der Frankenmetropole.

„Wir nehmen die vorliegenden Befunde und Entwicklungstrends der Altersarmut in Nürnberg sehr ernst“, sagt Reiner Prölß. „Allerdings besteht aktuell kein Anlass zur Panikmache“, ist sich der sozialdemokratische Sozialreferent sicher. Schließlich seien Senioren weniger armutsgefährdet als die jüngere Gesamtbevölkerung. Allerdings lässt Prölß dabei die Tatsache dabei unter den Tisch fallen, dass ältere Menschen meist nur noch schlechte Chancen haben, durch bezahlte Arbeit ihre Finanzen im Alter aufzubessern. Rentner, die Pfandflaschen an Straßenecken aufsammeln oder an Supermärkten um Almosen betteln, sind der traurige Beweis.

Keine rosige Zukunft

Allerdings räumt Prölß ein, dass aufgrund der demografischen Entwicklung viel dafür spreche, dass die Zahl der betroffenen Menschen, die in Nürnberg im Alter armutsbedingte Einschränkungen erleben werden müssen, deutlich zunehmen dürfte. In Zukunft werden also wohl noch viel mehr arme Senioren in Nürnberg leben. Oder, in den Worten des Sozialreferenten: „Im Rahmen dieses Vergleichs stellt Altersarmut somit aktuell nicht das drängendste soziale Problem dar, wird aber aufgrund der zu erwartenden Trends ein zunehmend akutes Problem werden.“ In diesem Sinne betreibe die Stadt laut Prölß mit dem Bericht zur Altersarmut „vorausschauende Sozialpolitik“.

Aktuell seien Frauen und Männer nahezu gleich oft von Altersarmut betroffen. Allerdings kommt die Studie zu dem Schluss, dass Ausländer in Nürnberg derzeit besonders häufig betroffen seien. Rund die Hälfte der ärmsten Rentner verfügen in Nürnberg über keinen deutschen Pass. Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung ist die Quote der Leistungsberechtigten unter Ausländern mit 26,2 Prozent gegenüber 3,8 Prozent unter Deutschen deutlich höher. Der Bericht weist darauf hin, dass die Nationalität oder der Migrationshintergrund an sich keine Erklärung für das erhöhte Armutsrisiko sei.

Ursache für das erhöhte Armutsrisiko für nicht-deutsche Rentner sei vielmehr die schlechte Integration in das Bildungssystem und den Arbeitsmarkt. Ein Migrationshintergrund könne laut Bericht beispielsweise durch kürzere Versicherungszeiten in der Deutschen Rentenversicherung zum Armutsrisiko im Alter werden. Der größte Anteil der ausländischen Leistungsberechtigten komme in Nürnberg aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion, hierbei insbesondere aus der Ukraine und Russland. Staatsangehörige aus den „klassischen Gastarbeiter-Ländern“ wie Italien, Türkei oder Griechenland seien dagegen nur sehr gering vertreten.

Angebote für Senioren fehlen

Der Bericht verweist darauf, dass die Stadt die Einkommenssituation der armen Senioren „nicht unmittelbar beeinflussen“ könne. Nur indirekt, beispielsweise über bessere Bildungschancen, könne die Stadt zukünftig Altersarmut verhindern.

Als akutes Notpflaster will die Stadt Nürnberg deshalb auf bessere Teilhabemöglichkeiten setzen. Andrea Loos, sozialpolitische Sprecherin der CSU-Stadtratsfraktion, fordert vor diesem Hintergrund mehr Angebote für Senioren.

Mit dem „Nürnberg-Pass“ können Bürger, die Sozialleistungen beziehen, Angebote in den Bereichen Bildung, Kultur, Freizeit und Sport zu ermäßigten Preisen in Anspruch nehmen. Allerdings würden derzeit insbesondere Angebote für ältere Männer fehlen, kritisierte die CSU-Stadträtin .

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