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Autostellplatz-Not in Nürnberg

Mit innovativen Parkhäusern direkt im Wohnquartier will die CSU Abhilfe schaffen, doch die Grünen sind dagegen.
Von Nikolas Pelke

Wie hier am Bielingplatz könnten Quartiersparkhäuser in Nürnberg entstehen, damit die Anwohner ihre Autos platzsparend parken können.
Wie hier am Bielingplatz könnten Quartiersparkhäuser in Nürnberg entstehen, damit die Anwohner ihre Autos platzsparend parken können. Foto: NP/NP

Nürnberg. Auch die Fahrzeuge der Zukunft werden Stellplätze brauchen, ist sich Marcus König (CSU) sicher. Der neue Nürnberger Oberbürgermeister will deshalb den Bau neuer Quartiersparkhäuser vorantreiben, um das Stellplatz-Problem in den immer dichter bebauten Wohnvierteln der Großstadt in den Griff zu bekommen.

Die Grünen wollen die geplanten Gemeinschaftsgaragen dagegen offensichtlich mit aller Macht verhindern. „Durch den Bau eines Quartiersparkhauses wird man die Menschen nicht dazu bewegen, auf den Öffentlichen Nahverkehr umzusteigen und das eigene Auto abzuschaffen“, findet Mike Bock, der verkehrspolitische Sprecher der Nürnberger Grünen. Die Abschaffung des Autos sei jedoch das erklärte Ziel der Öko-Partei, stellt Bock klar.

Quartiersgaragen

  • Contra:

    Die Grünen sind gegen Quartiersparkhäuser. „Durch den Bau eines Quartiersparkhauses wird man die Menschen nicht dazu bewegen, auf den ÖPNV umzusteigen und das eigene Auto abzuschaffen,“ so Mike Bock, verkehrspolitischer Sprecher. Das jedoch ist das erklärte Ziel der Grünen.

Oberbürgermeister König ist dagegen davon überzeugt, dass es den Individualverkehr auch in Zukunft noch geben wird. Sicher ist König auch, dass die Autos in Zukunft umweltfreundlicher werden. Noch könne man allerdings nicht sagen, welches Antriebssystem von Elektrobatterie bis Wasserstoff sich letztlich durchsetzen werde. Kürzlich hat König bereits den Baubeginn des „Parkhauses der Zukunft“ im Nürnberger-Stadtteil Sandreuth gefeiert.

Auf dem Gelände des städtischen Stromversorgers „N-ERGIE“ sollen tagsüber die Mitarbeiter und abends die Anwohner parken können. Das innovative Parkhaus soll rund acht Millionen Euro kosten und bereits im nächsten Jahr in Betrieb gehen. 130 der geplanten 335 Stellplätze werden in dem „Parkhaus der Zukunft“ von dem städtischen Stromanbieter mit Ladestationen für Elektroautos ausgerüstet. Der Saft für die Elektroautos soll auf dem Dach des zukunftsweisenden Parkhauses mit Photovoltaik-Modulen erzeugt werden. Ein integrierter Stromspeicher soll für die optimale Nutzung des vor Ort erzeugten Stroms sorgen.

Autos im Viertel stapeln

Nach diesem Muster könnte sich König viele weitere Quartiersparkhäuser in Nürnberg vorstellen. Aktuell ist ein Standort im Stadtteil St. Johannis rund um den Belingplatz in der Diskussion. Auch hier könnte das erste „Parkhaus der Zukunft“ in Sandreuth als Blaupause dienen. In dem beliebten Viertel sind zuletzt zahlreiche Neubauten wie Pilze aus dem Boden geschossen. Auf einem unverbauten Grundstück könnte das neue Parkhaus für das Viertel entstehen. Neben der U-Bahnhaltestelle „Nordklinikum“ könnten die vielen Autos auf relativ kleiner Fläche gebündelt und praktisch übereinandergestapelt werden.

Heute parken die Autos wie an einer Perlenkette aufgeschnürt am Straßenrand. Hintergrund des konkreten CSU-Vorschlages ist, dass der bestehende Parkplatz auf dem Bielingplatz auch auf Druck der Grünen in einen Park ohne Stellflächen umgewandelt werden soll. Die CSU will deshalb neben die geplante Grünfläche eines der neuen Quartiersparkhäuser bauen, um die Bewohner zu entlasten und eine neue Mobilitätsstation mit Carsharing, E-Ladeinfrastruktur und Fahrradstellplätzen zu etablieren. Die Grünen wollen Parkraum dagegen verknappen, um den Leuten die Freude am Autofahren in der Stadt möglichst nachhaltig zu verderben.

Grüne Daumenschrauben

Auch die grüne Stadträtin Andrea Bielmeier ist gegen die Parkhaus-Pläne. „Wir sollten uns die Chance, den Bielingplatz zu einem lebenswerten Platz für Menschen zu machen, nicht durch ein Quartiersparkhaus verbauen.“ Auch Mike Bock will den Autofahrern keine neuen Annehmlichkeiten wie ein öffentliches Parkhaus vor der Haustür gönnen. Stattdessen wolle Bock urbanen Parkraum verknappen und verteuern. Anwohner sollten für Parkausweise nicht mehr wie heute nur rund 30 Euro im Jahr, sondern 30 Euro im Monat bezahlen, findet Bock und gibt zu, selber noch ein Auto zu besitzen. Bock will seine Mitbürger trotzdem zum Umdenken bewegen. Über den Geldbeutel sei dies am einfachsten möglich. Um einen Bewusstseinswandel herbeizuführen, müssten auch Daumenschrauben eingesetzt werden, verteidigt Bock die ablehnende Haltung der Grünen zu innovativen Parkraumkonzepten in der Großstadt.

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