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Ausstellung

Cranach, ein Meister des Marketings

Er malte Menschen täuschend echt, entwickelte einen unverwechselbaren Stil: Nürnberg widmet Lucas Cranach eine große Schau.

  • Eine Besucherin in der Ausstellung „Zwischen Venus und Luther. Cranachs Medien der Verführung“ im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg Foto: dpa
  • Eine Besucherin vor einem posthum gemalten Bildnis von Martin Luther (1483-1546) von Lucas Cranach dem Älteren, zu sehen in der Ausstellung „Zwischen Venus und Luther. Cranachs Medien der Verführung“ Foto: dpa

Nürnberg.Er prägte das Bild von Reformator Martin Luther und entwickelte einen Malstil mit extrem hohem Wiedererkennungswert: Neben mehreren anderen Häusern lenkt nun auch das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg die Aufmerksamkeit auf die Werke von Lucas Cranach dem Älteren (1472-1553), einem der bedeutendsten deutschen Maler und Grafiker der Renaissance.

Das Nationalmuseum beherbergt etwa 20 hochkarätige Gemälde des in Wittenberg geborenen Künstlers, die bereits dauerhaft in ihrem kulturhistorischen Kontext gezeigt werden. Unter dem Titel „Zwischen Venus und Luther: Cranachs Medien der Verführung“ gibt es nun ein umfangreiches Begleitprogramm, das auch die neueste Forschung rund um den Künstler beleuchtet. Ergänzt werden die Gemälde durch einen neuen Audio-Guide und eine Studioausstellung mit 40 seit Jahren nicht mehr gezeigten druckgrafischen Blättern und Zeichnungen.

Etwa 5000 Gemälde kamen aus seiner Werkstatt

Eine Besucherin vor „Venus mit Amor als Honigdieb“, Malerei auf Lindenholz von Lucas Cranach dem Älteren, zu sehen in der Ausstellung „Zwischen Venus und Luther. Cranachs Medien der Verführung“
Eine Besucherin vor „Venus mit Amor als Honigdieb“, Malerei auf Lindenholz von Lucas Cranach dem Älteren, zu sehen in der Ausstellung „Zwischen Venus und Luther. Cranachs Medien der Verführung“ Foto: dpa

Cranach habe mit seinen Bildern eine erste Form der Marke geschaffen, sagte Sammlungsleiter Daniel Hess am Dienstag. Er habe gezielt die Nachfrage nach seinen Werken geschürt und den Markt mit hohen Stückzahlen in hervorragender Qualität bedient. Experten gehen davon aus, dass etwa 5000 Gemälde aus der Werkstatt des Künstlers stammen.

Zu den berühmtesten Motiven zählen Cranachs Darstellungen der Venus mit Amor als Honigdieb – mehr als 20 Gemälde-Fassungen gibt es davon. Zwei dieser Bilder sind im Nationalmuseum zu sehen. Ein weiterer Schwerpunkt: Cranachs Bilder des Reformators Martin Luther. „Es ging dabei nicht darum, Luther zu zeigen, wie er aussah, sondern ein Image von ihm zu kreieren“, sagte Hess. So zeigte der Maler ihn gezielt als frommen Mönch oder väterlichen Reformator.

Durch seine Freundschaft mit Luther und Philipp Melanchthon wurde Cranach zum Schöpfer einer protestantischen Kunst. Durch Cranachs Bilder wurden Luther und seine Lehre in Europa bekannt. Unter den Holzschnitten im Nationalmuseum ist so auch ein satirisches Flugblatt zu sehen, auf dem Frauen und Kinder die Geistlichen vertreiben. (dpa)

Ausstellungen zu Cranach

  • Gotha

    Den politischen Botschaften in den Werken Lucas Cranach des Älteren (1472-1553) spürt eine internationale Sonderausstellung im thüringischen Gotha nach. Die Schau „Bild und Botschaft – Cranach im Dienst von Hof und Reformation“ wurde Ende März eröffnet und ist bis zum 19. Juli zu sehen. Anhand von rund 200 Exponate wird die Arbeit des Künstlers für die Kurfürsten von Sachsen und die Reformation verdeutlicht. Die Schau wird in etwas veränderter Form zwischen dem 21. August und dem 29. November im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel zu sehen sein.

  • Weimar

    Um das ganze Wirken der Künstler-Familie Cranach geht es im Schiller-Museum. Von Sibylle von Clewe als Braut, 1526 gemalt von Cranach dem Älteren, bis zum Bildnis des Reformators Martin Luther zeigt die Klassik Stiftung Weimar sowohl Werke aus ihrem eigenen Bestand wie auch internationale Leihgaben. Im Mittelpunkt der Schau (seit Anfang April bis zum 14. Juni) steht der Altar in der Stadtkirche Peter und Paul, den Cranach der Jüngere nach dem Tod seines Vaters malte. Er zählt zu den wichtigsten Altären der Reformationszeit.

  • Eisenach

    Auf der Wartburg stehen die Luther-Porträts der Cranach-Werkstatt im Mittelpunkt. Zwischen 1520 und 1546 entstanden sieben verschiedene grafische und gemalte Porträttypen Martin Luthers. Die Schau (2. April bis 19. Juli) wirft damit ein Licht auf die straffe Organisation der Werkstatt, die diese Porträts teilweise in großer Zahl und Geschwindigkeit fertigte.

  • Kronach

    In der Geburtsstadt von Lucas Cranach dem Älteren sind auf der imposanten Festung Rosenberg in der Fränkischen Galerie seit dem 1. März vor allem Werke aus der späteren Schaffensphase des Künstlers zu sehen. Im Vorjahr ist die Galerie, eine Zweigstelle des Bayerischen Nationalmuseums, modernisiert und mit neuen Exponaten ausgestattet worden. Die Schau ist bis Ende Oktober zu sehen.

  • Coburg

    Die Kunstsammlungen der Veste Coburg zeigen seit Ende März bis zum 31. Mai eine Sonderschau zum grafischen Schaffen der Cranach-Werkstatt. Das Kupferstichkabinett der Veste verfügt über den nahezu vollständigen Bestand der grafischen Blätter von Lucas Cranach dem Älteren und seiner Werkstatt. In der Ausstellung ist eine Auswahl von etwa 100 Arbeiten zu sehen, darunter wertvolle Unikate. Ergänzt wird die Ausstellung durch Vergleichsbeispiele von Albrecht Dürer, Hans Baldung Grien und Hans Schäufelein.

  • Wittenberg

    Das Leben und Werk des deutlich unbekannteren Lucas Cranach des Jüngeren (1515-1586) steht im Mittelpunkt einer großen Ausstellung im sachsen-anhaltischen Wittenberg. Unter dem Titel „Entdeckung eines Meisters“ sind vom 26. Juni bis zum 1. November mehr als 150 Exponate zu sehen. In diesem Jahr wird der 500. Geburtstag des Cranach-Sohnes gefeiert. In Wittenberg war die Cranach-Werkstatt beheimatet, in der Tausende Bilder entstanden.

  • Wörlitz

    Einen Einblick in die große Kunstsammlung von Fürst Leopold III Friedrich Franz von Anhalt-Dessau gibt die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz mit einer Schau zwischen dem 16. Mai und 4. Oktober. Unter ehemals knapp 600 Gemälden waren auch 30 Bilder der Cranachs und ihrer Werkstätten. 18 Cranach-Werke sind heute noch im Gotischen Haus erhalten – sie werden in originaler Hängung präsentiert.

  • Dessau

    Die Anhaltische Gemäldegalerie zeichnet zwischen dem 28. Juni und 1. November mit ihren Beständen ein facettenreiches Bild des jüngeren Cranach . Besuchern werden Unterschiede zwischen Vater und Sohn sowie die theologischen Hintergründe nahegebracht. Zu sehen ist unter anderem die Dessauer Abendmahltafel, auf der Luther, Melanchthon und Georg III. von Anhalt gemeinsam mit Cranach dem Jüngeren als Mundschenk das Abendmahl feiern.

  • Kirchen

    Eine Reihe bedeutender Werke der Cranachs sind nicht in Museen, sondern in Kirchen zu erleben. In großen Stadtkirchen wie in kleinen Gotteshäusern sind bis heute von den Künstlern gestaltete Altäre und Gemälde zu sehen. In Sachsen-Anhalt rücken etwa die Kirche St. Johannis Dessau, die Kirche St. Bartholomäi Zerbst, die Stadtkirche Kemberg, die Pauluskirche Ditrichsdorf, die Patronatskirche Klieken und die Nicolaikirche Coswig in den Blickpunkt.

  • Nürnberg

    Im Germanischen Nationalmuseum sind heute bedeutende Cranach-Werke von Vater und Sohn zu sehen, so etwa Luther-Bildnisse. Am 21. Mai eröffnet das Museum seine Schau zum Thema „Zwischen Venus und Luther: Cranachs Medien der Verführung“. Der kulturhistorische Kontext von etwa 20 Cranach-Gemälden soll dabei erläutert werden. „Neue Fragen erschließen für den Betrachter des 21. Jahrhunderts einen Zugang und schlagen einen Bogen in die Gegenwart. Viele bekannte Werke erscheinen in neuem Licht“, heißt es zur Schau, die vom 21. Mai 2015 bis zum 22. Mai 2016 läuft. Ergänzt wird die Ausstellung durch 40 Druckgrafiken. (dpa)

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