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Forschung

Das Leben und Leiden im Lager

Ausstellung beleuchtet Massenmord und Zwangsarbeit am Reichsparteitagsgelände.

Das Dokumentationszentrum am ehemaligen Reichsparteitagsgelände legt eindrücklich Zeugnis ab, wie stark das Reichsparteitagsgelände in die rassistische Kriegsführung eingebunden war.Foto: Daniel Karman/dpa
Das Dokumentationszentrum am ehemaligen Reichsparteitagsgelände legt eindrücklich Zeugnis ab, wie stark das Reichsparteitagsgelände in die rassistische Kriegsführung eingebunden war.Foto: Daniel Karman/dpa

Nünberg.Bislang ist die Geschichte der Gefangenenlager auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg weitgehend unbekannt. Nun präsentiert eine Sonderausstellung zum ersten Mal aktuelle Forschungsergebnisse. Zu sehen ist die von der Stiftung „Erinnerung, Vergangenheit und Zukunft“ und der „Stiftung zur Unterstützung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände“ geförderte Ausstellung seit 9. Mai bis 2. Februar 2020 im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg in der Bayernstraße 110.

Schon kurz nach Kriegsbeginn im Herbst 1939 weichen auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg-Langwasser die zur Unterbringung der Parteitagsteilnehmer aufgestellten Zeltstädte zahllosen Holzbaracken, Stacheldrahtzäunen und Wachtürmen. In kürzester Zeit entwickelt sich ein umfangreicher Lagerkomplex. Dorthin werden in den kommenden Jahren mehr als 100 000 Zivilisten, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus West-, Süd- und Osteuropa sowie den USA gebracht. Die meisten müssen zum „Arbeitseinsatz“ in der Landwirtschaft oder Industrie – oft unter menschenunwürdigen Bedingungen. Mehrere tausend Kriegsgefangene und zur Zwangsarbeit Verschleppte sterben bis Kriegsende in Nürnberg. Als Mitte April 1945 die US-Armee in der Stadt einrückt, befreit sie im Kriegsgefangenenlager Langwasser rund 14 000 Gefangene: Schwache und Kranke, die von der fliehenden Wehrmacht dort zurückgelassen wurden.

Die Geschichte der Gefangenenlager auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände ist bislang weitgehend unbekannt. Während die Bilder der Reichsparteitage weltweit als Ikonen der NS-Propaganda Bekanntheit erlangten, ist die Umnutzung des Areals als Kriegsgefangenen- und Zwangsarbeiterlager zwischen 1939 und 1945 in Vergessenheit geraten. Mit den Jahren des Kriegs – nach den Reichsparteitagen und vor dem Umgang mit dem Gelände nach Kriegsende – thematisiert die Sonderausstellung eine wichtige Phase in der Ortsgeschichte des Reichsparteitagsgeländes, die bislang in der Dauerausstellung des Hauses noch keine Rolle spielt. Sie ist aus einem internationalen, von der Stiftung „Erinnerung, Vergangenheit und Zukunft“ finanzierten Forschungsprojekt hervorgegangen und präsentiert neueste Ergebnisse: In fünf Zeitschritten nähert sie sich dem Leben und Leiden im Lager an. Biografien zeigen individuelle Schicksale und legen eindrücklich Zeugnis davon ab, wie stark das Reichsparteitagsgelände im Zweiten Weltkrieg in die rassistische Kriegsführung und nationalsozialistische Vernichtungspolitik eingebunden war.

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