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Kunst

Der Coup: Gerhard Richter in Nürnberg

Das Neue Museum in Nürnberg zeigt seine erste große Ausstellung mit Werken des Stars. Das Haus kalkuliert mit 25 000 Besuchern.
Von Cathérine Simon, dpa

  • Seine Werke zählen zu den teuersten der Gegenwart: Gerhard Richter. Foto: epa
  • Eine Frau betrachtet eines der Werke aus Gerhard Richters Serie der abstrakten Bilder: Ab Donnerstag widmet Nürnberg dem Künstler eine große Ausstellung. Foto: epa
  • Eine Frau vor dem Bild „Kerze“ von Gerhard Richter aus dem Jahr 1982: Ab Donnerstag widmet Nürnberg dem Künstler eine große Ausstellung. Foto: dpa

Nürnberg.Die Werke des deutschen Malers und Grafikers Gerhard Richter gehören zu den teuersten der Gegenwart. Bei Auktionen bringen sie regelmäßig mehrstellige Millionensummen ein – der „Domplatz, Mailand“ erreichte bei Sotheby’s 37 Millionen Dollar. Der „Guardian“ nannte Richter einst den „Picasso des 21. Jahrhunderts“. Seit knapp einem Jahr ist das Neue Museum in Nürnberg Heimat der drittgrößten Richter-Sammlung weltweit, wie der Leiter des Gerhard Richter Archivs in Dresden, Dietmar Elger, sagt. Von Donnerstag (13. November) an zeigt das Haus seinen Schatz erstmals. 28 Werke sind zu sehen – in einer Schau, die der Künstler selbst gestaltet hat. Museumsdirektorin Eva Kraus hofft auf mehr als 25 000 Besucher.

Die Nachricht, dass das Berliner Sammler-Ehepaar Ingrid und Georg Böckmann 29 Richter-Gemälde als Dauerleihgabe nach Nürnberg gibt, war Ende 2013 ein Paukenschlag. Der 82 Jahre alte Künstler arbeitete schon früh sowohl fotorealistisch als auch abstrakt. So sind in der Nürnberger Ausstellung „Ausschnitt“ etwa das „Seestück (bewölkt)“ aus dem Jahr 1969 zu sehen oder das altmeisterlich anmutende Gemälde „Schädel mit Kerze“ (1983) - sowie eine ganze Reihe abstrakter Werke wie „Sechs Farben“ von 1966 mit gleich großen Vierecken. Die Schau umfasst Gemälde aus dem Zeitraum von 1957 bis 2003.

Zwei Bilder bei der Kanzlerin

Für das Nürnberger Haus bedeutet die Richter-Sammlung auch einen Aufstieg innerhalb der Museumslandschaft – und die Chance, Leihgaben aus größeren Häusern zu erhalten. „Denn wenn man selbst attraktive Werke geben kann, erhält man auch attraktivere Leihgaben für Ausstellungen“, sagte kürzlich Sammlungsleiter Thomas Heyden den „Nürnberger Nachrichten“. Zwei der 29 Bilder aus der Sammlung Böckmann hängen allerdings im Bundeskanzleramt in Berlin, wie Museumssprecherin Eva Martin sagt. „Sie bleiben auf ausdrücklichen Wunsch der Kanzlerin im Kanzleramt.“ Dafür ist ein mehrteiliges Werk aus dem Privatbesitz von Richter in der Nürnberger Schau zu sehen.

Der 1932 in Dresden geborene Künstler belebte die Malerei aus Sicht vieler Experten neu. Als Richter 1961 aus der DDR in den Westen floh, sprachen viele vom Ende der Malerei. Bei möglichst realistischen Abbildungen war die Malerei der Fotografie hoffnungslos unterlegen. Und auch Im- und Expressionismus schienen ausgereizt. Richter gelte heute als derjenige, der der Malerei damals eine neue Bedeutung gegeben habe. „Er ist einer der wenigen Künstler, die das Thema Malerei umfassend in ihrem Werk behandelt haben. Er hat über Jahrzehnte immer wieder neue Ansätze und innovative Lösungen gefunden, wie ein Bild entstehen kann“, sagt Elger. Mehr als 3000 Gemälde, Zeichnungen, Grafiken und andere Werke hat der Künstler in mehr als 50 Jahren geschaffen. „Er war sehr fleißig.“

„Preise angemessen“

Gerhard Richter nutzte oft Fotografien als Vorlagen für seine Gemälde. „Das Foto ist das perfekteste Bild; es ändert sich nicht, es ist absolut, also unabhängig, unbedingt, ohne Stil. Es ist mir deshalb in der Weise, wie es berichtet und was es berichtet, Vorbild“, notierte der Künstler Mitte der 1960er Jahre. Viele seiner realistischen Gemälde erscheinen dennoch wie verschwommen. Damit wollte er auf die nur scheinbare Objektivität der Fotografie hinweisen: „Wir sehen doch nur, wie es unser Linsen-Apparat Auge zufällig vermittelt.“

Dass Richters Bilder so teuer sind, hält Elger für gerechtfertigt: „Sein Werk ist durch alle Perioden hindurch relevant. Außerdem ist er immer jemand, auf den man sich kunsthistorisch beruft und der in wichtigen Ausstellungen vertreten ist.“ Seine abstrakten Werke seien auch visuell attraktiv für Sammler. „Bei Richter sind seine Bedeutung und die Preise seiner Werke – anders als bei anderen –- kunsthistorisch fundiert und nicht vom Markt aufgebauscht.“

Mehr Sicherheitskräfte

Zur Eröffnung der Ausstellung in Nürnberg hat das Museum die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. So ist mehr Aufsichtspersonal da und es darf immer nur eine bestimmte Zahl von Besuchern in den Saal. Und kommt der Künstler zu seiner selbstgestalteten Schau? „Bisher gehen wir davon aus, dass er nicht kommt. Er hat es sich aber bewusst offen gehalten“, sagt Martin. Mit Richter über seine Bilder zu sprechen, könnte jedoch schwierig werden. „Über Malerei reden, das hat keinen Sinn“, notierte Richter einmal. „Indem man mit der Sprache etwas vermittelt, verändert man es. Man konstruiert solche Eigenschaften, die gesprochen werden können, und unterschlägt die, die nicht ausgesprochen werden können, die aber immer die wichtigsten sind.“

Die Ausstellung im Neuen Museum Nürnberg, Luitpoldstraße 5, ist von 14. November bis 22. Februar zu sehen: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr.

Informationen zur Gerhard-Richter-Ausstellung in Nürnberg

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