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Leben

Die Besucher tanzen friedlich

Mehr als 70 000 Gäste erlebten am Wochenende „Rock im Park“ in Nürnberg. Die Klo-Knappheit sorgte zeitweise für Ärger.
Von Nikolas Pelke

Mehr als Rock: Zwischen den Bühnen bringt ein DJ die Besucher zum Tanzen. Foto: Nikolas Pelke
Mehr als Rock: Zwischen den Bühnen bringt ein DJ die Besucher zum Tanzen. Foto: Nikolas Pelke

Nürnberg.Vor den blauen Häuschen stehen Brandan und Shanna schon wieder in der Schlange. „Die Toiletten sind in diesem Jahr ein echtes Problem. Es sind einfach viel zu wenige“, sind sich die beiden Festivalbesucher sicher und zeigen auf die vielen Wartenden. „Wir nutzen jetzt die Zeit bis zur nächsten Band, um aufs Klo zu gehen“, sagt das Pärchen und macht einen Trippelschritt durch den Staub in der Reihe nach vorne.

Hinter den blauen Klohäuschen mit der langen Schlange vertreibt sich ein anderes Pärchen mit Dosenbier die Zeit auf dem Zeltplatz. Auch die beiden berichten von endlosen Schlangen zum Festivalauftakt vor den Klohäuschen. Viele Besucher hätten in ihrer Not wild auf die Zelte uriniert, anstatt sich vor den blauen Klohäuschen die Beine in den Bauch zu stehen. Teilweise hätten die Leute über eine Stunde vor den Toiletten anstehen müssen. In den sozialen Netzwerken sollen unappetitliche Fotos von verstopfen Kloschüsseln zeitweise der letzte Schrei gewesen sein. Frustrierte Festivalbesuche haben im Internet mittlerweile sogar eine Petition gestartet. Sie fordern einen Teil der Ticketpreise zurück, weil so viele Toiletten nicht funktioniert haben sollen. Zwischenzeitlich haben über 300 Leute die Online-Forderung unterzeichnet. Die Veranstalter haben sich für das WC-Problem entschuldigt und im Laufe der Festivaltage zusätzliche Chemieklos aufgestellt.

Slash mit Zylinder

Derweil baut die amerikanische Rockband Slash gerade auf der Zeppelinbühne das Musikequipment auf. Beim Soundcheck werden die Verstärker für jedes Instrument eingestellt. Bis der Sound passt, vergeht eine gute halbe Stunde. Die Zeit nutzen Doro und Tina für eine kleine Stärkung. „Wir haben diesen Stand mit den Käsekrainern entdeckt. Die schmecken total lecker“, sagt Tina und beißt in ihre Wurstsemmel. Langweilig wird den beiden Festivalbesucherinnen beim Essen nicht.

Positives Fazit

  • Besucher:

    Mehr als 70 000 Besucher tummelten sich auf dem Festivalgelände beim Zeppelinfeld.

  • Sicherheit:

    Die Einsatz- und Rettungskräfte zogen ein positives Fazit.

  • Gesundheit:

    Neben den Warteschlangen vor den Toiletten hat der Eichenprozessionsspinner für besondere Probleme gesorgt. Mehr als 150 Leute sollen mit Hautreizungen behandelt worden sein.

Während Doro und Tina mit ihren heißen Snacks auf den Treppenstufen hocken, zieht ein buntes Volk aus Rockfans vorbei. Bei der Kleidung scheint Funktionalität vor Extravaganz zu gehen. Die meisten Festivalbesucher setzen auf kurze Hosen, alte Schuhe und verwaschene T-Shirts. Ausnahmen bestätigen die Regel: Anja hat sich zum Beispiel ein Einhorn auf die Stirn gebastelt. Andere tragen den Schmuck als Tattoo auf der Haut. Ein Besucher trägt auf seinem T-Shirt folgenden Slogan über das Festivalgelände spazieren: „Meine Freundin ist tätowiert, deine braucht Schminke“.

Derweil greift Slash auf der großen Bühne in die Saiten. Der Mann mit den schwarzen Locken und der riesigen Melone auf dem Kopf ist Gitarrist der bekannten Rockband „Guns `N Roses“ gewesen, die vor rund 30 Jahren mit Songs wie „Welcome to the Jungle“ weltweit die Charts erobert hat. Der Zylinder ist Slash als Markenzeichen geblieben. Sarah und Christoph haben sich für einen anderen Spaß entschieden. Die beiden tanzen im Staub zwischen den Bühnen. „Die Musik ist hier einfach besser“, sagt Sarah und zeigt auf den DJ, der in einem kleinen Baumhaus die Plattenteller rotieren lässt. Auch Christina tobt sich vor dem DJ aus. „Die Stimmung ist einfach super hier. Später gehe ich noch zu SDP“, sagt Christina und hüpft weiter durch den von den vielen Tanzbeinen aufgewirbelten Staub.

Der Vorverkauf läuft

SDP ist ein Duo aus Berlin, das mehr auf Rap als auf Rock setzt. Überhaupt haben die Veranstalter in diesem Jahr dem Festivalnamen nicht immer alle Ehre gemacht. Besonders am Samstag haben die rund 70 000 Festivalbesucher viel Sprechgesang zu hören bekommen. Mit weniger Rock und mehr Musikvielfalt hat das Festival offensichtlich mehr Musikgeschmäcker ansprechen wollen.

Am Sonntagabend dürften die „richtigen Rockfans“ mit den Auftritten von Bands wie Slayer oder Tool noch einmal so richtig auf ihre Kosten gekommen sein. Im nächsten Jahr feiert „Rock im Park“ am ersten Juni-Wochenende in Nürnberg seinen 25. Geburtstag. Der Vorverkauf hat bereits begonnen.

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