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Kultur

Die Comicwelt ist in Erlangen zu Gast

Der Comic-Salon beginnt am 31. Mai. Er ist das wichtigste Festival für grafische Literatur im deutschsprachigen Raum.
Von Nikolas Pelke

Ein Teil der Ausstellung in Erlangen widmet sich bösen Clowns. Fotograf: Erich Malter
Ein Teil der Ausstellung in Erlangen widmet sich bösen Clowns. Fotograf: Erich Malter

Erlangen.Den Journalismus mit dem Zeichenblock will der 18. Internationale Comic-Salon, der vom 31. Mai bis zum 3. Juni in Erlangen stattfindet, besonders ins Blickfeld nehmen. Denn die journalistischen Waffen der Satiriker werden offenbar immer wichtiger. Dass es die Karikaturisten in Zeitungshäusern heute nicht leicht haben, beweist aktuell der Fall Dieter Hanitzsch. Nach einer umstrittenen Karikatur des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu hat die Süddeutsche Zeitung die langjährige Zusammenarbeit beendet.

Zielscheiben gehen nicht aus

Mit Feder und Tusche nehmen auch Achim Greser und Heribert Lenz die Welt aufs Korn. Beim gemeinsamen Grafikstudium in Würzburg haben sie ihre geteilte Begeisterung für die satirischen Errungenschaften der „Neuen Frankfurter Schule“ entdeckt. Zu Beginn ihrer gemeinsamen Karriere haben sie die Leser der Satirezeitschrift „Titanic“ zum Lachen gebracht. Heute erheitern sie die Leserschaft der Tageszeitung „FAZ“. In ihrer Aschaffenburger „Witze-Manufaktur“ arbeitet sich das Duo derzeit an Trump ab.

Rund 500 Künstler werden in Erlangen erwartet. Fotograf: Erich Malter
Rund 500 Künstler werden in Erlangen erwartet. Fotograf: Erich Malter

Zum Comic-Salon in Erlangen öffnen Greser und Lenz ihre prall gefüllte Karikaturenkiste und zeigen im Erlanger Kunstmuseum rund 250 Werke aus ihrer Feder. Gegenüber dieser Zeitung haben Greser und Lenz zum Rausschmiss ihres Kollegen Dieter Hanitzsch klar Stellung bezogen. Wenn der zuliefernde Mitarbeiter und nicht der für den Abdruck verantwortliche Redakteur bestraft wird, setze dies die „natürliche Hierarchie zwischen Redaktion und freiem Mitarbeiter“ völlig außer Kraft. Der Rauswurf von Hanitzsch bei der „SZ“ erinnere Greser und Lenz an das berühmte Bauernopfer. „Die Blätter wollen heute jede Gefahr des Leserverlustes vermeiden. Das hat etwas hasenfüßiges“, finden sie. Die Redaktion hätte die Zeichnung ihrer Meinung nach vorher ablehnen müssen.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Comic-Salon:

Comicsalon

  • Programm:

    Das Herz des Comic-Festivals ist die Comic-Messe. Daneben wird der „Max und Moritz-Preis“ verliehen.

  • Schwerpunkt:

    Dem aufstrebenden Genre der Comic-Reportage ist ein Schwerpunkt gewidmet. Darüber hinaus gibt es satirische Zeichnungen von Greser & Lenz, die Traumwelten des französischen Comic-Philosophen Marc-Antoine Mathieu und das vielfältige Wirken des deutschen Comic-Stars Flix.

Das Karikaturisten-Duo aus Aschaffenburg versucht, um den Nahen Osten derweil einen großen Bogen zu machen nimmt stattdessen lieber Donald Trump ins Visier. Keine leichte Aufgabe. „Trump macht es einem schon schwer, sein Treiben satirisch zu toppen. Die Erscheinungsform der Frisur ist leider nicht komisch allein“, erklären die beiden. Über mangelnde Zielscheiben beschweren können sich Greser und Lenz nicht. Die „Hitparade von närrischem Personal“ habe mit Leuten wie Putin, Orban oder Erdogan sogar noch zugenommen. „Man wundert sich, dass solche Figuren trotz Aufklärung noch möglich sind. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Aufklärung nur individuell stattfindet und nicht evolutionär an die nächste Generation weitergegeben wird“, sagen Greser und Lenz unisono.

Heuer in Zelten untergebracht

Die Ausstellungen beim diesjährigen Comic-Salon beschäftigen sich nicht nur mit den Zeichnungen von Greser und Lenz. Gezeigt werden auch die Traumwelten des französischen Comic-Philosophen Marc-Antoine Mathieu. Der deutsche Comic-Star Flix darf ebenfalls nicht fehlen. Laut den Festivalmachern spiele die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Themen in der grafischen Literatur eine immer größere Rolle. Gleichzeitig bleibe Comic aber das Genre, das für unterhaltsame Geschichten stehe.

Traditionell bildet die Comic-Messe das Herzstück des Festivals in der Universitätsstadt. Weil das Erlanger Kongresszentrum derzeit saniert wird, findet die Comic-Börse heuer in Messezelten in der Erlanger Innenstadt statt. Rund 200 Aussteller präsentieren dort ihr Verlagsprogramm mit Neuerscheinungen. Obendrein werden rund 500 Künstler aus aller Welt zwischen dem 31. Mai und dem 3. Juni zum 18. Internationalen Comic-Salon in Erlangen erwartet. Greser und Lenz haben ihr Kommen ebenfalls angekündigt.

Hier finden Sie weitere Nachrichten aus Neumarkt und Umgebung.

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