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Kultur

Die Kunstvilla hat eine Nische gefunden

Der Kunstmuseum hat sich Künstlern der Stadt Nürnberg verschrieben. Damit jüngere Menschen zu erreichen, wird immer schwerer.
von unserem Nürnberg-Korrespondenten Thomas Tjiang

  • Dr. Andrea Dippel leitet die Kunstvilla, die über einen Bestand von rund 1500 Bildern verfügt. Foto: Tjiang
  • Das Gebäude stammt aus der Zeit Ende des 19. Jahrhunderts. Foto: Tjiang

Nürnberg.Aktuell zeigt Nürnbergs jüngstes Kunstmuseum „Kunstvilla Arbeiten“ von Herrmann Wilhelm. Herrmann Wer? Der 1897 in Oberfranken geborene Künstler gilt zwar als facettenreicher Maler und wegweisender Professor der Nürnberger Akademie für bildende Künste, gleichzeitig zählt er aber zu den „Vergessenen“. Einerseits ging bei Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg sein bis dahin gesamtes Schaffen größtenteils in Flammen auf, andererseits hatte es die Stadt Nürnberg versäumt, vom Träger der Nürnberger Bürgermedaille zu Lebzeiten Werke anzukaufen.

Für die laufende Ausstellung musste die Leiterin der Kunstvilla, Dr. Andrea Dippel, daher Arbeiten von Wilhelm zusammenleihen – obwohl der Künstler als „einer der Gründerväter der heutigen Kunstszene Nürnbergs“ gilt. Die Ausstellung „Klasse Wilhelm“ rückt zudem seine Schüler in das Blickfeld, mit denen er in Nürnberg die Diskussion um die Moderne in Gang brachte.

Förderverein mit 60 Mitgliedern

Die Kunstvilla steht inhaltlich in der Tradition der einstigen Fränkischen Galerie, der Fokus des städtischen Museums liegt auf Kunst in Nürnberg von 1900 bis heute. Die sei im Vorfeld der Eröffnung im Sommer 2014 belächelt und bezweifelt worden, erinnert sich Dippel. Doch als erstmals die Türen der umfangreich sanierten jüdischen Kaufmannsvilla vor den Toren der Altstadt eröffnet wurden, habe es einen „fulminanten Start“ gegeben. Die Begeisterung über das neue Kunsthaus mit seinen rund 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche war groß. Sie halte auch weiter an, sagte Dippel: „Wer einmal hier war, kommt wieder.“ Es gebe regelrechte Fans der Kunstvilla, der Förderverein „Die Kunstvilligen“ zählt bereits gut 60 Mitglieder.

Die Kunstvilla hat es sich zum Ziel gesetzt, die Lücke für Künstler mit Heimat in Nürnberg zu schließen – auch wenn Dippel beim Stichwort „künstlerisches Heimatmuseum“ leicht zusammenzuckt. Vor ihr liegt eine Herkulesaufgabe: „Wir leisten hier Pionierarbeit bei der regionalen Kunstgeschichte“ lautet die Parole für ihr Haus. „Da stehen wir ganz am Anfang“, sagt Dippel. Den Nürnbergern werde aber zunehmend bewusst, dass sie eine eigene Kunstgeschichte haben. Auffällig sei der relativ geringe Anteil weiblicher Künstler. Brigitta Heiduck, deren etablierte Arbeiten im Rahmen der „Klasse Wilhelm“ zu sehen sind, sei aber alles andere als eine Quotenfrau, sagt Dippel.

Allerdings sieht sie sich auch einem „Kampf um Aufmerksamkeit“ der Besucher ausgesetzt. Gerade junge Menschen zu erreichen werde immer schwerer, sagt sie. Dabei lasse sich ein Museumsbesuch nie durch einen virtuellen Rundgang am Smartphone ersetzen. „Das Original ist immer etwas Besonderes“, findet Dippel. Sie kennt aber auch die Klage junger Besucher: „Das ist doch keine Kunst.“ Hier will sie mit kunstpädagogischen Angeboten eine Brücke schlagen.

Überhaupt will Dippel es Neugierigen möglichst einfach machen, Nürnberger Kunst in der Kunstvilla zu entdecken. Dazu gehören der Gesprächssalon mit Künstlergesprächen, allgemeine Führungen zum Kennenlernen regionaler Werke im Haus oder Dialogführungen, die die Eindrücke der Besucher in den Mittelpunkt stellen und typische Stilmerkmale suchen. Mittags lockt immer wieder mal die halbstündige Kunstpause, die mit Kurzführungen einen kleinen kulturellen Leckerbissen serviert. In den Sommerferien gibt es außerdem Angebote, die Kunst und „Do it yourself“ für Jugendliche verbindet.

Dass die Kunstvilla nicht in einem „white cube“ untergebracht ist, also einem neutralen, modernen Museumsklotz, macht für Dippel einen besonderen Reiz ihres Museums aus. Das im neobarocken Stil Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Gebäude mit Türmchen und Erkern wurde von der betuchten Hopfenhändler-Familie Hopf erbaut. Bei der millionenschweren Restaurierung durfte der Grundriss der denkmalgeschützten Etagen nicht verändert werden. Deshalb gibt es nun eben zwölf vergleichsweise kleine Ausstellungsräume. Mehr als einen Blick Wert ist das dominante Holztreppenhaus im englischen Stil samt Kassettendecke.

Mehrere Sonderausstellungen

Dippel will neben der Dauerausstellung bis zu vier Sonderausstellungen im Jahr präsentieren. „Kunst ist ein Nischengeschäft“, räumt sie ein. Das gelte gerade deshalb, weil sich die Ausstellungsflächen im Stadtgebiet in den vergangenen Jahren vervielfacht haben. Die Kunstvilla habe sich allerdings bestens in ihrer Nische positioniert, findet Dippel. Der Bestand der Kunstvilla umfasst rund 1500 Bilder.

Die Kunstvilla befindet sich in der Blumenstraße 17 und hat am Dienstag sowie von Donnerstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Mittwochs ist das Museum von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet fünf bzw. 2,50 Euro. Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr können umsonst ins Museum. Mittwochs zwischen 18 und 20 Uhr ist für alle der Eintritt frei.

Im Dachgeschoss der Kunstvilla wird die Sonderausstellung „Zwischen den Farben – Inge Gutbrod/Markus Kronberger“ (27. Oktober bis 16. April) aufgebaut. Das Museum ist daher bis zum 17. Oktober geschlossen. Vom 18. bis 26. Oktober kann die Dauerausstellung im Erdgeschoss und im Obergeschoss in der Blumenstraße für einen reduzierten Eintrittspreis besichtigt werden.

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