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Die schönsten fränkischen Bierkeller

Martin Droschke hat sich die kühlen Orte in der Region genau angesehen und ein Buch dazu veröffentlicht.
Von Nikolas Pelke

Monika und Hernan auf dem Roppelt-Bierkeller in Stierbarlimbach bei Hallerndorf, der im Buch auf Seite 188 angepriesen wird  Foto: Nikolas Pelke
Monika und Hernan auf dem Roppelt-Bierkeller in Stierbarlimbach bei Hallerndorf, der im Buch auf Seite 188 angepriesen wird Foto: Nikolas Pelke

Nürnberg.Das Warten hat bald ein Ende. Die Biergärten in Franken dürfen ab dem 18. Mai wieder öffnen. Die 111 schönsten Exemplare hat Martin Droschke in seinem neuen und unbedingt empfehlenswerten Buch vorgestellt, das nicht nur Bierfreunde und Heimatfans von der Holzbank reißen dürfte. Mit seinem genauso kenntnisreichen wie unterhaltsamen und noch dazu wunderschön bebilderten Kompendium zu den „111 Fränkischen Biergärten, die man gesehen muss“ ist dem Autor aus Coburg mehr als ein Genussreiseführer zu den Weihestätten der nordbayerischen Open-Air-Hopfenschänken gelungen.

Droschke verfolgt mit dem mehr als 200 Seiten starken Werk den Anspruch, seinen Lesern die Bewahrung eines historischen Kulturgutes gerade in der Corona-Krise schnellstens ans Herz zu legen. Seit rund 400 Jahren existieren die Felsenkeller in Franken als Oasen der familiären Gemütlichkeit.

Die Bierkeller

  • Buch: „111 fränkische Biergärten, die man gesehen haben muss“ sind im Emons Verlag erschienen. 240 Seiten kosten 16,98 Euro.

Über Jahrhunderte sind die Bierkeller bis zur Erfindung der Kühlmaschinen die einzigen Orte gewesen, an denen auch in den heißen Sommermonaten eine konstante Temperatur von acht Grad Celsius herrschte. „Diese acht Grad sind nicht nur die perfekte Trinktemperatur. Das ist gleichzeitig die Temperatur, die die untergärigen Bierhefen zum Vergären, Reifen und Lagern benötigen“, erklärt Droschke. Ohne die Bierkeller würde es traditionelle Sorten wie Lager, Märzen, Dunkles, Fest- oder Kellerbier überhaupt nicht geben.

Genuss „auf dem Keller“

Ursprünglich seien die Leute zum Keller gegangen, um sich dort eine mitgebrachte Karaffe mit dem kühlen Gebräu füllen zu lassen. Beim Anstehen seien die geselligen Franken wohl ins Plaudern geraten und hätten die Brauer auf die einfache aber geniale Idee gebracht, direkt auf den Lagerbierkeller ein paar Stühle und Bänke aufzustellen. Daraufhin sei es in Franken laut Droschke schnell üblich geworden, die sommerlichen Familienabende „auf einem Keller“ ausklingen zu lassen.

Schnell hätte sich die Bevölkerung daran gemacht, auch eine Brotzeit mit einfachen aber leckeren Speisen für den nächsten Kellerbesuch in den Picknick-Korb zu packen. Das Mitbringen von Speisen sei heute noch fast überall erlaubt. Auch wenn die Kellerwirte schnell bemerkt haben, dass sich Brot, Käse und Wurst als perfekte Begleiter zum süffigen Bier ebenfalls gut verkaufen lassen. Dieses kalte Mini-Buffett ist heute als „Kellerplatte“ sogar bei Feinschmeckern genauso berühmt wie beliebt. Die Preise für Keller-Bier und Keller-Essen sind in ganz Franken bis heute mehr als moderat geblieben und würden oberbayerische Biergarten-Wirte wohl vor Scham im Erdreich versinken lassen.

Apropos: Der Fortschrittswahn der Wirtschaftswunder-Jahre hätte die fränkischen Bierkeller ab den 60er Jahren beinahe verschwinden lassen. Durch die Erfindung von Kühlschrank und Fernsehen hätten sich die Franken plötzlich den abendlichen Weg zu ihrem Bierkeller schenken wollen – bis in den 80er Jahren eine Rückbesinnung stattgefunden und der Felsenkeller eine Renaissance erlebte.

Durch die Corona-Krise, so Droschke, stünde die einzigartige Bierkeller-Kultur in Franken jetzt abermals vor dem Untergang. „Ich hoffe, dass die Biergärten heuer tatsächlich einen Ansturm von vernünftigen Leuten erleben werden. Wenn das nicht passiert, wird es wahrscheinlich nach der Corona-Krise einen Großteil von den Bierkellern in Franken nicht mehr geben“, warnt Martin Droschke vor den Folgen der Pandemie für die fränkischen Freiluftkathedralen der „anarchistischen Rückständigkeit“.

Wenn die Franken ihre einzigartige Kellerkultur behalten wollen, sollten die Franken in diesem Sommer am besten alle „111 Keller, die man gesehen haben muss“ besuchen, findet der Autor. „Wenn die Münchner wüssten, wie schön die fränkischen Bierkeller sind – die würden über ihre Biergärten weinen“, ist sich Droschke sicher.

Kritik an Kulturschützern

Der Autor verweist auf den kiesigen Untergrund an der Isar, weshalb dort erst im 18.Jahrhundert gemauerte Bierkeller entstanden seien. Damals hätten die Franken schon gut und gerne 150 Sommer auf ihren Felsenkellern verbummelt. Zu dumm, findet Droschke, dass die hauptamtlichen Kulturschützer in Franken bis heute nicht verstanden hätte, welch einzigartiger Schatz gerade jetzt ums Überleben kämpfen müsse.

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