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Region Nürnberg
Montag, 18. Juni 2018 26° 2

Inklusion

Ein etwas anderes Café

Im Café Kirsch arbeiten auch Menschen mit Behinderung. Das bringt Herausforderungen mit sich, aber auch Vorteile.
Von Nikolas Pelke

  • Kathrin Saffer eröffnet in Nürnberg ein Inklusionscafé. Fotos: Pelke
  • Sabrina bäckt in der Backstube des Café Kirsch.

NÜRNBERG.Mit dem „Kirsch“ will sich Kathrin Saffer einen Traum erfüllen. Menschen mit und ohne Behinderungen sollen in ihrem Café in Nürnberg gemeinsam für die Gemütlichkeit und das Wohlbefinden der anspruchsvollen Gäste sorgen. Vor der Eröffnung trainiert die 33-jährige Chefin mit ihrer Mannschaft den Betrieb zwischen Backofen und Kaffeemaschine.

Sabrina steht mit Schürze in der offenen Backstube. „Wir machen eine Linzer Tarte“, erzählt die junge Frau und strahlt. Georgios versucht sich derweil an der Kaffeemaschine. Das Aufschäumen der Milch klappt nach ein paar Versuchen schon ganz hervorragend. „Das ist ein Latte macchiato“, sagt Georgios stolz und serviert seiner neuen Chefin die Kaffeespezialität im Glas.

„Ich will beweisen, dass in einem super angesagten Café auch Menschen mit Behinderung problemlos hinter dem Tresen stehen können. Zu mir sollen die Gäste nicht wegen des Inklusionsgedankens kommen. Meine Gäste sollen kommen, weil sie hier die Kuchen lecker und den Kaffee köstlich finden“, sagt Saffer selbstbewusst und weist damit gleichzeitig falsch verstandene Gefühle des Mitleids von sich.

Training ist angesagt

Vor der Realität kann die junge Chefin die Augen trotzdem nicht verschließen. „In einem gemischten Inklusionsteam bestehen schon besondere Herausforderungen für die Arbeitsabläufe. Wir müssen uns besonders ausführlich und gewissenhaft für die Eröffnung vorbereiten“, ist sich Kathrin Saffer sicher. Vom Servieren bis zum Kuchenbacken hat die 33-Jährige mit ihrer Mannschaft in den letzten Tagen alle Anforderungen an einen „normalen“ Gastronomie-Betrieb haarklein einstudieren lassen. Wie am Fließband werde ihr Café trotz des vielen Trainings niemals funktionieren. „Die Mitarbeiter werden das Tempo vorgeben. Manchmal werden unsere Gäste sicher länger als anderswo auf einen Kaffee warten müssen“, sagt Saffer.

Aus dem vermeintlichen Nachteil will die junge Chefin einen Vorteil machen. „Bei uns wird es auf jeden Fall lockerer zugehen als anderswo. Entschleunigung wird bei uns im Café ganz groß geschrieben“, erklärt Saffer, die mit ihren 33 Jahren bereits auf einen langjährigen Erfahrungsschatz in der Arbeit mit behinderten Menschen zurückblicken kann. „Ich bin seit über zehn Jahren Heilerziehungspflegerin.“ Zuletzt habe sie in einem Inklusionscafé in Fürth als stellvertretende Leiterin wertvolle Erfahrungen gesammelt.

Leidenschaft für Apfelkuchen

In dieser Zeit habe Saffer ihre Leidenschaft für das Kuchenbacken entdeckt. „Ich bin eine Freundin von Klassikern wie Apfelkuchen.“ Die Auswahl an Kuchen solle sich mit der Leistungsfähigkeit der Mannschaft peu à peu steigern. Sobald sich das Team eingespielt habe, solle es für die Gäste auch Frühstück im Café Kirsch geben.

Bei der Einrichtung will Kathrin Saffer dagegen alles beim Alten belassen und den Retro-Stil des beliebten Vorgängers Café Wohlleben beibehalten. Neu hinzukommen sollen dagegen Spezialitäten aus aller Welt wie Mate-Tee aus Argentinien.

„Ich träume seit sieben Jahren von einem eigenen Inklusionscafé. Ich habe lange gespart und hart daraufhin gearbeitet. Jetzt freue ich mich, dass es am 5. Juni mit dem Café Kirsch endlich losgeht“, freut sich die junge Chefin und macht weiter mit dem Training für ihre besondere Kaffeehaus-Mannschaft.

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