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Freizeit

Ein Volksfest mit Nostalgie-Effekt

Die Schausteller auf dem Nürnberger Volksfest laden zu einer Zeitreise ein: Dampfende Oldtimer und 100 Jahre Kirmesorgeln sind zu sehen.
Von unserem Nürnberg-Korrespondenten Thomas Tjiang

  • Der Beginn des Frühlingsfests war ein Auftakt nach Maß – dank des guten Wetters. Fotos: Tjiang
  • Schock vor der Geisterbahn: Ein Geist springt aus dem Einkaufswagen.
  • Klaus Krug und Timo Keller bieten Schaumküsse aller Art.
  • Der Dampftraktor von Wasti Birchler stammt aus dem Jahre 1911.

Nürnberg.Mit viel Sonnenschein hat das Nürnberger Volksfest einen guten Start hingelegt. Ein einmaliges Kleinod des Nürnberger Frühlingsfests ist eine große Nostalgieausstellung, die den Schaustellerverband „viel Mühe gekostet hat“. Und nicht nur das. Laut Verbandspräsident Lorenz Kalb schlägt das nostalgische Areal am Südausgang des Volksfests mit mehr als 90000 Euro zu Buche – Transporte etwa mit Sattelschleppern aus Berlin noch gar nicht mitgerechnet. Trotzdem sind das historische Spiegelkabinett, einige fast 100 Jahre alte Konzert- und Kirmesorgeln, Oldtimer und Volksfestmalereien sowie Einzelstücke kostenlos zu bestaunen.

Einmal täglich schwingt sich Wasti Birchler vom Chiemsee auf seinen amerikanischen Dampftraktor aus dem Jahr 1911 und dreht im Konvoi eine Runde über das Volksfest. Das holz- oder kohlebetriebene Stahlross, das einst zur Feldarbeit eingesetzt wurde, hat er in Belgien „in Einzelteilen“ aufgestöbert, in einem dreiviertel Jahr aufgemöbelt und TÜV-fähig gemacht.

Schausteller in vierter Generation

„Ich bin seit meinem 15 Lebensjahr vom Bulldog-Virus infiziert“, erzählt er. Seitdem habe er unzählige alte Traktoren hergerichtet. Die Tour durch die Volksfestgassen mit viel Gezische, Dampf und Lärm genießt er: Die Leute staunten nicht schlecht, wenn er das Gefährt mit einem Gewicht von elf Tonnen manövriere.

Im Nostalgieareal stößt man auch auf Josef Rudolf Kalb, der zu einer Münchner Schaustellerfamilie in vierter Generation gehört. Auch wenn die Lage etwas abseits ist, „Petrus hat Erbarmen und die Besucher sind vom Armbrustschießen angetan“, berichtet Kalb. Und er erinnert an die historische Rolle der Volksfeste als Ort für Innovationen – die Karriere des Kinos begann hier.

Die Ausstellung, die hinter dem Eingang des historischen Spiegelkabinetts beginnt, verfügt über viele Info-Tafeln. Da sind Auszüge aus der Doktorarbeit der Kunsthistorikerin Dr. Margit Ramus, die hauptberuflich gerade als Schaustellerin einen Mandelbetrieb auf dem Kölner Frühlingsfest betreibt. Für Verbands-Chef Kalb ist die heute 62-Jährige, die mit 47 ihr Abi nachholte, studierte und eine Doktorarbeit zum Kulturgut Volksfest mit summa cum laude vorlegte, „ein Vorbild für junge Leute“.

Jeden Tag auf dem Volksfest

Den beiden Besucherinnen, Ursula und Kerstin aus Nürnberg, hat besonders das Kirchweihdiorama in der Ausstellung gefallen. Ansonsten schlendern sie von Stand zu Stand, während ihre Männer im benachbarten Clubstadion dem Traditionsverein im Abstiegskampf – vergeblich – die Daumen drücken. „Normalerweise komme ich einmal die Woche“, sagt Kerstin, die sich besonders auf die „Ladies Night“ freut. Der 13-jährige Christoph aus Nürnberg probiert die Fahrgeschäfte aus: „Der Free Fall Tower ist immer schön.“ Peter, mit Frau und Kleinkind aus Ansbach gekommen, hat noch nicht viel gesehen. Nur die „Bockwurstsemmel habe nicht geschmeckt.“

Nach wie vor im Trend scheinen gebrannte Mandeln, Zuckerwatte oder kandierte Früchte zu sein. Am Stand von Klaus Krug ist man zufrieden. Der Schausteller ist seit 30 Jahren in der Branche aktiv und fasziniert: „Das ist mein Leben“. Schwiegersohn Timo Keller sieht im breiten Sortiment an Schaumküssen „eine Verbindung zwischen Tradition und Moderne“. Aktuell haben die beiden 18 Sorten – vom Erdbeerkuss über Zimt bis zum Eierlikörkuss. „Den einfachen Schaumkuss aus der Kindheit, den gibt es nicht mehr.“ Mit dem Auftaktwochenende zeigt er sich zufrieden.

Unternehmer mit Umsatz zufrieden

Gute Stimmung dringt auch aus den Bierzelten. Der Junior-Chef vom Hax’n Liebermann, Julian Stahlmann, bewertet die ersten Tage als „schön“, auch wenn die niedergeschlagenen Club-Fans am Sonntagabend im Festzelt „nicht im Dreieck hüpfen“. Helmut Dölle vom Alten Brathaus schwärmt vom ersten Abend. „Da sind die Menschen in Massen geströmt.“ Vielleicht liegt es aber auch am Bierpreis, der sich bei ihm für die Halbe je nach Sorte zwischen 3,20 und 3,50 Euro bewegt. In den großen Bierzelten liegt der Preis für die Maß mittlerweile bei 8,50 Euro.

Verbandspräsident Kalb spricht auch für die ganzen Schausteller von einem „gigantischem Auftakt“. Er sieht es auch als „Lohn und Motivation“ für die vielen Themenaktionen, aber auch für „Sauberkeit und Sicherheit“ von Frankens größten Volksfest. Für die nächsten drei Wochen lautet sein Wunsch: „So kann es weiter gehen.“

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