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Einbußen im Nürnberger Tierpark

Während der Zoo in München durch Corona die Pleite fürchtet, ist die Lage des Tiergartens Nürnberg anders.
Von Nikolas Pelke

Trotz Wiedereröffnung erwartet der Tiergarten heuer ein gewaltiges Defizit in Höhe von bis zu 2,5 Millionen Euro.
Trotz Wiedereröffnung erwartet der Tiergarten heuer ein gewaltiges Defizit in Höhe von bis zu 2,5 Millionen Euro. Foto: Nikolas Pelke/Nikolas Pelke

Nürnberg.Kurz vor dem Ruin: Mitten in der Corona-Krise hat der Tierpark Hellabrunn ein schrilles Alarmsignal ausgesendet. Um finanziell über die Runden zu kommen, müsste die Staatsregierung schnell die erlaubte Besucherzahl radikal erhöhen. Ansonsten drohe ab September die Pleite, warnte der Münchner Tierparkchef im Hinblick auf die Besucher-Obergrenze.

Derartige Existenzängste plagen den Nürnberger Zoo offensichtlich nicht. „Rechnerisch ist keine Insolvenz zu erwarten, zumal der Tiergarten eine städtische Dienststelle ist und von einer Insolvenz der Stadt Nürnberg keine Rede ist“, kann Tiergarten-Sprecherin Nicola Mögel alle besorgten Zoo-Freunde beruhigen. In den fränkischen Tiergarten dürfen mittlerweile wieder mehr Besucher hinein: Die Anzahl der Besucher, die sich gleichzeitig im Tiergarten aufhalten dürfen, ist von anfänglich 3250 auf 6500 Menschen erhöht worden. In der ersten Woche nach der Erhöhung der Besucherzahl habe es weder Einlass-Stopp noch Wartezeiten gegeben.

250 000 Besucher weniger

Was die Besucher erfreuen dürfte, könnte dem Tiergarten allerdings weh tun. Der Zoo am Schmausenbuck könnte die zusätzlichen Einnahmen gerade jetzt gut gebrauchen. Durch die Corona-Schließung habe der Nürnberger Zoo bislang rund 250 000 Besucher eingebüßt, erklärte die Tiergarten-Sprecherin weiter: „Die resultierenden Mindereinnahmen liegen bei rund zwei Millionen Euro.“

Durch weitere Mindereinnahmen gehe die Tiergarten-Leitung in diesem Haushaltsjahr derzeit von einem Defizit von bis zu 2,5 Millionen Euro aus. Bei sparsamer Haushaltsführung könne der Tiergarten den derzeitigen Verlust aus eigenen Rücklagen finanzieren. Ein Blick auf die bisherige Besucher-Statistik zeigt jedoch, dass der Tiergarten den Besucherausfall während der Schließung nicht aufholen kann. Im Gegenteil: Seit der Wiedereröffnung des Tiergartens am 11. Mai seien durchschnittlich 3950 Besucher pro Tag gekommen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres seien es mit 4300 Besuchern täglich fast 400 zahlende Kunden mehr gewesen.

Der Tiergarten

  • Ausfälle: Seit der Schließung hat der Tiergarten rund 250 000 Besucher eingebüßt. Die resultierenden Mindereinnahmen aus Eintrittsgebühren liegen bei rund zwei Millionen Euro. Zum Jahresende rechnet der städtische Zoo mit einem Defizit von bis zu 2,5 Millionen Euro.

Obendrein fehlten dem Tiergarten die Spitzentage mit großem Besucherandrang. „Unsere Spitzentage im Frühjahr liegen normalerweise bei rund 13 000 Besuchern“, erklärte Mögel und betonte, dass diese im Hinblick auf die Corona-Obergrenze heuer (noch) nicht aufgetreten seien. Durch einen kleinen Trick beim Zählen der Besucher hat der Tiergarten allerdings seine Zahlen nach oben schrauben können. Trotz Begrenzung auf 3250 Besucher hat der Tiergarten fünf Tage mit über 6000 Besucher verzeichnen können. Spitzentag ist der Pfingstmontag mit insgesamt 6666 Besuchern gewesen.

Der kleine Trick ist schnell erklärt: Anstatt die Besucher nur am Eingang zu zählen, registriert der Tiergarten auch die Besucher am Ausgang. Hintergrund ist, dass die Obergrenzen-Regelung lediglich vorschreibt, dass sich „gleichzeitig“ nicht mehr als anfänglich 3250 und aktuell 6500 Besucher im Zoo aufhalten dürfen. Das heißt, dass sich nacheinander über den Tag verteilt deutlich mehr Besucher im Tiergarten aufhalten dürfen.

Die Stadt im Rücken

Derzeit scheint der Zoo mit der aktuellen Besucher-Obergrenze gut auszukommen. Andererseits würde der Tiergarten wohl von langen Warteschlangen und Einlass-Stopps berichten. Die gute Nachricht lautet für das Publikum daher wohl, dass der Tiergarten trotz Covid-19 überhaupt wieder geöffnet haben darf. Das Defizit wäre ansonsten weitaus schlimmer. Dass der Nürnberger Tiergarten der Stadt gehört und nicht wie der Münchner Tierpark Hellabrunn eine Aktiengesellschaft ist, ist wohl die zweite gute Nachricht.

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