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Wirtschaft

Eine Erfolgsgeschichte in Feucht

Gewerbegebiete sind in der Regel nicht wirklich sexy. Eine kleine Ausnahme ist wahrscheinlich der Industriepark in Feucht.
Von Nikolas Pelke

Vom Kontrollturm aus hat man einen guten Überblick. Der Turm eignet sich mit 145 Quadratmetern auf fünf Stockwerken als Event-Location. Foto: Pelke
Vom Kontrollturm aus hat man einen guten Überblick. Der Turm eignet sich mit 145 Quadratmetern auf fünf Stockwerken als Event-Location. Foto: Pelke

Nürnberg.Richtig verführerisch ist dieses Gewerbegebiet vor den Toren der Stadt Nürnberg auf den ersten Blick zwar nicht. Dafür kann der ehemalige Militärflughafen mit dem markanten Tower in der Mitte auf eine echte Erfolgsgeschichte zurückblicken. „Unser Gewerbegebiet ist eine bayernweit vielleicht einmalige Erfolgsgeschichte der guten interkommunalen Zusammenarbeit“, ist sich der Feuchter Bürgermeister, Konrad Rupprecht (CSU), sicher.

Auch der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) bezeichnet den Gewerbepark als „Erfolgsgeschichte“. Aus dem Verkauf der Grundstücke hätten die Kommunen laut Zweckverband insgesamt über 50 Millionen Euro eingenommen. Die jährlichen Gewerbesteuereinnahmen betragen laut Maly rund drei Millionen Euro. Geteilt werden die Einnahmen nach einer brüderlichen Formel. Auf die Stadt Nürnberg und den Markt Feucht entfallen jeweils 40 Prozent. Wendelstein begnügt sich mit 20 Prozent der Einnahmen. Die Konversion des Standortes mit einer Gesamtfläche in Höhe von rund 850 000 Quadratmetern zu einem florierenden Industriegebiet sei inzwischen vollständig umgesetzt, freut sich Maly. Logistik-Riesen wie Dachser oder DHL geben heute den Ton an. Einen kleinen Nachteil habe die Erfolgsgeschichte allerdings, sagt der Feuchter Bürgermeister Konrad Rupprecht und verweist auf gescheiterte Pläne, das Gewerbegebiet vor rund zehn Jahren zu erweitern. „Es fehlen einfach neue Gewerbeflächen, auch für unsere einheimischen Betriebe.“ Die damaligen Ausbaupläne seien leider durch Naturschützer verhindert worden, weil diese die Lorenzer Reichswald bedroht sahen.

Turm mit toller Aussicht

Eine interessante Immobilie aus dem Feuchter Gewerbegebiet ist derzeit allerdings noch auf dem Markt. Und die ist obendrein spektakulär. Für den Kontrollturm, der sich mit seinen 145 Quadratmetern auf fünf Stockwerken laut Anzeige hervorragend als Event-Location eigne, wird derzeit ein neuer Mieter gesucht. Von der 25 Meter hohen Spitze des Kontrollturms soll man eine tolle Aussicht auf das Gewerbegebiet haben.

Gewerbegebiet

  • Idee: Nach dem Abzug der Amerikaner hatten die drei Rathauschefs aus der Nürnberg, Feucht und Wendelstein im Jahr 1992 die Idee, gemeinsam den ehemaligen Flugplatz mit dem markanten Kontrollturm zu entwickeln.

  • Ursprung: Der Grundstein für das interkommunale Projekt wurde 1996 mit der Gründung des Zweckverbandes Gewerbepark Nürnberg-Feucht-Wendelstein gelegt.

Bei der Entwicklung des beispielhaften Gewerbegebietes haben die kleinen Marktgemeinden nicht ganz freiwillig gemeinsame Sache mit der Großstadt Nürnberg gemacht. Das liegt einfach daran, dass das ehemalige US-Flugfeld zu 20 Prozent auf Nürnberger, zu 32 Prozent auf Wendelsteiner und zu 48 Prozent auf Feuchter Hoheitsgebiet liegt. Die Amerikaner hatten die ehemalige Munitionsfabrik (Muna) als Basis für zuletzt über 70 Hubschrauber genutzt, um den Eisernen Vorhang zu kontrollieren. Mit der Wiedervereinigung ist der Flugbetrieb eingestellt worden. Bereits kurze Zeit später, im März 1992, haben sich die drei ungleichen Bürgermeister zu einem Stelldichein unter dem Kontrollturm getroffen.

Entwicklung der Region im Blick

Das Erfolgsrezept sei laut die Maly die Einstimmigkeit bei Beschlüssen. „Gerade bei strategischen Flächenentwicklungen stellen Kommunen oft noch ihre eigenen Interessen vor das Gesamtinteresse der Region“, kritisiert Maly. Die sprichwörtliche Kirchturmpolitik sei einerseits zwar nachvollziehbar. Andererseits sei dieses Denken abträglich für die Gesamtentwicklung der Region. „Ich bin von Anfang an dabei, und mir war immer bewusst: Dieses Konzept wird ein Gewinn für die beteiligten Kommunen und deren Bürger“, freut sich Rupprecht über die ungewöhnliche Erfolgsgeschichte. Laut Zweckverband bietet sie über 50 Unternehmen ein schönes Zuhause und rund 2500 Beschäftigten einen sicheren Arbeitsplatz.

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